Hanf gegen Depressionen, Krebs und Parkinson

Allgemeinmediziner Kurt Blaas befasst sich seit Jahrzehnten mit der medizinischen Verwendung von Cannabis.
  • Allgemeinmediziner Kurt Blaas befasst sich seit Jahrzehnten mit der medizinischen Verwendung von Cannabis.
  • Foto: Foto: Melissa Fabian
  • hochgeladen von Kathrin Klemm

Im bz-Gespräch: Kurt Blaas, Allgemeinmediziner aus Neubau und Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Cannabismedizin (ARGE CAM).

Cannabis und seine medizinische Anwendung erlebt derzeit eine Renaissance. Seit wann befassen Sie sich als Arzt mit der Thematik?
Kurt Blaas: Als Medizinstudent habe ich in einer Drogenambulanz gearbeitet. Auch in meiner Praxis im 7. Bezirk befasste ich mich mit Cannabis, aber mit der Entwöhnung. Eines Tages bat mich ein Krebspatient um eine Cannabisbehandlung, ich fing an mich damit zu beschäftigen.

Welche Krankheiten behandelt man mit Cannabis?
Es gibt ganz viele Diagnosen, die behandelt werden, am häufigsten sind 20 bis 30 davon. Voran Schmerzerkrankungen, wie rheumatische, neurologische, Tumor- oder Wirbelsäulenschmerzen, die mit klassischer, schulmedizinischer Behandlung austherapiert sind. Zudem psychische Erkrankungen, wie Burnout, Angststörungen, Depressionen oder Schlafstörungen. Hier gibt es meistens eine lange Vorgeschichte. Auch kann man neurologische Erkrankungen, wie Tourette-Syndrom und Morbus Parkinson, oder internistische Erkrankungen, wie Rheuma oder Multiple Sklerose, behandeln. Nicht zu vergessen die Epilepsie und Tumorerkrankungen. Zur Anwendung kommt eine Monotherapie mit Cannabinoiden oder eine Kombination mit der Schulmedizin, wie Neuroleptika oder Schmerzmitteln.

In welcher Form verschreiben Sie Cannabis?
Man kann die Inhaltsstoffe THC und CBD (Cannabidiol) verschreiben. Es gibt jede Menge verschiedener Präparate. Mein Credo: Es zählt nur das CBD aus der Apotheke, weil dieses überprüft ist. Es wird kontrolliert, dass der Anbau der Pflanze und die gesamte Produktion des Medikaments qualitativ zertifiziert wird.

Wie viel kosten Cannabis-Medikamente?
Sie sind sehr teuer. Sollen zum Beispiel Tumorpatienten behandelt werden, sind das 1.500 Euro im Monat für die Cannabis-Medikamente. Das ist schwer leistbar. Viele Patienten fangen an, sich auf anderem Weg Cannabis zu besorgen oder pflanzen selbst an. Es darf nicht sein, dass sich Patienten ihre Medikamente nicht leisten können und dann kriminalisiert werden.

Welche Regelung wünschen Sie sich in Österreich?
Derzeit ist die Behandlung mit pflanzlichen Cannabinoiden noch nicht möglich. Warum will ich das? In der Pflanze ist nicht, wie bei CBD und THC, nur ein Cannabinoid enthalten, sondern hunderte. Mehr Substanzen derselben Familie wirken besser zusammen. Wichtig wäre das Potpourri der Pflanze, wegen der vielschichtigeren Wirkung. Viele Patienten experimentieren und erzählen, dass die Pflanzen, die natürlichen Produkte besser wirken. Auch sollte entschieden werden, dass die Medikamente billiger und damit leistbar werden.


Kontakt

Kurt Blaas ist Arzt für Allgemeinmedizin und Gründer der Arbeitsgemeinschaft für Cannabismedizin (ARGE CAM). Die Ordination (7., Lindengasse 27) hat Montag und Dienstag, 14–18 Uhr, Mittwoch, 15–17 Uhr, Donnerstag, 16–19 Uhr, und Freitag, 12–14 Uhr, geöffnet. Mehr Infos unter 01/ 523 14 00 oder www.ordinationblaas.at

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