Inklusion in Rudolfsheim-Fünfhaus
Vier graue Lüftungstürme wurden zu bunten Kunstobjekten

Das Gruppenfoto entstand unmittelbar nach dem Abschluss der künstlerischen Malarbeiten an den vier Lüftungstürmen rund um den Westbahnhof. | Foto: GB*/Daniel Dutkowski
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Street-Art trifft Inklusion: Rund um den Westbahnhof haben Künstler mit und ohne Behinderungen vier Lüftungstürme in bunte Kunstobjekte verwandelt. An dem Kunstprojekt waren auch große Wiener Unternehmen und der Bezirk Rudolfsheim-Fünfhaus beteiligt.

WIEN/RUDOLFSHEIM-FÜNFHAUS. Unterwegssein und Ankommen am Europaplatz sowie Füreinander und Miteinander im Helga-Pollak-Kinsky-Park: Das sind die vier Themen der bunten Kunstwerke, die von Menschen mit und ohne Behinderungen auf vier ehemals betongraue Lüftungstürme der U3 rund um den Westbahnhof gemalt wurden – auf insgesamt rund 100 Quadratmetern.

Gestaltet haben die Türme Bettina Onderka vom bildBalance Atelier Wien und Suzana Jalloul von Das Band, gemeinsam mit den Street-Artistinnen und Street-Artisten Jeremias Altmann alias El Jerrino, Axel Schindler und Käthe Löffelmann. „Wow, ich bin jetzt Teil der Stadt“, freut sich Künstler Simon Werl von Kolping Österreich, der beim gesamten künstlerischen Prozess dabei war: sowohl als die Entwürfe in gemeinsamen Workshops in Rudolfsheimer Ateliers entwickelt wurden, als auch beim dreitägigen Übertragen der großformatigen Murals in zwei "Straßenateliers" auf die Türme.

Eingebunden statt ausgeschlossen

"Das Tolle an dem Projekt ist die Inklusion: Weil ich eine psychische Erkrankung habe, fühle ich mich ziemlich oft ausgeschlossen – und das war halt ein richtig cooles Projekt, wo ich mich eingebunden gefühlt habe", freut sich Künstlerin Suzana. "Auf dem Turm im Park, an dem ich mitgearbeitet habe, habe ich sogar meine Signatur hinterlassen", erklärt Künstler Michael Ertl vom Verein "GIN s’werkl" und zeigt stolz auf den Schriftzug "Michi" unter einem Bild mit einer offenen Handfläche.

Künstler unter sich: Die an den großformatigen Murals beteiligten Künstlerinnen und Künstler präsentieren ihre Werke am Europaplatz. | Foto: Mathias Kautzky/MeinBezirk
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„Das Besondere an Street-Art ist, dass man unmittelbar Feedback bekommt – von Menschen, die man in ihrem Alltag antrifft“, erzählt Streetart-Künstler El Jerrino. Das Team habe beim Malen viele Komplimente von Passantinnen und Passanten bekommen. Entstanden sind die Entwürfe in zwei Workshops im Stadtraum Mitte 15 und im Studio Walls in der Löhrgasse. In kleinen Teams tüftelten, skizzierten und malten die Teilnehmer und Teilnehmerinnen gemeinsam: Künstlerinnen und Künstler mit Behinderung und Streetart-Künstlerinnen und -Künstler entwickelten gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern der Sponsorinnen und Sponsoren bunte Ideen für die Nachbarschaft.

Das Grätzl mitgestalten

Organisiert wurde das Kunstprojekt von der Inklusionsagentur VOIfesch gemeinsam mit der Gebietsbetreuung-Stadterneuerung (GB*). "Unsere Aufgabe ist es, die Kunst von Menschen mit Behinderung sichtbar zu machen: meist auf T-Shirts, Häferln oder Fahrzeugen – und hier beim Westbahnhof eben zum ersten Mal auf Lüftungstürmen", erklärt Helmuth Stöber von VOIfesch. "Wir wollen Leute dazu motivieren und aktivieren, ihren Stadtteil selbst mitzugestalten, damit sich im Endeffekt alle Leute da wohl fühlen. Und ein großer Punkt ist eben auch selber Hand anzulegen und die Stadt bunter zu machen, was eben hier passiert ist", freut sich Bea Vogler-Kautz von der GB*.

Die ehemals grauen Lüftungstürme wurden in bunte, großformatige Murals verwandelt. | Foto: Mathias Kautzky/MeinBezirk
  • Die ehemals grauen Lüftungstürme wurden in bunte, großformatige Murals verwandelt.
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Ermöglicht wurde das Kunstprojekt durch Turmpatenschaften großer Unternehmen, die für jeweils eines der Themen stehen – deren Vertreterinnen und Vertreter waren auch bei der künstlerischen Arbeit mit dabei: IKEA steht für Ankommen, das PVE Wien West steht für Füreinander, die UNIQA steht für Miteinander und die Wiener Linien stehen für Unterwegssein. "Die Gebietsbetreuung hat uns gebeten, den Untergrund der Lüftungstürme so herzurichten, dass die Künstler ihre Kunstwerke gut aufbringen konnten – das haben wir natürlich gern gemacht", freut sich Armin Frömel von den Wiener Linien.

Kulturförderung gab's auch

Es gab aber auch Geld von der Kulturförderung des Bezirks. „Als Bezirksvorsteher freue ich mich sehr, dass der 15. Bezirk dieses inklusive Kunstprojekt von VOIfesch unterstützt. Es ist eine wunderbare Gelegenheit, Inklusion, Begegnung und Vielfalt im öffentlichen Raum sichtbar zu machen. Die Zusammenarbeit von Künstler*innen mit und ohne Behinderung, die in Rudolfsheim-Fünfhaus leben und arbeiten, ist ein starkes Zeichen für unsere Gemeinschaft“, so Bezirksvorsteher Dietmar Baurecht (SPÖ).

„Aus technisch-kalten Betonsäulen werden Kunstobjekte, die Vielfalt, Miteinander und Begegnung sichtbar machen und dazu einladen. In Anlehnung an Natascha Nepps beeindruckende Studie „Über das (Un)Behagen in der Ästhetik“ kann behauptet werden: Kunst und Ästhetik sind im urbanen Umfeld die Brücke zwischen dem Gebauten, den Menschen und ihrem Wohlbefinden im gestalteten Raum – ein schönes Symbol für einen der buntesten und vielfältigsten Bezirke Wiens: Rudolfsheim-Fünfhaus“, ergänzt Alfred Mansfeld (SPÖ), Vorsitzender der Kulturkommission des Bezirks.

Zwei der Lüftungstürme stehen direkt vor der BahnhofCity Wien West am Europaplatz. Die aufgemalte Katze hat ab sofort einen wachsamen Blick auf Gürtel und Europaplatz. | Foto: Mathias Kautzky/MeinBezirk
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"Wunderschön sind die Lüftungstürme geworden", freut sich eine Passantin, die gerade vom Einkaufen in der BahnhofCity Wien West kommt. "Ich frage mich, wie wir das frühere Grau der Türme überhaupt so lange ausgehalten haben!"

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