Oberst Alfred Steingreß
"Zum Sterben zu viel, zum Leben zu wenig!"

Der Bataillonskommandant des Panzergrenadierbataillons 13, Oberst Alfred Steingreß.
  • Der Bataillonskommandant des Panzergrenadierbataillons 13, Oberst Alfred Steingreß.
  • Foto: Panzergrenadierbataillon 13
  • hochgeladen von Bernadette Wiesbauer

Die mangelnden Investitionen beim Österreichischen Bundesheer der letzten drei Jahrzehnte haben deutliche Spuren hinterlassen: Auch in Ried.

RIED. Vor zwei Jahren verkündete der Bataillonskommandant des Panzergrenadierbataillons 13, Oberst Alfred Steingreß, noch mit Stolz den Ausbau der Kaderpräsenzeinheit in der Zehnerkaserne. Als Teil der "Battlegroup" standen diese Berufssoldaten für internationale Einsätze bereit. Aus Budgetgründen wird das Personal nun wieder abgebaut. „2017 haben wir von 230 auf 300 Soldaten aufgestockt. Unser Ziel waren 350. Jetzt wird der Vertrag nicht verlängert. Es wird zu keinen Kündigungen kommen, aber auch zu keinen Nachbesetzungen“, so Steingreß. Aber nicht nur in Ried, sondern in ganz Österreich wird an militärischem Personal gespart. „Wir bräuchten 24.000 Soldaten und Zivilbedienstete, haben aber nur 21.000. Um unsere Aufgaben, den Schutz der Österreichischen Bevölkerung und den Katastrophenschutz, zu erfüllen, sind wir mittlerweile zu wenig. Schneeschaufeln geht gerade noch“, so Steingreß.


Rückstau bei Investitionen

Schuld an den Personalkürzungen ist die budgetäre Situation. Dieses Jahr haben die Ibiza-Affäre und ihre Folgen die Budgetverhandlungen ausgebremst. „Wie es mit uns weitergeht, hängt von der neuen Regierung ab. Fakt ist, dass Österreich nur 0,5 Prozent vom Bruttoinlandsprodukt für Verteidigung vorsieht. In anderen Ländern der EU liegt dieser Wert bei 1,35 Prozent! Unser Ziel ist es, bis 2030 zumindest 1,0% des BIP zu bekommen", so Steingreß. Laut dem Oberst wäre das ein Plus von 16,2 Milliarden Euro. "Ohne diese Mittel müssten wir im Grunde die Kasernen dicht machen. Wir haben zum Sterben zu viel und zum Leben zu wenig“, so Steingreß.

60 Millionen Euro für Ried

Nicht nur beim Personal, sondern auch bei den Heeres-Liegenschaften besteht laut Steingreß enormer Aufholbedarf. „In Ried bräuchten wir 40 Millionen Euro, alleine um die Unterkünfte zu sanieren. 20 weitere Millionen wären für die Garagen, die Sportanlage, die Ausbildungsanlage und das Anschlussgleis an die Bahn nötig. Natürlich könnte die Generalsanierung nicht auf einmal erfolgen, sondern würde zehn bis 15 Jahre in Anspruch nehmen. Dieses Großprojekt wäre sicher auch für die regionale Wirtschaft äußerst interessant“, so der Oberst. In diese Summe nicht eingerechnet, ist die Generalsanierung des Wirtschafts- und Stabsgebäudes der Rieder Zehnerkaserne. „Hier brauchen wir 3,5 bis fünf Millionen Euro. Dieses Projekt ist aber schon länger in einem Bauprogramm vorgesehen und wird aller Voraussicht nach im Jahr 2021 auch in Angriff genommen", sagt Steingreß.

Generalüberholung fällig

Wie eng der Gürtel für das Bundesheer bereits geschnallt ist, macht sich auch beim Zustand der Einsatzfahrzeuge bemerkbar: „Unsere Kettenpanzer Ulan sind beinahe 20 Jahre alt. Nach 15 Jahren wäre eine Generalüberholung fällig. Und für unsere Bergepanzer gibt es keine Ersatzteile mehr. Die müssten wir also neu anschaffen. Wir haben aber kein Geld dafür“, so Steingreß. Auch eine sogenannte „Kampfwertsteigerung“ der Panzer ist derzeit nicht finanzierbar. „Wir haben keine Rückfahrkameras und keinen Minenschutz bei unseren Panzern. All dies würde unseren Soldaten mehr Sicherheit und Schutz bieten. Es fehlt uns aber das Geld“, so Steingreß. Als vor zwei Jahren die Battlegroup aufgestellt wurde, waren übrigens noch mehr als 70 Prozent der Rieder Panzer voll einsatzfähig. „Jetzt sind wir weiter unter diesem Wert“, so Steingreß.

Daten und Fakten

  • Das Panzergrenadierbataillon 13 verfügt über 51 Schützenpanzer Ulan, einen Bergepanzer M88, drei Bergepanzer Greif, 25 Lastwägen, zwei Schwerlasttransportsysteme, 28 sonstige Kraftfahrzeuge
  • Bataillonskommandant ist Oberst Alfred Steingreß. Stellvertretender Kommandant ist Oberstleutnant Friedrich Rescheneder.
  • Der Investitionsrückstau bei der Infrastruktur des Österreichischen Bundesheeres beträgt seit 2017 rund 1,7 Milliarden Euro
  • Für die Generalsanierung der Unterkünfte in der Rieder Zehnerkaserne wären 40 Millionen Euro nötig.
  • Die Sanierung der Garagen, Sport- und Ausbildungsplätze usw. würde weitere 20 Millionen Euro kosten.
  • Die Generalüberholung und Kampfwertsteigerung der Rieder Kettenpanzer Ulan ist seit 2015 fällig und kostet 500 Millionen Euro .
Autor:

Bernadette Wiesbauer aus Ried

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