40 Jahre Hosi
Zwischen Tabuthema und viel Toleranz
- Zeichen der Toleranz und Vielfalt: Anton Cornelia Wittmann mit Regenbogenfahne und Transgender-Fahne im Hintergrund.
- Foto: Lisa Gold
- hochgeladen von Lisa Gold
40 Jahre Toleranz und Buntheit: der Geschäftsführer der Homosexuelle Initiative (Hosi), Anton Cornelia Wittmann, im Interview.
SALZBURG. "Es ist völlig okay und gut so, wie man ist" – eine Gewissheit, die Anton Cornelia Wittmann erst mit Anfang 30 erlangt hat. Der heute 40-Jährige übernimmt ab März die Geschäftsführung der Homosexuellen Initiative Salzburg (Hosi) und ist damit auch die erste Trans-Person an der Spitze der Hosi.
Im Interview spricht Wittmann darüber, mit welchen Herausforderungen er und viele andere Trans-Personen konfrontiert sind, welche Meilensteine die Hosi in ihren 40 Jahren erreicht hat und wie tolerant und offen Salzburg gegenüber homosexuellen Menschen ist.
Herr Wittmann, Sie wurden als Cornelia geboren, haben sich aber nie wohlgefühlt in Ihrem Körper. Beschreiben Sie den Weg von Cornelia zu Anton und mit welchen Problemen Sie konfrontiert waren.
Anton Cornelia Wittmann: Das war ein sehr langer Prozess. Ich habe mich bereits als Kind sehr burschikos gekleidet und mich während der Schulzeit sowohl zu den Mädchen als auch zu den Burschen zugehörig gefühlt. Ich habe mich zwischenzeitlich damit abgefunden, dass ich als Mädchen gesehen werde, mich aber nicht so fühle.
Erst mit Anfang 30 ist es mir richtig bewusst geworden, dass ich trans bin und dazu auch stehen will. Die Jahre davor waren durch Ängste, Überforderung, schwere Depressionen und Suizidgedanken geprägt. Gefühle, mit denen ein großer Teil der Trans-Menschen konfrontiert ist.
Wie hat Ihre Familie und das soziale Umfeld darauf reagiert?
Anton Cornelia Wittmann: Sehr unterschiedlich. Es war für alle keine einfache Situation Es bedurfte langer und zahlreicher Diskussionen, aber ich spürte nach meinem Coming-out eine tiefe Erleichterung in mir. Mir ist aber erst im Laufe der Zeit bewusst geworden, dass das Coming-out nicht nur etwas Persönliches ist, sondern das ganze Umfeld betrifft. Viele wissen nicht, wie sie darauf reagieren sollen und haben Angst, etwas Falsches zu sagen. Da bedarf es vieler offener Gespräche.
Mit März übernehmen Sie als erste Trans-Person die Geschäftsführung der Hosi Salzburg, in der Sie seit 2013 ehrenamtlich tätig sind. Diese feiert heuer zugleich ihr 40-jähriges Bestehen – wie wird der Geburtstag gefeiert?
Anton Cornelia Wittmann: Anfang Juni wird im Rahmen des Pride-Weekend drei Tage durchgefeiert – unter dem Motto "Let's get loud". Höhepunkt wird dabei der CSD-Walk vom Hauptbahnhof zur Arge-Kultur, wo dann im Anschluss ein großes Fest steigt.
Hinzu kommen unsere vierteljährlichen Hosi-Feste, das nächste steigt am 14. März in der Arge-Kultur.
Was waren die größten Meilensteine und Errungenschaften in den vier Jahrzehnten seit Bestehen der Hosi?
Anton Cornelia Wittmann: Dass die Hosi überhaupt gegründet wurde, ist ein Meilenstein, vor allem zu der damaligen Zeit, in der Homosexualität als Krankheit gesehen wurde. Das war weit mehr als ein klares Statement zu mehr Toleranz und Sichtbarmachen. Seither haben wir unsere Beratungsangebote stetig erweitert und zahlreiche Projekte, wie unsere Bildungsprojekte "Schule der Vielfalt" und "Vielfalt im Beruf" umgesetzt.
Unsere Trans-Stammtische für Transgender werden sehr gut angenommen, zu uns kommen Menschen aus Tirol, Bayern und Oberösterreich. Ein Meilenstein war sicher auch der Schritt in die Professionalisierung durch das Schaffen einer hauptamtlichen Stelle für die Geschäftsführung und für die Projektleitung der Bildungsprojekte. Das war für den politischen Akitivismus, die Medienarbeit und die Umsetzung von Projekten wesentlich.
Wie tolerant ist Salzburg – hat sich das in den letzten Jahren verbessert?
Anton Cornelia Wittmann: Es ist viel Offenheit da, es ist leichter geworden, homosexuell zu leben, da ist viel Positives passiert. Aber natürlich gibt es immer wieder Beleidigungen oder Anfeindungen, wenn zwei Männer sich küssen oder Hand in Hand gehen, das kommt immer noch vor. Ein großes Tabuthema in unserer Gesellschaft sind Themen wie Inter- oder Transsexualität.
Gibt es Länder oder Städte, die Vorreiter sind, was das Thema Vielfalt betrifft?
Anton Cornelia Wittmann: Die Niederlande und die skandinavischen Länder sind hier schon sehr weit. Auch Malta, dort wurde rechtlich schon viel umgesetzt. In Ländern, in denen die Ehe für alle erlaubt ist, ist die Sichtbarkeit und Toleranz dann meist auch in der gesamten Gesellschaft höher.
Die Stadt Salzburg setzt mit dem Hissen der Regenbogenfahne rund um das Pride-Weekend ein Zeichen für Vielfalt. Wie groß ist die Unterstützung von Seiten der Stadtpolitik?
Anton Cornelia Wittmann: Die Regenbogenfahne und das pink beleuchtete Schloss Mirabell sind extrem wichtig für die Sichtbarkeit und die Symbolwirkung. Es sind auch immer wieder Vertreter aus der Politik bei unserem CSD-Walk im Juni dabei, um hier ein Statement zu setzen. Zentral ist aber, dass es nicht nur bei Symbolen bleibt, sondern auch Taten folgen.
Was wünschen Sie sich für die Hosi, wo soll sie in Zukunft stehen?
Anton Cornelia Wittmann: Dass die Hosi als Kompetenzzentrum gesehen und unsere Expertise genutzt wird – sowohl wenn es um politische Fragen geht als auch für Firmen und Schulen. Wir sind eine Anlaufstelle für Beratungen, Bildungsarbeit, Aufklärung und ein geschützter Raum, in dem jeder seine sexuelle Orientierung leben kann, ohne Angst haben zu müssen. Für die Gesellschaft generell ist es unerlässlich, dass rechtliche Gleichstellungsfragen geklärt sind.
Mit welchen drei Begriffen würden Sie die Hosi beschreiben und was bedeutet die Hosi für Sie persönlich?
Anton Cornelia Wittmann: Bunt, kompetent und ein Verein, der sich für die Rechte aller einsetzt. Warum ich selbst zur Hosi gekommen bin? Mir haben Vorbilder gefehlt und das Wissen, wer ich bin. Bei der Hosi habe ich erfahren, wie es ist, sichtbar zu sein und dass es völlig okay ist, wie man ist.
Aktuelle Nachrichten aus Salzburg auf
Du möchtest kommentieren?
Du möchtest zur Diskussion beitragen? Melde Dich an, um Kommentare zu verfassen.