Interview
Trauen Sie fahrerlosen Autos über den Weg?

Mensch und Maschine müssen lernen, sich zu vertrauen –an der JKU wird an den Grundlagen des autonomen Fahrens geforscht.
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Cristina Olaverri-Monreal forscht an der JKU zum Thema "automatischer Straßenverkehr". Im Gespräch mit der StadtRundschau erklärt die Wissenschaftlerin, warum autonome Fahrzeuge die Lebensqualität in Linz verbessern können und weshalb Fußgänger bald selbst zu Verkehrsschildern werden könnten.
 
Müssen wir uns vor autonomen Fahren fürchten?
Olaverri-Monreal: Autonome Fahrzeuge haben das Potenzial, Transportsysteme zu verbessern und dazu beizutragen, Verkehrstote zu vermeiden. Diese Vorteile hängen vom Grad der Automatisierung und der Marktdurchdringung autonomer Fahrzeuge ab. Am Anfang wird die Existenz von fahrerlosen Fahrzeugen auf den Straßen für viele überraschend sein. Es wird in der Anfangszeit unbemannter Fahrzeuge zu unerwarteten Situationen und Reaktionen anderer Verkehrsteilnehmer kommen.

"Durch den Einsatz autonomer Fahrzeuge, gäbe es weniger Autos pro Haushalt."

Wie sähe ein Linz mit selbstfahrenden Autos aus?
Durch den Einsatz autonomer Fahrzeuge gäbe es weniger Autos pro Haushalt, da sie über mobile Apps gerufen und an den Ort gebracht werden könnten, an dem der Fahrgast sie benötigt. Das erfordert weniger Straßenraum und weniger Parkplätze. Das ermöglicht schmalere Fahrspuren und mehr Platz für Fußgänger und Grünflächen. Dies wird zu einer verbesserten Lebensqualität führen. Es könnte notwendig sein, dass eigene Fahrspuren oder spezielle Straßenschilder geschaffen werden müssen. Vielleicht müssen sogar Fußgänger oder Radfahrer mit speziellen Geräten zur besseren Erkennung ausgestattet werden.

Eigene Fahrspuren für selbstfahrende Busse

Wie kann diese Anfangszeit sicher gestaltet werden?
In den ersten Phasen ihrer Integration in städtische Umgebungen wird erwartet, dass automatisierte Fahrzeuge nur unter bestimmten Bedingungen auf einigen Straßen fahren: Etwa automatisierte Busse auf den am öftesten befahrenen Strecken oder Lieferfahrzeuge, die von einem Verkehrsknotenpunkt zu einem Endziel eingesetzt werden. Wir arbeiten derzeit daran, Regeln für die Koexistenz autonomer und nicht autonomer Fahrzeuge zu bestimmen. (Mehr Information zu dem Thema ist hier zu finden: Olaverri-Monreal, C. 2020 'Promoting trust in self-driving vehicles', Nature Electronics 3, 292–294).

"Wir arbeiten derzeit daran, Regeln für die Koexistenz autonomer und nicht autonomer Fahrzeuge zu bestimmen."

Wie lässt sich das Vertrauen der Öffentlichkeit gegenüber autonomen Fahrzeugen am besten steigern?
Unsere Studien zeigten, je öfter Fußgänger mit autonomen Fahrzeugen interagierten, desto vertrauensvoller wurden sie. Aus der Sicht einer sich im Fahrzeug befindenden Person sieht es ein wenig anders aus. Fahrüberwachungssysteme, die in der Lage sind, den Zustand des Fahrers, seine Fähigkeiten und die Fahrumgebung einzuschätzen, können das Vertrauen steigern. Das lässt sich dadurch erklären, dass sie bestimmen können, ob es notwendig ist, Warnungen auszugeben, damit die Person im Fahrersitz in einer unerwarteten Situation wieder die Kontrolle über das Fahrzeug erlangen kann. Ist eine Kontrolle vonseiten dieser Person nicht möglich, muss die Automatisierung entscheiden, welches das sicherste Manöver ist. Bei Personen, die in einem fahrerlosen Bus reisen ist das Vertrauen in die Automatisierung hoch. Es steigt noch weiter an, wenn zur Gewährleistung der Verkehrssicherheit Personen im Bus vorhanden sind, die im Falle eines Fehlers die Steuerung übernehmen.

Die smarte Stadt ist nachhaltiger 

Wie wirken sich smarte Sensoren schon jetzt auf unser Leben in der Stadt aus?
In letzter Zeit hat die Anwendung digitaler Technologien durch den Einsatz physischer Sensoren in Häusern, Gebäuden und Städten allgemein zugenommen. Ziel ist es, Städte attraktiver und nachhaltiger zu machen, indem Kosten und Ressourcenverbrauch reduziert werden. Anwendungen, die auf dem Internet der Dinge (IoT) basieren, ermöglichen etwa den Austausch von Informationen mit weiteren mobilen Geräten. Das fördert etwa eine gesündere Ernährung oder das Energiesparen zu Hause. Das Internet der Dinge kann auch dabei helfen, das Stadtmanagement zu verbessern und die Lebensqualität der wachsenden Bürgerschaft zu erhöhen. Im Verkehrsbereich können Sensoren in die Straßeninfrastruktur integriert werden, um durch Datenaustausch eine Vielzahl von Aktivitäten zu erkennen und zu überwachen.

"Mittels Platooning – wo mehrere Fahrzeuge automatisiert n geringem Abstand hintereinanderfahren – ist auch eine Reduktion der CO2-Emissionen um bis zu zehn Prozent möglich."

Assistenzsysteme als Vorstufe zu autonomen Autos

Welche Übergangstechnologien sind jetzt schon auf den Straßen im Einsatz?
Fahrerassistenzsysteme sind die Vorstufe zu vollständig autonomen Fahrzeugen. Wenn das Auto beginnt, von der Fahrspur abzuweichen, warnen einige Systeme den Fahrer, oder sie üben eine leichte Gegenlenkkraft auf das Lenkrad aus. Auch Radar-, Laser- oder Kamera-basierte Systeme, die den Fahrer mit Lichtern, Geräuschen oder anderen Hinweisen vor einer drohenden Kollision warnen oder sogar selber bremsen, zählen dazu. Im Bereich des Gütertransports werden Kameras oder Radar zur Erkennung von Fahrzeugen, die sich schräg hinter einem Lkw im toten Winkel des Fahrers befinden von höher Bedeutung, da sie die Anzahl von Unfällen verringern können.

Ein weiteres Beispiel ist Platooning, darunter ist das Automated Highway System (AHS) zu verstehen, wo mehrere Fahrzeuge automatisiert in geringem Abstand hintereinanderfahren. Eine daraus resultierende konstante Geschwindigkeit mit weniger Brems- und Beschleunigungsaktivitäten führt zu einem geringeren Kraftstoffverbrauch. Mittels Platooning ist auch eine Reduktion der CO2-Emissionen um bis zu zehn Prozent möglich. Geschwindigkeitsregelungssysteme sind auch sehr verbreitet, da sie sehr nützlich bei dichtem Verkehr sind. Sie halten einen vordefinierten Abstand zu einem führenden Fahrzeug ein. Wenn dieses langsamer wird, wird auch das hintere Fahrzeug automatisch langsamer. Andere Systeme können auch selbständiges Einparken ermöglichen.

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