14.04.2016, 16:39 Uhr

"Robo-Kumpel ist besser als nichts"

Foto: Dominik Gigler

Martina Mara forscht am Ars Electronica Futurelab an Beziehungen zwischen Mensch und Roboter.

StadtRundschau: Wo werden uns Roboter zukünftig im Alltag begegnen?
Martina Mara: Im großen Ausmaß sicher im Verkehr. Von der Bevölkerung wird total unterschätzt, wie weit man da schon ist. Optimistische Prognosen gehen davon aus, dass wir in 15 Jahren mit selbstfahrenden Autos unterwegs sein werden. Ob meine neun Monate alte Tochter noch einen Führerschein machen wird, da bin ich mir nicht sicher.

Sie haben mit Mercedes an der Entwicklung des F 015 gearbeitet. Was hindert uns noch daran, mit selbstfahrenden Autos unterwegs zu sein?
Die Technologie ist schon sehr weit. Es kommt auf passende Infrastruktur und Rahmenbedingungen an. Vor allem rechtlich muss noch einiges geregelt werden. Zum Beispiel muss geklärt werden, ob im Falle eines Unfalls, bei dem ein Ausweichen unmöglich ist, die Maschine entscheiden darf, welches Leben wertvoller ist.

Wie können wir selbstfahrenden Autos in Zukunft vertrauen?
Es braucht einen Grundwortschatz zwischen Mensch und Roboterauto. Man muss davon ausgehen, dass noch lange Zeit traditionelle und selbstfahrende Autos parallel auf der Straße unterwegs sein werden. Speziell für Kinder muss auf den ersten Blick klar sein, ob es sich um ein von Menschen gesteuertes oder ein autonom fahrendes Auto handelt. Das könnte man beispielsweise mit einer bestimmten Leuchtfarbe lösen. Wenn ich über die Straße gehen möchte, muss das Fahrzeug stehenbleiben, egal ob ich eine Halt-Geste mache oder nicht. Trotzdem muss es die Möglichkeit geben, dass auch wir mit den Autos kommunizieren. Im Gegensatz müssen auch sie uns mitteilen, was sie vorhaben. Ansonsten würden wir uns ziemlich ausgeliefert fühlen. Die selbstfahrenden Autos kommunizieren ja ständig miteinander und sind stark vernetzt, ohne dass wir es mitbekommen.

Roboter sind schon jetzt in Industriebetrieben allgegenwertig. Müssen wir Angst um unsere Arbeitsplätze haben?
In Japan gibt es Betriebe, die ein ganzes Monat lang ohne Menschenhand laufen. Da arbeiten Roboter alleine vor sich hin. Eine britische Studie geht davon aus, dass es 40-50 Prozent der jetztigen Jobs in 20 Jahren verloren gehen. Jugendliche werden meiner Meinung nach zu wenig darauf vorbereitet, dass sie möglicherweise in ihrer Branche bald keine Chance mehr haben.

Auf lange Sicht werden Roboter den Menschen in vielen Bereichen der Arbeitswelt den Rang ablaufen. Welche Jobs bleiben für uns Menschen übrig?
Überall dort, wo kommunikative Fähigkeiten wie Verhandeln, Diskurs oder Meinungen gefragt sind. Management-Positionen können nicht ersetzt werden, aber auch im Pflegebereich wird es künftig sicher viel mehr Jobs geben. Ich finde es vollkommen absurd, dass man überhaupt darüber nachdenkt, dass dort, wo Einfühlungsvermögen, Empathie verlangt und Trost gespendet wird, Menschen durch Roboter ersetzt werden. Das sind Kernkompetenzen von Menschen, die wir immer besser können werden als Maschinen.

Das heißt, Roboter im Pflegebereich sind keine gute Idee?
Nein, es gibt sehr wohl Bereiche, wo Roboter sinnvoll eingesetzt werden können, zum Beispiel im Transport oder bei der Körperpflege. Man fühlt sich als Pflegebedürftiger schnell peinlich berührt und nicht mehr mündig. Hier können Roboter helfen, Selbstständigkeit und Privatsphäre zu bewahren.

Müssen wir Roboter vermenschlichen, damit wir sie auch im Alltag akzeptieren?
Im Gegenteil: Hochgradig menschenähnliche Roboter findet man schnell gruselig. Sie senden widersprüchliche Signale: Das Ding wirkt wie ein Mensch, aber man weiß, es handelt sich um eine Maschine. Oder es stimmen Kleinigkeiten wie die Frequenz des Wimpernschlags nicht. Da läuft vieles unbewusst ab. Roboter werden jedenfalls besser akzeptiert, wenn sie klar als Maschine erkennbar sind. Auch die Angst vorm Ersetztwerden ist dann nicht so präsent.

Sind Beziehungen mit Robotern möglich?

Manche bauen zu ihrem Staubsauger-Roboter eine Beziehung auf, geben der rollenden Scheibe sogar Kosenamen. Roboter sollen durchaus sympathische Werkzeuge sein, die kann man schon nett finden. Es gibt Experten, die sagen, Liebesbeziehungen zwischen Mensch und Maschine werden künftig normal sein. Auf der einen Seite ist das immer eine vorgespielte Freundschaft auf Basis eines Algorithmus. Andererseits ist es für einen einsamen älteren Menschen besser, einen Roboter-Kumpel zu haben, als gar niemanden. Im Endeffekt ist das eine ethische Frage.

Mit welchen Robotertechnologien wird Ihre kleine Tochter in Berührung kommen?
Ich hoffe, dass sie ihre Fenster nicht mehr selber putzen muss. Wir haben gerade den kleinen Serviceroboter "JIBO" für zuhause bestellt. Der kann einem zum Beispiel E-Mails vorlesen oder auf Zuruf Fotos oder Videos machen. Selbstfahrende Autos wird sie sicher erleben. Drohnen sind sich auch ein großes Thema. Momentan sind die Flugbestimmungen sehr restriktiv. Wenn das wieder gelockert wird, dann wird das sicher enorm durchstarten.

Dreht bei Ihnen in der Wohnung einen Staubsauger-Roboter die Runden?
Nein, ich warte noch auf eine bessere Lösung. Dazu gibt es lustige Ideen: Roboterschwärme, hunderte Minidronen, die so klein sind, dass sie in jeden Winkel fliegen können. Die teilen sich auf und bingen die Wohnung in Schuss, das wäre doch nett.
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