Josko-Geschäftsführer Thomas Litzlbauer im Interview
"Lehre ist tolle Ausbildung mit guten Verdienstmöglichkeiten"

Josko-Geschäftsführer Thomas Litzlbauer im Gespräch mit LehrlingsRedakteurin und Josko-Lehrling Emily Unterberger.
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Im Rahmen der LehrlingsRundschau 2020 interviewten Josko-Lehrling Emily Unterberger, die gerade eine Ausbildung zur Tischlerei-Technikerin macht, und Thomas Kramesberger (BezirksRundschau) Josko-Geschäftsführer Thomas Litzlbauer.

Inwiefern hatte die Corona-Krise Auswirkungen auf Josko bzw. die Nachfrage am Markt?
Für uns hatte die Krise bisher keinen nachhaltigen Effekt, die Nachfrage ist weiterhin ungebrochen. Wir haben aber natürlich Verzögerungen auf Baustellen bemerkt, da bei manchen Firmen, die Monteure aus Osteuropa beschäftigen, diese nicht auf die Baustellen durften. Aber grundsätzlich vom Auftragseingang her sehen wir kein Nachlassen. Die Zinslage ist ja weiterhin positiv, das Geld ist billig und die Menschen wollen bauen.

Wie schätzen Sie die nächsten Monate ein? Von etlichen Baufirmen hört man ja, dass die Auftragsbücher bis ins nächste Jahr gefüllt sind.

Wir gehen grundsätzlich optimistisch ins Jahr 2021. Die Auftragslage ist derzeit sehr gut, entscheidend wird der Herbst sein. Dann werden wir sehen, ob es am Markt einen stärkeren Preisdruck gibt, aber wir sind recht optimistisch, da wir ein gutes Produktportfolio haben. Wie sich die Konjunktur in den nächsten Jahren entwickelt, das wissen wir alle nicht.

Die Regierung hat ja ein Konjunkturpaket in Aussicht gestellt. Welche Anreize bräuchte es da im Bausektor – etwa in Richtung thermische Sanierung?
Der Fokus für uns liegt nicht mehr nur auf der thermischen Sanierung, weil Menschen Fenster nicht mehr tauschen, um sich vor Kälte zu schützen. Für uns wäre es wichtiger, wenn Anreize beim Thema Bauschutt, der Abräumung eines alten Wohnbereichs oder beim Erwerb von Grundstücken gesetzt werden.

Josko-Geschäftsführer Thomas Litzlbauer im Gespräch mit LehrlingsRedakteurin und Josko-Lehrling Emily Unterberger.
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Josko-CEO Johann Scheuringer hat mal sinngemäß gesagt, dass man aufpassen muss, dass nicht nur Bauträger-Projekte umgesetzt werden, weil alles andere schon so teuer geworden ist …
Ja, genau. Wir merken natürlich, dass viele Baufirmen Gründe zusammenkaufen und Wohnblöcke in die Höhe ziehen. Das liegt an der Zinslage, das Geld wird ja weiterhin billig bleiben – gleichzeitig steigen aber die Baukosten für die Menschen.

Im Vorjahr hat Josko angekündigt, 15 Millionen Euro in ein Alu-Bearbeitungszentrum sowie eine Logistikhalle zu investieren. Kommen diese Investitionen trotz Corona?

Wir haben unseren Investitionsplan nicht wesentlich verändert. Die Halle steht etwa schon seit Ende letzten Jahres und die Investition ins Aluminiumwerk haben wir nicht gestoppt. Wir haben kleinere Anpassungen vorgenommen und jetzt mit der staatlichen Investitionsprämie sogar einen Plan gemacht, Investitionen vorzuziehen.

Ist die Prämie eine sinnvolle Hilfe für Unternehmen?
Ja, natürlich fördert das die Investitionsfreudigkeit der Firmen. Ich erwarte jedoch nicht, dass Firmen gleich das Doppelte investieren – es wird eher eine Investition vorgezogen. Die Prämie ist ein Anreiz, aber Firmen, die durch die allgemeine Konjunktureintrübung oder Corona in einer finanziellen Schieflage sind, werden nicht mehr investieren, als sie müssen.

Wie geht’s mit der Expansion in Deutschland weiter? Josko hat ja einige Flagship-Stores in Deutschland eröffnet.
Die Expansion in Süddeutschland bis rauf nach Frankfurt läuft sehr erfolgreich. Vorerst sind keine weiteren Investitionen in Norddeutschland geplant, sondern wir wollen den Raum Süd-West Deutschland zunächst konsolidieren, dort gibt es noch genug Marktpotenzial. Ein Vergleich: Bayern hat etwa 13 Millionen Einwohner und wir machen aber nur rund 25 Prozent unseres Umsatzes mit dem Export, das heißt wir haben dort noch viel Potenzial.

Josko hat derzeit etwa 20 Prozent Exportquote. Wo soll’s in den nächsten Jahren hingehen?
Das Ziel ist eine kontinuierliche Steigerung in Richtung 25 Prozent. Das hängt natürlich davon ab, wie der Heimmarkt Österreich sich entwickelt. Wir sind etwa vor zwei Jahren sehr gut in Deutschland gewachsen, aber trotzdem ging die Exportquote zurück – das lag daran, dass Österreich so gut performt hat.

