Ein Match fürs Leben
Sieben Jahre später - Michael trifft den Mann, der ihn rettete
- Was mit einer einfachen Speichelprobe begann, endet heute mit einem gemeinsamen Fußballspiel.
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Zwei begeisterte Fußballspieler stehen auf dem Rasen und passen sich lachend den Ball zu. Rund um sie klicken Kameras, Reporter verfolgen jede Bewegung. Was die beiden so besonders macht? Einer von ihnen hat dem anderen das Leben gerettet, ohne ihn jemals gekannt zu haben.
NÖ. Alles begann vor acht Jahren mit einer einfachen Speichelprobe. Im Juni 2018 ließ sich der damals 20-jährige Lukas während seines Studiums in Hannover bei einer Typisierungsaktion registrieren. Ein kurzer Mundhöhlenabstrich in der Mittagspause, mehr war dafür nicht nötig. Rund ein Jahr später klingelte das Telefon: Lukas war genetisch der passende Stammzellspender für ein schwer krankes Kind. Michael Besser aus Bruck an der Leitha.
Leukämie mit nur zehn Monaten
Michael war gerade einmal zehn Monate alt, als bei ihm im Juli 2019 eine besonders aggressive Form von Leukämie diagnostiziert wurde. Aufgrund seiner Genkonstellation galt er als Hochrisikopatient. Eine Stammzelltransplantation war seine einzige realistische Chance, einen Rückfall zu verhindern.
„Man kann nichts ändern, man muss funktionieren und den Glauben haben, dass man es schafft“, erinnert sich Mutter Sandra an die schwere Zeit der Familie. Die Familie aus Margarethen am Moos wurde selbst aktiv und startete einen Onlineaufruf.
Ein genetischer Zwilling
Dass zwei Menschen zueinander passen, ist extrem selten. Die Wahrscheinlichkeit, einen passenden Stammzellspender zu finden, liegt bei etwa 1 zu 500.000.
Ende November 2019 spendete Lukas schließlich seine Stammzellen in einem Krankenhaus in Köln: „Die Spende war überhaupt nicht schlimm vor allem im Vergleich zu dem positiven Effekt. Es ist ein Erlebnis, das für immer bei mir bleiben wird“, erzählt er.
- Eine Stammzellspende schenkte Michael ein neues Leben. Jetzt stehen sich Spender und Empfänger erstmals gegenüber.
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Noch bevor er selbst spendete, organisierte Lukas an seiner Universität bereits eine weitere Typisierungsaktion. Die Aussicht, einem Menschen helfen zu können, habe ihn so inspiriert, dass er andere ebenfalls motivieren wollte.
Erstes Treffen nach fünf Jahren
Spender und Empfänger dürfen sich nicht sofort kennenlernen. Eine internationale Regel schreibt eine Wartefrist von mindestens fünf Jahren vor. Erst wenn die Heilung langfristig gut prognostiziert werden kann und keine weitere Spende nötig ist, ist ein persönliches Treffen möglich.
Nun war es endlich so weit.
- Was mit einer einfachen Speichelprobe begann, endet heute mit einem gemeinsamen Fußballspiel.
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„Es war total emotional. Wir haben uns auf Anhieb verstanden“, erzählt Lukas. „Für mich war die Spende etwas Besonderes, aber für Michi und seine Familie war es eine unglaublich schwere Zeit. Ich war eigentlich nur das letzte Puzzlestück. Die Familie hat mit ihrer Geschichte so viele Menschen motiviert, sich registrieren zu lassen, da bin ich froh, dass ich einen kleinen Teil dazu beitragen durfte.“
Heute ist Michael sieben Jahre alt, gesund, voller Energie und kaum zu bremsen. Während des MeinBezirk-Interviews mit Lukas flitzt der fußballbegeisterte Siebenjährige um die Redakteurin herum, spielt und lacht. Ein Anblick, der eindrucksvoll zeigt, was eine Stammzellspende möglich machen kann.
Typisierung dauert nur wenige Minuten
„Die Stammzellspende-Registrierung ist tatsächlich ganz einfach“, erklärt Dr. Christof Jungbauer, medizinischer Leiter der Stammzellspende beim Österreichischen Roten Kreuz.
Wer zwischen 18 und 35 Jahre alt und gesund ist, kann sich auf stammzelle.at kostenlos registrieren. Nach der Anmeldung wird ein Set per Post zugeschickt. Mit zwei Wattestäbchen wird zu Hause ein Mundhöhlenabstrich gemacht und anschließend kostenlos zurückgesendet.
Kommt es später tatsächlich zu einem Treffer, erfolgt die Spende in den allermeisten Fällen ähnlich wie eine längere Plasmaspende. Nach einigen Tagen Vorbereitung werden die Stammzellen aus dem Blut gefiltert, ein unkomplizierter und sicherer Vorgang.
Lukas hat eine klare Botschaft
„Es ist wirklich super, super einfach. Es ist nur Spucke, dauert ein oder zwei Minuten und kann einem Menschen das Leben retten. Wenn man dann tatsächlich spenden darf, ist das ein riesiges Privileg. Ich würde es jederzeit wieder machen. Es gibt kaum Argumente dagegen – aber ganz viele dafür. Das beste Argument ist Michi: Dass er heute gesund ist, Fußball spielt und so viel Freude am Leben hat. Eine größere Belohnung gibt es nicht.“
- Die Geschichte der Familie Besser bewegte Tausende Menschen, sich als Stammzellspender registrieren zu lassen.
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Michaels Geschichte bewegte weit über seine Familie hinaus. Nach einem öffentlichen Aufruf seines Vaters registrierten sich innerhalb weniger Wochen rund 12.500 Menschen beim Österreichischen Roten Kreuz als potenzielle Stammzellspender. Aus diesen Registrierungen sind bisher bereits 25 tatsächliche Stammzellspenden hervorgegangen.
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