Mehrwertsteuer-Check
Kommt die Steuer-Entlastung wirklich an, unser NÖ-Test zeigt es
- „Ein Euro sind schon okay, am Ende macht's die Summe aus“, meint St. Pöltner Redakteurin Tanja Handlfinger zum MeinBezirk Selbsttest.
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Weniger Mehrwertsteuer sollte für günstigere Lebensmittel sorgen, doch kommt die Entlastung tatsächlich bei den Kunden an? Um das herauszufinden, haben wir den Praxistest gemacht: Bereits im Februar 2026 kauften wir in allen Regionen Niederösterreichs denselben Warenkorb ein. Nach der Mehrwertsteuersenkung folgte nun der zweite Einkauf, mit teils überraschenden Ergebnissen.
NÖ. Seit 1. Juli gilt auf zahlreiche Grundnahrungsmittel ein reduzierter Mehrwertsteuersatz. Milch, Butter, Brot, Obst oder Teigwaren sollten dadurch günstiger werden. Bereits im Februar haben wir für einen Meinbezirk- Selbsttest einen möglichst realistischen Warenkorb zusammengestellt. Statt ausschließlich Produkte einzukaufen, die von der Mehrwertsteuersenkung betroffen sind, landeten auch Kaffee, Wurst, Gewürze oder Fertiggerichte im Einkaufswagen. Schließlich bestehen alltägliche Einkäufe nicht nur aus begünstigten Lebensmitteln. Nun wurde derselbe Einkauf im gleichen Supermarkt mit identischer Einkaufsliste nach der Steuerreduzierung wiederholt.
Unsere Ergebnisse
Während sich in manchen Bezirken tatsächlich eine spürbare, wenn auch geringe, Ersparnis zeigte, fiel der Einkauf anderswo trotz Steuersenkung sogar teurer aus.
Besonders deutlich wurde das in Korneuburg. Dort kostete der identische Einkauf im Februar 34,12 Euro, Anfang Juli jedoch 34,33 Euro. Obwohl sieben der zehn begünstigten Lebensmittel günstiger wurden, verteuerten sich andere Produkte oder wurden bereits vor Inkrafttreten der Steuersenkung angehoben. Das Ergebnis: Unter dem Strich bezahlte die Redaktion sogar 21 Cent mehr.
Ganz anders verlief der Test in Wiener Neustadt. Dort sank der Preis des Einkaufs von 45,63 auf 44,27 Euro. Die tatsächliche Ersparnis betrug 1,36 Euro und lag damit nur knapp unter der ursprünglich erwarteten Entlastung.
Auch im Pielachtal fiel der Einkauf günstiger aus. Statt 40,55 Euro kostete der Warenkorb nun 39,51 Euro, ein Minus von 1,04 Euro. Besonders Milch, Butter und Joghurt wurden günstiger.
In St. Pölten reduzierte sich die Gesamtsumme von 49,81 auf 48,81 Euro. Die Steuersenkung zeigte bei den betroffenen Lebensmitteln zwar Wirkung, gleichzeitig verteuerten sich jedoch andere Produkte.
Etwas geringer fiel die Entlastung in Zwettl aus. Dort kostete der identische Einkauf statt 36,91 Euro nun 36,20 Euro, eine Ersparnis von 71 Cent. "Sie sollte ein kleines Mosaiksteinchen eines spürbaren Entlastungsgesamtpaketes für die Österreicher werden – die nun durchgeführte Mehrwertsteuersenkung auf ausgewählte Lebensmittel ist jedoch nicht einmal ein Tropfen auf dem heißen Stein. " schreibt Redakteur Bernhard Schabauer.
Noch kleiner war der Unterschied in Waidhofen an der Thaya. Hier verringerte sich der Einkaufspreis lediglich um 39 Cent.
Zwar wurden klassische Grundnahrungsmittel wie Milch, Salat oder Nudeln günstiger, gleichzeitig verteuerten sich andere Artikel.
Der Warenkorb entscheidet
Der große Regionsvergleich zeigt, dass die Mehrwertsteuersenkung durchaus bei vielen einzelnen Produkten angekommen ist. Manche Produkte blieben unverändert, andere wurden sogar teurer. Dadurch fiel auch die Ersparnis auf den gesamten Einkauf sehr unterschiedlich aus.