In Österreich ist ja der Markt relativ stabil aufgeteilt. Josko hat zuletzt einen
Sonnenschutzhersteller zugekauft; erwartet man sich in diesem Bereich noch Wachstum?

Sonnenschutz ist definitiv ein Wachstumsmarkt, der Schutz vor Hitze wird immer wichtiger. Für uns sind Zukäufe grundsätzlich nicht das Ziel, wir wollen als Markenunternehmen aus eigener Kraft wachsen. Wenn sich vielleicht mal die Möglichkeit ergibt, entlang der Wertschöpfungskette zu expandieren, dann werden wir das machen. Aber etwa ein zweites Fensterunternehmen zu kaufen, ist nicht erstrebenswert.

Themenwechsel zum Fachkräftemangel: Das war ja vor Corona das bestimmende Thema – rechnen Sie damit, dass nach der Krise erneut gute Facharbeiter Mangelware sind?
Nicht nur durch Corona, sondern durch die konjunkturelle Abkühlung wird es grundsätzlich mehr Möglichkeiten geben, Fachkräfte zu bekommen. Der Druck wird aber in manchen Bereichen nicht weniger werden, man muss da differenzieren: Lehrlinge zu bekommen ist schwierig und wird schwierig bleiben. Man merkt, dass um Lehrlinge stark geworben wird. Die Auswahl ist oft nicht groß, da der Trend noch immer in Richtung Studium geht, obwohl man mit einer Lehre eine tolle Ausbildung machen kann und sehr gute Verdienstmöglichkeiten hat. Auch im IT-Bereich wird der Fachkräftebedarf hoch bleiben, denn die Firmen werden digitaler – Corona hin oder her. Grundsätzlich denke ich, dass wir in Österreich einen gut geplanten und kontinuierlichen Zuzug von qualifizierten Fachkräften aus anderen Ländern brauchen.

Was erwartet Josko von einem guten Lehrling?
Das Wichtigste für uns ist, dass ein Lehrling wirklich interessiert ist und Spaß daran hat, ein Handwerk zu lernen und eine Fachausbildung mit großem Praxisbezug zu machen. Die im Unternehmen ausgebildeten Fachkräfte leisten nach Abschluss der Lehre einen wichtigen Beitrag für unser Produktionsunternehmen, daher ist es entscheidend, dass die Motivation von Beginn an stimmt. Ein Lehrling sollte sich mit unserer Firmenphilosophie identifizieren können und unsere Ausrichtung gut finden. Darüber hinaus sind soziale Kompetenzen wichtig, damit der Umgang miteinander gut funktioniert. Diese Kompetenzen trainieren wir auch regelmäßig mit unseren Lehrlingen.

Ist es in letzter Zeit schwieriger geworden, Lehrlinge zu finden?
Ja, es ist in den letzten Jahren deutlich schwieriger geworden, Lehrlinge zu gewinnen. Das liegt an der demografischen Entwicklung und daran, dass auch weiterführende Schulen ihr Angebot ausgebaut haben und stark um Jugendliche werben.

Hat sich der Stellenwert der Lehre in den letzten Jahren verbessert? Seit Langem wird ja Kindern eingeredet, studieren zu gehen, obwohl sie vielleicht handwerklich geschickt wären, weil der Stellenwert der Lehre gelitten hat …
Die Lehre hat gesellschaftlich immer noch nicht jenen Stellenwert, den sie sich aufgrund ihrer Qualitäten verdienen würde. Viele Eltern sehen ihre Kinder lieber in einer weiterführenden Schule als an einem Lehrplatz, weil sie dadurch höhere Aufstiegschancen für die spätere Karriere erwarten.

Inwiefern fördert Josko die Ausbildung zum Tischlerei-Techniker?
Die Ausbildung erfolgt für alle Lehrlinge in handwerklichen Berufen sowohl in unserer Lehrwerkstätte als auch innerhalb des Produktionsprozesses. In einem zehnwöchigen Rotationsintervall lernen die Lehrlinge unterschiedliche Unternehmensbereiche kennen. Bei der Tischlerei-Technik ist ein zusätzlicher Ausbildungsschwerpunkt die Automatisierung, also die Ansteuerung und Bedienung von maschinellen Anlagen. Lehrlinge werden dafür in den Bereichen Produktionssteuerung, Maschinenbedienung und Arbeitstechnik ausgebildet. Nach Abschluss der vierjährigen Lehrzeit haben die jungen Fachkräfte vielfältige Möglichkeiten im Unternehmen mit guten Aufstiegschancen.

Unterstützt Josko den internen Aufstieg – also vom Lehrling zur Führungskraft?
Ja, wir sind dabei, die Mitarbeiterentwicklung stärker zu forcieren. Grundsätzlich hat es ein Mitarbeiter selbst in der Hand, da gibt es bei uns im Haus viele Beispiele dafür. Wir bieten also Möglichkeiten, aufzusteigen. Unsere Führungskräfte von morgen wollen wir aus unseren eigenen Mitarbeitern rekrutieren, denn die kennen wir und sie kennen unsere Produkte. Das ist somit eine Win-win-Situation.

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