14.07.2018, 10:20 Uhr

Paznauner Maler und ein steirischer Heimatdichter

Erwin Cimarolli vor dem Bild "Verlassen auf Zeins" im Mathias-Schmid-Museum in Ischgl.

Der Seer Künstler Mathias Schmid pflegte eine herzliche Freundschaft mit dem Schriftsteller Peter Rosegger.

SEE/ISCHGL (otko). Der Tod des bekannten österreichischen Schriftstellers Peter Rosegger (1843-1918) jährte sich am 26. Juni zum 100. Mal. Zudem wird am 31. Juli sein 175. Geburtstag gefeiert. Auch zum bekannten Maler Mathias Schmid (1835-1923) aus See im Paznaun pflegte der Heimatdichter eine freundschaftliche Beziehung, wie der Ischgler Alt-Bgm. Erwin Cimarolli aufzeigt. In seinem Mathias-Schmid-Museum verwahrt er dazu Kopien und Abschriften von Briefen und Zeitungsartikeln.
"Peter Rosegger hat 1880 in München einen Vortrag gehalten und ist dort mit Mathias Schmid zusammen gekommen. Dort hat er zahlreiche Ateliers besucht, unter anderem auch jenes von Schmid. Seine Eindrücke hielt er in der Zeitschrift 'Heimgarten' fest. Daraus ist dann ein enger Briefwechsel entstanden und es hat sich eine herzliche Freundschaft entwickelt", schildert Cimarolli, der ein leidenschaftlicher Sammler und Kenner des Werks vom Mathias Schmid ist.
Zum 70. Geburtstag von Rosegger im Jahre 1913 überreichte ihm Schmid die Zeichnung "Sonntag Nachmittag in der Steiermark", die 1905 entstanden war und heute im Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum verwahrt wird. "Dem großen Dichter, dem edlen Menschen Peter Rosegger zum 70. Geburtstag in Verehrung gewidmet von Mathias Schmid", so lautet die eigenhändige Gratulation.

Sozialkritische Einstellung

Der Paznaunr Künstler malte zahlreiche kirchen- und sozialkritische Bilder. "Rosegger hatte eine spitze Feder gegen die Kirche und Schmid war mit dem Pinsel kritisch", weiß Cimarolli.
Zu den zehn Hauptwerken von Mathias Schmid zählt das Gemälde "Verlassen auf Zeins" aus dem Jahr 1885. Auch den Weltschriftsteller Rosegger dürfte das Bild nachhaltig beeindruckt haben, da er es 1887 beschrieb. "Das erschütternde Bild 'Verlassen'. Im Hochgebirge, aus dessen Gletscher starren, ein Kreuz. An den Stufen desselben hingestreckt, das Antlitz an den Stein gepresst, eine junge Mais mit einem Kinde. Man ahnt das dämonische Geschick, welches, wie ein heißer Sturm in der Sommernacht, das Röslein entblättert hat. Und jetzt verlassen! In Schand und Elend verlassen! Und der Knab' geht an der Seite der Anderen stumm an ihr vorüber und neuen Freuden entgegen. Diese Andre sieht mit lebhaftem Befremden das in starrer Verzweiflung hingestreckte Mädchen. Der Bursche wendet sich ab, zieht seine neue Freundin rasch mit sich fort und die Verlassene bleibt in der Bergwildnis liegen auf dem kalten Stein. Ahnt es das blühende Wesen an der Seite des hübschen Begleiters, dass es demselben Schicksal entgegen geht?"
Bei seinen Recherchen stieß Cimarolli auf noch eine eher unbekannte Geschichte: "Die Tochter von Mathias Schmid schrieb in ihren Aufzeichnungen, dass Rosegger eine ausführliche Lebensbeschreibung von Schmid vorbereitet hatte. Diese sei aber aufgrund des Urheberrechts damals nicht zustande gekommen."
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