Lebensretter auf vier Pfoten: Die Suchhundestaffel des Roten Kreuzes

"Such!" lautet das Kommando – und schon läuft der Suchhund los und durchquert systematisch das Gebiet, immer unter den wachsamen Augen des Hundeführers.
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  • hochgeladen von Tanja Waculik

PURKERSDORF/SCHWECHAT. Mittwoch, 18 Uhr – Trainingsbeginn für die Suchhundestaffel des Roten Kreuzes Purkersdorf-Gablitz. Nach der Arbeit treffen sich hier wöchentlich mindestens zwei Mal bis zu 28 ehrenamtliche Hundeführer und Helfer, um gemeinsam mit ihren Suchhunden zu trainieren. Hier, auf einem weitläufigen Firmengelände in Schwechat, sind die Suchhundeführer seit etwa einem Jahr in ihrer Freizeit stark damit beschäftigt, sich ein adäquates Trainingsgelände aufzubauen. Diverse Haufen aus Schutt, Steinen, Holz oder Reifen, sowie alte Wohnwagen und eine selbst gebaute Haus-Kulisse sind hier also kein Unrat, sondern bewusst platziert – als Trainingsmöglichkeit für die vierbeinigen Lebensretter und ihre Hundeführer.

Jahrelange Ausbildung

"Das hier soll wirklich ein Ausbildungszentrum für Therapiebegleit- und Suchhunde werden", erklärt Staffelkommandant Franz Stidl das Ziel. Doch wie lange braucht es, bis aus 'Hund und Herrchen' 'Suchhund und Hundeführer' wird? "Wenn du und der Hund beide gut seid, dann braucht's etwa drei Jahre, bis man einsatzfähig ist", so Stidl, und setzt fort: "Die Anforderungen werden immer höher."

Positive Bestärkung

Ob ein Hund als Suchhund einsatzfähig ist, wird in regelmäßigen Prüfungen entschieden. Dabei muss nicht nur die Suche selbst, sondern auch Übungen an unterschiedlichsten Geräten absolviert werden – diese stehen auch heute am Programm. 
Ob Fassbrücke, Sprossenleiter oder Wippe – je nach Ausbildungsgrad absolvieren die Suchhunde die unterschiedlichen Übungen. "Wir arbeiten rein über positive Bestärkung", erklärt Hundetrainerin und Suchhundeführerin Cornelia Motycka. Jede erfolgreich absolvierte Übung wird daher ausgiebig mit Lob, Leckerlis und/oder einem Belohnungsspielzeug belohnt.

Trittsicherheit ist wichtig

Bei vielen Übungen geht's vor allem um die Sicherheit des Hundes selbst: "Der Hund muss lernen mit allen vier Pfoten sicher unterwegs zu sein, z.B. auch wenn's etwas wackelt", erklärt die Trainerin. Denn die Einsatzgebiete, die in ganz NÖ oder sogar darüber hinaus liegen können, können sowohl weitläufige Wald- und Wiesenflächen, als auch durch Erdbeben zertrümmerte Regionen sein.

Kommandos müssen sitzen

Einige Meter weiter wird die Unterordnung geübt. Die Hunde müssen ihren Hundeführern folgen und vertrauen. Kommandos wie Sitz, Platz, Bleib und Bei Fuß müssen einwandfrei funktionieren – sowohl für die Einsatzprüfung, als auch im tatsächlichen Einsatz. Der Hundeführer wird unter anderem in Kartenkunde, Funk und Taktik ausgebildet.

Unzählige Verstecke zum Trainieren

Samstag, 9 Uhr – Training Nummer zwei in dieser Woche. Wieder treffen sich die Hundeführer und Hunde am Gelände in Schwechat zum gemeinsamen Training. Heute wird das Suchen trainiert. Mit Belohnungsspielzeug ausgerüstet laufen zwei Mitglieder los und verstecken sich am Gelände – und die Versteckmöglichkeiten sind hier äußerst vielfältig. In den vielen Schutt- und Trümmerhaufen, sowie in einer selbst gebauten Haus-Kulisse und in alten Wohnwägen sind unzählige Verstecke eingebaut, die bis zu zwei Meter unter die Erde reichen. Auch der immer wieder einsetzende Regen hält die tierischen und menschlichen Lebensretter nicht davon ab zu trainieren, so etwas kann ja auch im Einsatzfall vorkommen. Doch immerhin ist heute der Wind günstig, merkt Hundeführerin Eli Stidl an.

"Such!"

"Such!", befiehlt Hundeführerin Cornelia Motycka – und schon läuft der einjährige Border Collie Cody los. Mit hoher Geschwindigkeit läuft er systematisch über das weitflächige Gelände. Schon nach kurzer Zeit nähert er sich gezielt der Hauskulisse, seine Hundeführerin behält Cody stets im Blick. Ein lautes Rascheln ist zu hören – und kurz darauf ein Bellen. Der erste "Übungs-Vermisste" wurde gefunden. Es war in einem durch einen "Aludosen-Vorhang" verhängten Raum, befüllt mit knarzenden Plastikflaschen, versteckt. So lernt der Hund sich vor derartigen, lauten Geräuschen nicht zu schrecken, erklären die Hundeführer. Cody wird für seine erfolgreiche Arbeit mit einer kurzen Belohnungsspiel-Einheit und viel Lob belohnt.

Richtungsweisendes Bellen ist gefragt

Kurz darauf geht's weiter. Cody nähert sich einem Holz-Trümmerhaufen. Nach einer schnellen Runde rund um den Haufen, beginnt er vor einem Holzturm laut zu bellen. Darin hat sich ein weiterer Kollege versteckt, doch die Hunde sollen so exakt wie möglich anzeigen, wo sich der Vermisste befindet. "Wenn ich vor einem eingefallenen Haus stehe, bringt's mir ja nichts, wenn der Hund mir anzeigt 'hier irgendwo ist jemand'", erklärt Franz Stidl. Doch schnell hat Cody den Weg hinauf in Richtung Turm entdeckt – und schon bellt er laut in die Richtung, in der sich der zweite Kollege versteckt hält. Wieder gibt's ausgiebige Belohnung für den erfolgreichen Übungseinsatz – nach nicht einmal drei Minuten waren alle Übungs-Probanden gefunden.
 Die Verstecke variieren je nach Alter, Erfahrung und Ausbildungsgrad der Hunde, immerhin soll der Hund Spaß an der Sache haben und durch Erfolge motiviert werden, erklärt Eli Stidl. Nachdem die 'Vermissten' und Verstecke ausgetauscht werden, kommt Suchhund Fly an die Reihe. Cody hingegen darf nun, sichtbar zufrieden und glücklich, entspannen. 

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