Der MeinBezirk-Praxistest zeigt, dass die Mehrwertsteuersenkung grundsätzlich Wirkung entfaltet. Wie stark sie sich tatsächlich im Geldbörserl bemerkbar macht, hängt jedoch stark vom Einkaufsverhalten, den gewählten Produkten und offenbar auch vom jeweiligen Markt ab.
Während einige Haushalte beim Wocheneinkauf rund einen Euro sparen konnten, blieb die Entlastung andernorts deutlich geringer oder wurde durch zwischenzeitliche Preissteigerungen sogar vollständig aufgehoben. Für Konsumenten heißt das vor allem eines: Ein genauer Blick auf Preise und Angebote lohnt sich weiterhin.
Der politische Diskurs
Die Mehrwertsteuersenkung ist natürlich auch im niederösterreichischen Landtag ein heiß diskutiertes Thema. Helga Krisma von den Grünen Niederösterreich zeigt sich skeptisch gegenüber der langfristigen Wirkung der Senkung: "Vor allem aber fehlt uns jedes Vertrauen, dass die Preissenkungen tatsächlich längerfristig und nachhaltig bei den Konsumentinnen und Konsumenten ankommen." Die FPÖ Niederösterreich geht einen Schritt weiter und spricht von einem "dreisten Täuschungsversuch": "ÖVP, SPÖ und NEOS wollen den Menschen ein paar Cent als großen Wurf verkaufen, während sie ihnen gleichzeitig mit neuen Abgaben und Rekordbelastungen das Geld aus der Tasche ziehen."
Die Landesparteien der Bundesregierung verteidigten die Mehrwertsteuersenkung. "Die kleinen Bäcker, Fleischhauer und Nahversorger kämpfen mit komplizierten Abgrenzungsfragen und Umstellungskosten. Hier braucht es gezielte Unterstützung für die zahlreichen regionalen Klein- und Mittelbetriebe", heißt es aus der ÖVP Niederösterreich.
- Die Mehrwertsteuersenkung hat weniger gebracht, als ursprünglich angenommen und errechnet.
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Auch die SPÖ NÖ begrüßt diese Maßnahme. Landesparteivorsitzender Sven Hergovich schlägt vor, das deutsche Kartellrecht zu übernehmen. "Dort ist es sehr viel einfacher, gegen marktbeherrschende Unternehmen vorzugehen, wenn der Wettbewerb nachhaltig nicht funktioniert", heißt von der SPÖ NÖ.
Die Neos Niederösterreich beschreiben die Senkung der Mehrwertsteuer als "Versuch, die Inflation einzudämmen und dafür zu sorgen, dass den Menschen mehr im Geldbörserl bleibt." Sie fügen aber auch hinzu, dass es aus ihrer Sicht wichtiger wäre, den Druck auf Handelskonzerne aufrechtzuerhalten und Missständen mehr auf europäischer Ebene zu begegnen.
Wirtschaftliche Herausforderung
Eine geringe Ersparnis also bei beträchtlichem Aufwand für die Händler, die ihre Kassensysteme umstellen mussten. "Für viele kleine Betriebe bedeutet diese einen enormen Aufwand und hohe Kosten", meint etwa Astrid Kolm von der Mödlinger Bäckerei Kolm, die auch "die lange Zeitspanne ohne jegliche Informationen" seitens der Regierung kritisiert: "Eine Woche vor Einführungspflicht einen Rechner zur Verfügung zu stellen, mit dem der Fett- oder Zuckeranteil berechnet werden kann, halte ich persönlich für inakzeptabel".
Insgesamt findet Kolm, dass es bessere Wege gegeben hätte, um Haushalte zu entlasten: "Dass sich eine 4-köpfige Familie dadurch im Jahr ca. 120,- Euro spart und diese fehlenden Steuergelder letztendlich durch die unendlichen Rechnungen von Kassensystemherstellern, EDV Technikern etc. – die im übrigen weit höher versteuert sind – mehr als ausgeglichen werden, geht hauptsächlich zulasten der Unternehmer. Und vor allem Klein- und Mittelbetriebe im Lebensmittelhandel trifft dies hart", betont Kolm.
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