Ein Jahr nach Tragödie
Nach Todesfall in Rohrbach - so wurden OÖ Spitäler umgekrempelt
- Von links: Stefan Beyerlein (Arzt, Barmherzige Schwestern), Johann Minihuber (Ordensspitäler-Chef), LH-Stellvertreterin Christine Haberlander, Tilmann Königswieser (OÖG-Chef), Meinhard Lukas (Kepler Klinikum) und Kostja Steiner (Arzt, Spital Rohrbach).
- Foto: Team Fotokerschi / wjhofer
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Vor einem Jahr starb eine Mühlviertlerin im Krankenhaus Rohrbach an einem Einriss der Herzschlagader. Heftig kritisiert wurde damals das oberösterreichische Spitalssystem, da die Patientin von mehreren Kliniken abgewiesen wurde. Ein Jahr später wurden die Notfall-Abläufe in allen oö. Spitälern grundlegend neu aufgesetzt – ein vergleichbarer Fall dauerte vor Kurzem 17 Minuten von der Diagnose bis zur Überstellung des Patienten im Hubschrauber. Auch die langen OP-Wartezeiten, die für viel Unmut in der Bevölkerung sorgten, seien in den letzten zwölf Monaten erheblich kürzer geworden, sagt Landeshauptmann-Stellvertreterin Christine Haberlander (ÖVP).
OÖ. Oberösterreichs oberste Gesundheitspolitikerin lud am Donnerstag gemeinsam mit Tilmann Königswieser (OÖG-Chef), Johann Minihuber (Ordensspitäler-Chef), Meinhard Lukas (Kepler Klinikum) und den beiden Ärzten Stefan Beyerlein (Barmherzige Schwestern) und Kostja Steiner (Spital Rohrbach) zu einer Wasserstandsmeldung des heimischen Spitalssystems. Laut Haberlander sei die Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Häusern "optimiert" worden, es gäbe in vielen Bereichen "positive Entwicklungen". Nachsatz: "Aber wir sind noch nicht da, wo wir hinwollen. Bei den Wartezeiten erwarte ich mir weitere, spürbare Verbesserungen".
Laut Haberlander gibt es drei Fachbereiche, in denen Operationen demografiebedingt immer stärker nachgefragt werden: Hüfte, Knie und Augen. Bei den ersten beiden Eingriffen konnten die Wartezeiten in den oberösterreichischen Krankenhäusern stark reduziert werden – im Kepler Klinikum muss man etwa "nur" mehr 62 statt früher 96 Wochen auf ein neues Knie oder eine neue Hüfte warten. Schneller als früher geht es auch in Steyr, Gmunden und Vöcklabruck. Im Spital in Rohrbach werden sogar 60 zusätzliche OPs pro Jahr gemacht.
Grauer Star: 35.000 OPs pro Jahr geplant
Spezielles Augenmerk will man auf die Augen-OPs legen, da immer mehr Ältere an Grauem Star leiden. Dafür wird 2027 ein zweiter OP-Saal am Kepler-Klinikum eröffnet, ein neues Augenzentrum kommt 2029 in Vöcklabruck. Zusätzlich operieren Augenärzte aus Kirchdorf in Steyr, Ärzte aus Linz in Rohrbach und Ärzte aus Ried in Schärding. Insgesamt sollen die OP-Kapazitäten im Land so gesteigert werden, dass 35.000 Augen-Eingriffe pro Jahr möglich seien. Theoretisch könnten also alle 70-jährigen Oberösterreich binnen eines Jahres an den Augen operiert werden.
Laut OÖG und Ordensspitälern wurde die Wartzeiten in den Spitälern durch besseren Abläufe, mehr Personal und neuen Behandlungskonzepten deutlich verkürzt. "Aber wir werden bei den Wartezeiten noch viel mehr erreichen", kündigt OÖG-Chef Tilmann Königswieser an.
- Christine Haberlander und Tilman Königswieser.
- Foto: Team Fotokerschi / wjhofer
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Riss der Herzschlagader: In 17 Minuten im Hubschrauber
Massiv verbessert habe sich die Kommunikation zwischen den oö. Krankenhäusern. OÖG- und Ordensspitäler können mittlerweile via Elektronische Gesundheitsakte (ELGA) auf Diagnose-Bilder zugreifen. Etabliert hat sich auch das "Rote Telefon", der direkte Draht zwischen den Häusern, der nach dem "Fall Rohrbach" eingerichtet wurde. Der ärztliche Direktor des Spitals in Rohrbach, Kostja Steiner, schildert einen ähnlichen Fall, der sich vor Kurzem zutrug. Einem Landwirt in Rohrbach riss die Herzschlagader. Es habe von der ersten Diagnose vor Ort, über die Bildgebung im Spital nur 17 Minuten gedauert bis der Mann im Hubschrauber lag, der ihn anschließend nach Linz flog. Der Patient habe auch deshalb überlebt, weil der Riss nicht so drastisch war, wie jener der Patientin im Vorjahr. Dennoch zeige dieser Fall, so Steiner, wie gut die Abläufe mittlerweile eingespielt seien. In Krankenhäuser gebe es mittlerweile genaue Listen mit Zuständigkeiten für spezielle Notfälle – und das "Rote Telefon" sorge dafür, dass Ärzte aus Rohrbach nicht irgendwo in einer Warteschleife hängen, sondern direkt zu den Spezialisten in Linz oder Wels durchgestellt werden.
Haberlander: "Das darf es nicht geben"
Wenig Freude haben die Repräsentanten des oö. Gesundheitssystems mit einer neuen Studie des IHS im Auftrag der Arbeiterkammer OÖ. Diese kam zu dem Schluss, dass Patienten in Oberösterreich angeboten wurde, durch eine Zuzahlung schneller operiert zu werden. Gesundheitsreferentin Christine Haberlander sagt dazu: "Das darf es nicht geben. Operationstermine dürfen nur nach medizinischen Gesichtspunkten vergeben werden". Und OÖG-Chef Königswieser ergänzt: "Das Verkaufen von OP-Terminen ist ein No-Go, wenn wir davon wüssten, hätte das schärfste Konsequenzen". Gleichlautend das Statement von Ordensspitäler-Chef Johann Minihuber: "Wenn ein solcher Fall bekannt ist, dann müssen wir das wissen". KUK-Chef Meinhard Lukas verweist diesbezüglich auf eine Whistleblower-Plattform, die es ermögliche, solch unmoralischen Angebote von Ärzten zu melden.
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