22.09.2014, 13:41 Uhr

Kraftwerk Sanna polarisiert

Kraftwerksgegner: Günter Kramarcsik, Marcel Pachler, Robert Eiter und Alois Pircher (v. l.) präsentierten Zahlen und Fakten.

Gegner raten den Anrainergemeinden von einer Beteiligung ab und verweisen auf mögliches Risiko.

LANDECK (otko). Das geplante Wasserkraftwerk an der Sanna dürfte für einen spannenden Herbst sorgen. Bis spätestens 30. Juni 2015 müssen die sieben Anrainergemeinden darüber abstimmen, ob sie sich am Kraftwerk beteiligen wollen. Dabei geht es um einen Anteil von 25 Prozent. 65 Prozent sollen an ein Energieversorgungsunternehmen gehen, wobei die Verhandlungen im Moment laufen. Mit 10 Prozent ist der Tiroler Projektentwickler Infra beteiligt.
Eine Allianz aus Touristikern, Wildwassersportlern, der Lattenbach-Bürgerinitiative und Fischern macht gegen das Projekt mobil. Vergangenen Montag lud auf Initiative von Touristiker Karl Graber der Tiroler Raftingverband (TRV) zur Pressekonferenz ein.
TRV-Obmann Marcel Pachler betonte, dass der Verband durch die Wasserkraftprojekte im Oberland existenzbedroht sei. "Wir haben 600 Mitarbeiter beschäftigt und bieten 100 Ganzjahresjobs und sorgen für eine Wertschöpfung von rund 40 Mio. Euro, die in der Region bleiben. Auch 200.000 Nächtigungen stehen auf dem Spiel", erläuterte Pachler. Seit 3. September verhandeln die Rafter mit der Infra über Wassermengen und Betriebszeiten..
Raftingverband-Sprecher Günter Kramarcsik kommt in seinen Analysen über die Strompreisentwicklung und die Wassermengen zum Schluss, dass die regionale Wertschöpfung des Wildwassersports deutlich höher sei als jene des Kraftwerks.

Unrentables Projekt?

Steuerexperte Alois Pircher verwies, dass das geplante Kraftwerk unter den jetzigen Rahmenbedingungen fernab jeglicher Rentabilität laufen würde. "Über den künftigen Strompreis sind keine seriösen Aussagen möglich. Die versprochenen Ausschüttungen an die Gemeinden von 100.000 bis 150.000 Euro gehen sich nicht aus und sind unrealistisch", erklärt Pircher. Auch werden die Zinsentwicklung, die Wasserführung sowie eine eventuelle Wasserabgabe für den Wildwassersport, welche zu einer Erlösminderung führt, nicht berücksichtigt.
Vor einem hochriskanten Geschäft für die Gemeinden bei einer möglichen Beteiligung warnt Anwalt Robert Eiter. "Wenn bewusst Warnungen missachtet, Gutachten nicht berücksichtigt und nachteilige Geschäfte geschlossen werden, kann der Tatbestand der Untreue nach dem Strafgesetz gegeben sein", so Eiter.
LA Ahmet Demir (Grüne) rät den Gemeinden ebenfalls von einer Beteiligung ab und verweist auf das Prüfergebnis nach dem Kriterienkatalog Wasserkraft: "Das Fachgremium befürwortet die Weiterverfolgung nur 'bedingt'."

Wird Druck erzeugt

Gelassen sieht Bgm. Peter Rauchegger die vorgebrachten Zahlen: "Von Seiten des Raftingverbandes fehlt die Handschlagqualität, einerseits wird verhandelt und andererseits aus allen Rohren dagegen geschossen." Hier werde Druck gegen die Gemeinden erzeugt. "Wenn das Projekt nicht wirtschaftlich ist, wird auch niemand einsteigen. Als Firma investieren wir viel Geld", verweist Infra-Projektleiter Hans Bayer.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Propaganda-Schlacht um das Sanna-Kraftwerk
Kraftwerk Sanna: Landeck sagt Ja oder Nein
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Günter Kramarcsik aus Landeck | 22.09.2014 | 17:59   Melden
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Günter Kramarcsik aus Landeck | 03.10.2014 | 09:07   Melden
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Günter Kramarcsik aus Landeck | 24.10.2014 | 02:40   Melden
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