Unterstützung
Die "Kids-Line" begleitet Kinder in schweren Zeiten
- Klinische Psychologin und Psychotherapeutin Rita de Dominicis und „kids-line“-Leiterin Theresa Schimke erzählen von der täglichen Beratungstätigkeit in der Kinder- und Jugend-Krisenhotline.
- Foto: EDS/Pernkopf
- hochgeladen von Lisa Gold
Seit 25 Jahren unterstützt und begleitet die "Kids-Line" Salzburg Kinder und Jugendliche in schweren Zeiten. Niederschwellig und anonym können Kinder und Jugendliche hier über ihre Probleme und Sorgen sprechen.
SALZBURG. Kindern und Jugendlichen stabile Beziehungen und Bezugspersonen anzubieten, die über den Zeitraum einer Krise hinweg bestehen bleiben und das auf niederschwellige Weise.
Einsamkeit ist großes Thema
Seit 25 Jahren ist die "Kids-Line" Salzburg ein Anker, der Kindern Halt und Struktur gibt. Das weiß auch die Leiterin Theresa Schimke. "Es geht um ein Auffangen, um ein bedingungsloses Da-Sein und um das Zuhören. Es ist ein Raum, in dem wir versuchen, Vertrauen aufzubauen und zu stabilisieren und das auf niederschwellige und anonyme Weise", sagt Schimke.
Der Großteil der Kinder und Jugendlichen, die sich bei der Kids-Line melden, ist zwischen zwölf und 18 Jahren.
"Im Chat melden sich auch schon Achtjährige bei uns. In diesem Alter geht es oft um das Thema Einsamkeit, dass niemand aus dem engen Umfeld da ist, der die Kinder ins Bett bringt oder mit ihnen Weihnachten und Geburtstag feiert"
, führt Schimke aus.
Neben Einsamkeit seien Probleme und Gewalt in der Familie sowie selbstverletzendes Verhalten die häufigsten Themen, die in den Telefongesprächen oder im Chat angesprochen werden. "Auch suizidale Gedanken werden bei uns geäußert, weil diese Kinder und Jugendlichen in ihrem nahen Umfeld keine Vertrauensperson haben", so die Leiterin der Kids-Line.
Rückzug in die digitale Welt
Und: der Rückzug in das "Digitale" und das damit einhergehende Abkapseln von der "realen Welt" ist ein omnipräsentes Thema, wie Schimke erläutert. "Wenn man in der realen Welt nur negative Erfahrungen macht, ist es nachvollziehbar, dass sich Kinder und Jugendliche zurückziehen. Wir sehen es dann als unsere Aufgabe, langsam wieder Vertrauen aufzubauen und zu stärken. Wenn das gelingt, tun sich die Kinder leichter, dieses Vertrauen auch im Außen aufzubauen. Das braucht natürlich seine Zeit, weswegen der Großteil unserer Beratungen auch langfristig stattfindet."
Rückblickend auf die letzten 25 Jahre habe sich die "Schwere der Themen" verändert.
"Früher ging es um Liebeskummer oder Konflikte im Freundeskreis. Es waren mitunter auch sogenannte 'Scherz-Anrufe' dabei, so etwas gibt es heute gar nicht mehr. Wir merken, dass es heute sehr viel schwerere Themen sind: Einsamkeit, Selbstverletzung, Gewalt - diese Themen hat es auch früher gegeben, aber die Corona-Pandemie hat das um ein Vielfaches potenziert"
, erklärt Schimke.
Waren es im Mai 2019 noch rund 1.000 Chat-Kontakte im Monat, ist diese Zahl im Mai 2020 auf 2.100 und im Mai 2024 auf 4.500 Kontakte im Monat gestiegen. "Jetzt haben sich die Zahlen auf diesem sehr hohen Niveau eingependelt." Generell wird die seit 2017 angebotene Chat-Beratung am häufigsten genutzt. "Vielen Kindern und Jugendlichen fällt es leichter, beim Schreiben die Probleme anzusprechen, als im direkten Telefongespräch darüber zu reden", weiß Schimke.
"Es braucht mehr Präventionsangebote"
Seit vier Jahren gibt es zudem die Möglichkeit der sogenannten "Experten-Chats", in denen die Kinder und Jugendlichen mit Fachleuten, etwa von der Kinder- und Jugendanwaltschaft oder dem Gewaltschutz-Zentrum, in Kontakt treten können. "Diese Experten-Chats werden gut angenommen. Damit wird eine Brücke zu jenen Institutionen geschlagen, die dann konkret Hilfe und Unterstützung bieten", betont Schimke.
Als große Herausforderungen der Zukunft sieht sie die "weltweiten Krisen, die einen erheblichen psychischen Einfluss auf die Kinder haben. Und die zu geringen Kapazitäten an psychosozialer Versorgung. Das ist schon auch ein großer Appell an die Politik, die Präventionsangebote auszubauen und niederschwellig zugänglich zu machen", so Schimke.
Die "Kids-line" ist an 365 Tagen im Jahr jeweils von 13 bis 21 Uhr unter der Nummer 0800/234 123 kostenlos erreichbar. Hinzu kommt die Beratung via Email oder Chat.
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