08.12.2017, 16:08 Uhr

Weihnachten, wie's früher war

Paula Steger erzählt, wie sie Weihnachten früher feierte.

Paula Steger erzählt, wie sie früher Weihnachten feierte.

Paula Steger lebte die ersten neun Jahre (von 1931 bis 1940) gemeinsam mit ihrem Bruder und ihrer Cousine bei ihren Großeltern in einem Bergbauernhof bei Dienten, weil ihre Eltern keine Zeit für sie hatten. Als Hitler das Muttergeld einführte, kam sie zu ihnen ins Dorf. Im Gespräch teilt sie ihre Erinnerungen an Weihnachten, wie sie es als Kind und Jugendliche erlebte:


Berg-Weihnacht


Keine bösen Geister

"Bei meinen Großeltern stellten wir vor dem Mittagessen alle gemeinsam die Krippe auf, danach wurde die Arbeit niedergelegt. Zu Mittag gab es "Bachekoch" und wenn wir Glück hatten, durften wir ein wenig Honig dazu geben. Da der heilige Abend ein Rauchabend ist, durfte im Haus keine Wäsche zum Trocknen hängen. Das hätte Unglück gebracht, weil sich dort die bösen Geister verstecken konnten, obwohl man sie mit dem 'Rauchen' vertreiben wollte. Sobald es dämmerte, holte Großvater die kleine 'Rauchpfanne' mit Kohle und Weihrauch und wir gingen betend durchs Haus. Eines der Kinder durfte mit Weihwasser und einem kleinen Zweig direkt hinter Großvater gehen und 'sprengen', darauf freuten wir uns jedes Jahr ganz besonders. Meine Großeltern gingen danach noch in den Stall, um auch den Tieren Segen zu bringen, während wir Kinder in der Stube warteten. Beim Hergotts-Winkel wurde dann der Rosenkranz gebetet, bevor es etwas ganz einfaches zu Abendessen gab." 


Brot als Geschenk
"Wir hatten weder einen Adventkranz noch einen Christbaum, Kekse gab es auch nicht. Doch ein Geschenk gab es trotzdem: Großmutter hat für jeden von uns ein kleines Kletzenbrot gebacken, unsere Namen auf Zettel geschrieben und auf die Laibe geklebt. Diese Brote teilte sie dann am Esstisch aus und das war unser Geschenk. Wir hatten nicht viel und freuten uns sehr über diese Kleinigkeit. Danach ging es ab ins Bett."

Weihnachten im Dorf

Mit der Axt ausgerückt
"Meine Mutter war viel krank und mein Vater bis 1946 in Kriegsgefangenschaft. Da ich das einzige Mädchen bei sieben Geschwistern war, blieb viel Arbeit an mir hängen. So war es oft meine Aufgabe, für Heilig Abend einen Christbaum zu holen. Mit einer kleinen Axt ausgestattet musste ich einen Bach überqueren, im Wald einen geeigneten Baum abhacken und zum Haus zurückziehen. Ich suchte mir zwar immer schon kleinere Bäume aus, aber meist waren sie mir dann trotzdem fast zu schwer. Einmal fiel mir meine Axt in den Bach und ich traute mich nicht, ohne sie nach Hause zu kommen. Ich suchte sie sehr lange und kam schließlich klitschnass und - zum Glück - mit der Axt zurück. Meine Mutter schmückte den Baum dann mit ganz einfachen, großen Christbaumkugeln."

Selbstgemachte Geschenke
"Zu Mittag gab es eine wärmende Fleischsuppe und am Abend Hausmannskost, danach sangen wir rund um den Christbaum versammelt. Ich hätte gerne mehr gesungen, aber bei so vielen Buben im Haus blieb es meistens bei einem "Stille Nacht, heilige Nacht", bevor es die Geschenke gab. In den Packerln waren Strümpfe, Socken, Hosen - was eben gebraucht wurde. Vieles davon hatte ich zuvor selber gestrickt oder genäht, so kam es nicht selten vor, dass ich bereits genau wusste, was alle zu Weihnachten bekamen. Der Heilige Abend wurde stets sehr einfach gefeiert, trotzdem freuten wir uns immer sehr auf diesen Tag."
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Franz Fuchs aus Flachgau | 09.12.2017 | 17:52   Melden
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