Pflegschaft
Kindern eine Zukunft schenken
- Gerlinde und Johann Fromm entschieden sich vor über 16 Jahren für die Pflegschaft – und schenkten zwei Kindern ein dauerhaftes Zuhause.
- Foto: Privat
- hochgeladen von Katharina Weber
Vor über 16 Jahren entschieden sich Gerlinde Fromm und ihr Ehemann Johann, Pflegekinder in ihre Familie aufzunehmen – ein Schritt, der ihr Familienleben nachhaltig bereichert hat.
WOLFSBERG. "Vor 16 Jahren kam unser erstes Pflegekind zu uns, ein Jahr später das zweite", erinnert sich Gerlinde Fromm. Zu diesem Zeitpunkt hatten sie und ihr Mann bereits vier Kinder – das jüngste war elf Jahre alt, die anderen drei waren bereits aus dem Haus. "Ich hatte damals einen Artikel über Pflegschaft gelesen und das brachte mich auf den Gedanken, selbst einem Kind eine Zukunft zu bieten", erzählt die heute 59-Jährige. Bevor das Paar diesen Schritt wagte, wurde offen darüber gesprochen – vor allem mit den eigenen Kindern. "Ihre Zustimmung war für uns entscheidend", betont Fromm.
Intensiver Prozess
Der Weg zur Pflegschaft umfasste Gespräche mit einer Sozialarbeiterin, einen umfangreichen Fragebogen, mehrere Termine bei einer Psychologin sowie die Teilnahme an einem Pflegeelternseminar. "Es ist ein intensiver Prozess, aber ein guter", sagt Fromm. Nach Abschluss des Verfahrens kamen die Fromms auf eine Warteliste. Vermittelt werden Kinder vom Säuglingsalter bis etwa sechs Jahre – Kinder, die aus unterschiedlichsten Gründen nicht bei ihren leiblichen Eltern aufwachsen können. Das Ehepaar entschied sich für eine Dauerpflege. "Da weiß man von Anfang an, dass das Kind in der Familie bleiben wird", erklärt Gerlinde Fromm. Eine Rückkehr in die Herkunftsfamilie sei in solchen Fällen in der Regel nämlich nicht vorgesehen.
Alltag als Pflegeeltern
Der Alltag von Pflegeeltern unterscheidet sich kaum von dem leiblicher Eltern – und doch gibt es Besonderheiten. "Pflegekinder bringen ihre ganz eigene Vorgeschichte mit, einen Rucksack, dessen Inhalt man oft nicht kennt", sagt Fromm. Auch wenn beide Kinder als Babys zu ihnen kamen, seien diese Erfahrungen spürbar. Regelmäßige Termine mit dem Jugendamt gehören zum Alltag. Besonders schätzt sie die Zusammenarbeit mit der Sozialarbeiterin der Familie: "Das Jugendamt ist für uns ein Partner, zu dem wir mit allen Anliegen kommen können."
Gleichberechtigt & geliebt
Von Anfang an war Familie Fromm wichtig, dass die Kinder ihre leiblichen Eltern kennen. Gleichzeitig war klar: "In unserer Familie gibt es keine Unterschiede. Das sind alles unsere Kinder." Die Pflegekinder wuchsen als Geschwister mit den leiblichen Kindern auf und wurden von allen Verwandten selbstverständlich als Teil der Familie akzeptiert.
Dankbarkeit & Ermutigung
Heute blickt Gerlinde Fromm mit großer Dankbarkeit zurück. "Die schönen Seiten überwiegen klar. Man tut etwas Gutes und bekommt unglaublich viel zurück." Keine Sekunde habe sie ihre Entscheidung bereut. Ihr Rat an alle, die über Pflegschaft nachdenken: "Wenn man sich wirklich dafür interessiert, dann sollte man sich trauen."
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