"Sag Ja zur Politik"
Bürgermeisterinnen aus Kärnten ermutigen Frauen zum Mitgestalten
- Die Veranstaltung "Sag Ja zur Politik" in Maria Rojach rückte die Bedeutung von Frauen in der Politik und ihren Einsatz für mehr Gleichstellung in den Mittelpunkt.
- Foto: MeinBezirk.at/Astrid Stippich
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Beinahe hätte es in Kärnten mehr Bürgermeister mit dem Vornamen Josef als Bürgermeisterinnen gegeben. Ursula Heitzer hat das verhindert: Seit ihrem Amtsantritt in Friesach gibt es eine Bürgermeisterin mehr. Wie wichtig weibliche Vorbilder, Vernetzung und gegenseitige Unterstützung sind, zeigte die Veranstaltung "Sag Ja zur Politik" mit Doris Schmidauer im Kulturstadl Maria Rojach.
MARIA ROJACH/KÄRNTEN. Der Blick auf die Kärntner Gemeindepolitik machte am Mittwoch, 21. Oktober, deutlich, wie viel sich verändern muss, damit Frauen in politischen Spitzenpositionen stärker vertreten sind. Erst 1990 übernahm mit Stefanie Quantschnig in Ludmannsdorf die erste Frau in Kärnten ein Bürgermeisteramt. Mehr als drei Jahrzehnte später sind Frauen an der Spitze der Gemeinden weiterhin deutlich in der Minderheit. Bei der Veranstaltung in Maria Rojach kamen Bürgermeisterinnen aus Kärnten zusammen, um über ihre Erfahrungen, Herausforderungen und Wege zu mehr weiblicher Beteiligung in der Politik zu sprechen. Doris Schmidauer, Schirmherrin der Bürgermeisterinnentreffen, ermutigte die Teilnehmerinnen, sich gegenseitig zu stärken und selbstbewusst Verantwortung zu übernehmen.
Frauen müssen sichtbar sein
"Wir Bürgermeisterinnen wollen sichtbar sein", betonte Maria Knauder, Bürgermeisterin von St. Andrä. Wie wichtig der Austausch über Gemeindegrenzen hinweg ist, hob auch Silvia Häusl-Benz, Bürgermeisterin von Pörtschach, hervor: "Ich bin sehr dankbar für die Möglichkeit der Vernetzung!" Die Veranstaltung sollte den Auftakt für weitere Treffen dieser Art bilden, die künftig in ganz Österreich stattfinden sollen.
- Doris Schmidauer, Schirmherrin der Bürgermeisterinnentreffen, ermutigte in Maria Rojach Frauen dazu, politische Verantwortung zu übernehmen und die Zukunft aktiv mitzugestalten.
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Dass Frauen in politischen Führungspositionen noch immer unterrepräsentiert sind, verdeutlichte Schmidauer mit Zahlen: 15,3 Prozent der Vorstandsmitglieder und 11,3 Prozent der Bürgermeister seien Frauen. Gerade auf kommunaler Ebene brauche es mehr weibliche Vorbilder. Auch Landeshauptmann Daniel Fellner sprach sich für mehr Gleichberechtigung aus. Politik habe ihn sein ganzes Leben begleitet, erklärte er. Mit einem Schmunzeln fügte er hinzu, dass er sich auch zu Hause für Gleichberechtigung einsetze – schließlich wolle er dort ebenfalls etwas zu sagen haben. Gleichzeitig bereite ihm die Vorstellung Sorgen, dass viele Menschen nach wie vor einen "g’standenen Mann" als Führungsperson bevorzugten.
Mut zur Verantwortung
Wie unterschiedlich die Wege ins Bürgermeisteramt sein können, zeigten die Erfahrungsberichte der Gemeindechefinnen. Ursula Heitzer, die erst vor Kurzem das Amt in Friesach übernommen hat, berichtete, dass sich trotz ihrer langjährigen Erfahrung als Vizebürgermeisterin vieles verändert habe. Die Aufgaben seien umfangreicher, vieles sei neu. Besonders gefreut habe sie, dass die Wertschätzung, die ihrem Vorgänger entgegengebracht worden sei, unmittelbar auf sie übergegangen sei. "Das ist nicht selbstverständlich", sagte Heitzer.
Margit Heissenberger, Bürgermeisterin von Velden, bezeichnete ihren Beruf als den schönsten der Welt. Karoline Turnschek, Bürgermeisterin von Weißensee, machte Frauen Mut, sich politische Aufgaben zuzutrauen: "Niemand ist als Bürgermeisterin geboren." Wer lernen wolle, könne sich das nötige Wissen aneignen. Man müsse nicht überall Expertin sein, sondern könne sich mit Fachleuten umgeben, die unterstützen. Auch Gabriele Dörflinger, Bürgermeisterin von Klein St. Paul, betonte: "Es braucht Mann und Frau in der Politik."
Vier Schritte nach vorne
Doris Schmidauer formulierte vier zentrale Botschaften, mit denen Frauen ihre Rolle in der Politik stärken können. Erstens gelte es, gemeinsam die "Räuberleiter" zu machen: Frauen sollen einander unterstützen und sich gegenseitig helfen, Hürden zu überwinden. Zweitens brauche es den Mut, Dinge einfach anzugehen, statt auf den perfekten Zeitpunkt oder die perfekte Vorbereitung zu warten. Drittens sollten Frauen etwas ins Rollen bringen und Veränderungen aktiv gestalten. Viertens gehe es darum, sich selbst zu ermächtigen und die eigenen Fähigkeiten ernst zu nehmen.
"Man kann nicht jeden Tag alles richtig machen – das kann niemand. Aber wir können etwas ins Rollen bringen, in Bewegung bringen", sagte Schmidauer. Aus den Bürgermeisterinnentreffen gehe sie stets motiviert hinaus und habe Lust, weiterzumachen. Ihre Botschaft in Maria Rojach: Frauen müssen nicht alles allein schaffen und nicht in jeder Frage Expertinnen sein. Entscheidend sei, Verantwortung zu übernehmen, sich gegenseitig zu unterstützen und Gestaltungsmöglichkeiten zu nutzen.
Demokratie braucht Respekt
Neben der Gleichstellung stand auch die Gesprächskultur in der Politik im Mittelpunkt. Im Demokratiegespräch sprach Michael Kerbler über den respektvollen Umgang miteinander und die Bedeutung unterschiedlicher Meinungen. "Demokratie ist ein vielstimmiger Chor", sagte er. Dass Menschen nicht immer einer Meinung seien, gehöre zur Demokratie. Entscheidend sei jedoch der Umgangston: "Wenn der Ton untergriffig wird, ist die Stimmung kaputt." Demokratie lebe vom Austausch unterschiedlicher Positionen – dafür brauche es gegenseitigen Respekt.
Für die musikalische Umrahmung sorgten das Quartett der Stadtkapelle St. Andrä, eine Kleingruppe des Kärntner Doppelsextetts sowie Edgar Unterkirchner und Stefan Lichtenegger. Durch das Programm führte Martina Klementin, unterstützt von den Jungmoderatorinnen Mathilda Knabl (zehn Jahre) und Lena Riegler (zwölf Jahre).
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