Junge Straftäter
„Ein Gefängnis ist der falsche Ort für ein Kind“
- V. l.: Michaela Mayer, Grundschul- und Sonderschullehrerin, Psychologin und Erziehungswissenschaftlerin, Land OÖ, Michael Lindner und Theresia Schlöglmann, Leiterin Abteilung Kinder- und Jugendhilfe.
- Foto: Land OÖ/Stinglmayr
- hochgeladen von Ingo Till
Eine bereichsübergreifende Arbeitsgruppe hat sich in den vergangenen Monaten mit der Problematik jugendlicher bzw. kindlicher Straftäter auseinandergesetzt.
OÖ. Wenn Kinder unter 14 Jahren Straftaten begehen, womöglich wiederholt und scheinbar ohne Rücksicht auf Verluste, dann werden die Rufe nach einer Senkung des Strafmündigkeitsalters lauter. Für Landesrat Michael Lindner (SPÖ) ist Wegsperren aber keine Lösung.
„Ja, wir beobachten, dass immer jüngere Kinder ein aggressives, zum Teil stark selbst- und fremdgefährdendes Verhalten an den Tag legen. Anstatt populistischer Forderungen braucht es aber eine ernsthafte Auseinandersetzung mit dem Thema. Denn klar ist: Ein Gefängnis ist der falsche Ort für ein Kind und kann niemals die Lösung sein“,
so Landesrat Michael Lindner (SPÖ).
Ansätze dazu, wie mit solchen Fällen – rund 25 gibt es derzeit in OÖ – in Zukunft am besten umgegangen werden soll, war Thema einer bereichsübergreifende Arbeitsgruppe, bestehend aus Vertretern von
- Kinder- und Jugendhilfe
- Bezirksverwaltungsbehörden
- Sozialpädagogische Einrichtungen
- Fachkräfte beteiligter Systeme (z.B. Kinder- und Jugendpsychiatrie, Bildungsdirektion)
- Justiz
Die Arbeitsgruppe beschäftigte sich unter anderem mit folgenden Fragestellungen:
- Wie kann jenen Kindern pädagogisch Grenzen gesetzt werden, die wissen, dass sie noch nicht strafmündig sind und diesen Zustand ausreizen?
- Wie können wir Kinder und Jugendliche besser erreichen, die schon früh an Drogen gelangen und sie ohne Bewusstsein für Risiko konsumieren?
- Wie kann man einem Kind helfen, das aus schwer vernachlässigten Verhältnissen kommt, aber immer wieder dorthin zurückmöchte?
- Wie können wir diesen Kindern Halt geben und ihre positiven Eigenschaften ausbauen?
Früher und besser vernetzt eingreifen
Zentrale Erkenntnis waren, dass vor allem früher und strukturierter bzw. besser vernetzt eingegriffen werden soll. „Jeder Euro, den wir in die Prävention investieren, rechnet sich vielfach“, ist der für Kinderschutz zuständige Landesrat Michael Lindner (SPÖ) überzeugt. Angestoßen wurde ein Forschungsprojekt, das sich in den nächsten Monaten intensiv mit den Biografien von Kindern mit hochriskanter Entwicklung beschäftigen wird. Die Ergebnisse sollen für die Fachkräfte aufbereitet werden, die in unterschiedlichen Systemen schon früh mit Kindern und Familien in Kontakt sind – also etwa Hebammen, Familienbegleitung der Frühen Hilfen, Elementarpädagogik, soziale Arbeit und Sozialpädagogik oder Mitarbeiter:innen im Familienrecht.
Sozial-Psychiatrische Wohngruppen
„Die Kinder- und Jugendhilfe alleine kann die Herausforderungen niemals alleine lösen – ja, wir stehen mit unserer Expertise immer zur Verfügung, aber erfolgreich können wir nur sein, wenn wir zusammenarbeiten. Und: Auch der Bund ist gefordert, in die Gänge zu kommen und rechtliche Rahmenbedingungen zu schaffen, damit alternative Betreuungsformen geschaffen werden können“, so LR Lindner. Konkret kann er sich etwa „Sozial-Psychiatrische Wohngruppen“ an der Schnittstelle Justiz und Psychiatrie vorstellen. Hier ist jedoch der Bund gefordert, eine praktikable Lösung auf den Tisch zu legen. LR Lindner führt weiter aus: „Ein entsprechender Antrag liegt zurzeit im Landtagsausschuss: Ich lade alle Fraktionen ein, diesem Antrag zuzustimmen – unsere Forderungen liegen auf dem Tisch.“
In Oberösterreich leben ca. 277.000 Kinder und Jugendliche – 1.500 werden fremdbetreut. Rund 25 dieser Kinder unter 14 Jahren zeigen ein besonderes gefährdetes und/oder gefährdendes Potential. Rund 11.000 dieser 277.000 Kinder und Jugendlichen (ca. 4 % - 5 %) bekamen im Jahr 2023 eine mobile Begleitung durch die Kinder- und Jugendhilfe, also eigentlich eine Unterstützung der Eltern bei Erziehung und die Betreuung. Bei etwas mehr als 0,5 % aller Kinder und Jugendlichen in Oberösterreich reicht eine mobile Unterstützung nicht (mehr) aus für ein sicheres Aufwachsen zuhause. Diese knapp 1.500 Kinder werden von Pflegeeltern oder in sozialpädagogischen Wohngemeinschaften betreut.
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