Bauindustrie im Wandel
Sanieren, Trockenbau – So verändert sich das Bauen aktuell
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Florian Hannak, Geschäftsführer des BauZentrums Hannak, spricht über aktuelle Trends im Baustoffhandel, die wachsende Bedeutung der Sanierung, neue Bauweisen und die Frage, warum beim nachhaltigen Bauen am Ende häufig die Kosten entscheiden.
SALZBURG. Wie wir bauen, verändert sich. Steigende Kosten, Klimaschutz, Energieeffizienz und ein zunehmender Mangel an Arbeitskräften beeinflussen die Entscheidungen von Bauherren und ausführenden Unternehmen. Gleichzeitig entwickeln sich Baustoffe und Bauweisen weiter. Florian Hannak, Geschäftsführer des BauZentrums Hannak, beobachtet diese Veränderungen aus Sicht des Baustoffhandels. Einen Baustoff, dem allein die Zukunft gehört, sieht er nicht. Vielmehr werde es auf die richtige Kombination unterschiedlicher Materialien und Systeme ankommen.
Sanierung gewinnt gegenüber Neubau
Eine der deutlichsten Veränderungen der vergangenen Jahre sieht Hannak in der Verschiebung vom Neubau hin zur Sanierung und Nachverdichtung. „Der Neubau ist stetig sinkend“, beschreibt er die Entwicklung. Gleichzeitig nehme die Bedeutung von Sanierungen deutlich zu.
Damit verändern sich auch die Anforderungen an den Baustoffhandel. Gerade bei Sanierungsprojekten spielt die Logistik eine wesentliche Rolle, weil Materialien oftmals in kleineren Mengen, zu unterschiedlichen Zeitpunkten und unter schwierigeren räumlichen Bedingungen benötigt werden als auf einer klassischen Neubau-Baustelle.
Trockenbau spart vor allem Zeit
Zu den Gewinnern dieser Entwicklung zählt für Hannak der Trockenbau. Der Vorteil liegt für ihn nicht nur im Material selbst, sondern vor allem im Bauablauf. Bei Beton, Estrich und anderen klassischen Verfahren muss Feuchtigkeit aus dem Baukörper entweichen. Das kostet Zeit.
Trockene Systeme können diese Wartezeiten reduzieren. Gleichzeitig haben sich ihre Einsatzmöglichkeiten deutlich erweitert – von Akustiklösungen über Böden und Estrichsysteme bis zu Deckenkonstruktionen, in denen Leitungen geführt werden können. Der Trockenbau habe deshalb in den vergangenen Jahren stark an Bedeutung gewonnen.
Holzbau und Vorfertigung verändern die Baustelle
Eine zweite Entwicklung betrifft den Holzbau. Gerade in Salzburg beobachtet Hannak einen steigenden Vorfertigungsgrad. Teile von Gebäuden oder ganze Wandelemente werden zunehmend in Werkshallen produziert und anschließend auf die Baustelle transportiert.
Das verändert nicht nur den Bauprozess, sondern auch die Arbeitsbedingungen. Ein Teil der Arbeit kann wetterunabhängig in einer Halle erledigt werden. Erst danach erfolgt die Montage auf der Baustelle. Für Betriebe könne das auch bei der Suche nach Fachkräften interessant sein, weil dadurch attraktivere und abwechslungsreichere Arbeitsbedingungen entstehen.
Für den klassischen Baustoffhandel ist die Entwicklung allerdings eine Herausforderung: Je höher der Vorfertigungsgrad, desto weniger einzelne Materialien werden direkt auf der Baustelle benötigt.
Nicht Holz oder Beton – sondern Holz und Beton
Die Diskussion darüber, welcher Baustoff ökologischer oder zukunftsfähiger ist, wird häufig sehr grundsätzlich geführt. Hannak hält wenig von einem solchen Entweder-oder.
„Die Zukunft gehört auf jeden Fall nicht einem Baustoff“, sagt er. Entscheidend sei vielmehr ein intelligenter Materialmix. Beton, Holz sowie Leicht- und Trockenbausysteme hätten jeweils unterschiedliche Stärken und sollten dort eingesetzt werden, wo ihre Eigenschaften sinnvoll genutzt werden können.
Auch Beton habe sich technisch weiterentwickelt. Hersteller beschäftigen sich zunehmend damit, den CO₂-Ausstoß bei der Produktion zu reduzieren. Gleichzeitig verweist Hannak auf Eigenschaften wie Tragfähigkeit, Brandschutz, Speichermasse und Langlebigkeit. Gerade bei größeren Gebäuden, Garagen oder öffentlichen Bauten spiele Beton deshalb weiterhin eine wichtige Rolle.
Nachhaltigkeit trifft auf die Realität der Baukosten
Ökologisches Bauen ist längst ein wichtiges Thema. Doch zwischen dem Wunsch nach nachhaltigen Materialien und der tatsächlichen Entscheidung auf der Baustelle liegt häufig die Finanzierung.
Hannak beobachtet, dass natürliche Dämmstoffe in der Praxis oftmals an den Mehrkosten scheitern. Sobald verschiedene Varianten konkret kalkuliert werden, könne zwischen konventionellen Lösungen und ökologischeren Alternativen ein erheblicher Preisunterschied entstehen. Nach Jahren stark gestiegener Baukosten werde deshalb sehr genau gerechnet.
Das führt dazu, dass nicht jeder ökologische Trend dauerhaft am Markt besteht. Materialien wie Hanf oder Stroh hätten zwar zeitweise größere Aufmerksamkeit erhalten, spielten aktuell aber nur eine geringe Rolle. Entscheidend ist letztlich nicht allein, was technisch oder ökologisch möglich wäre, sondern auch, was Bauherren finanzieren können.
"Gebäude müssen künftig nicht nur warm, sondern auch kühl bleiben", so Florian Hannak.
Eine weitere Veränderung bringt der Klimawandel. Jahrzehntelang konzentrierte sich energieeffizientes Bauen in Österreich vor allem darauf, Wärme im Gebäude zu halten und Heizenergie zu sparen. Mit zunehmend heißen Sommerperioden gewinnt die umgekehrte Frage an Bedeutung: Wie bleibt die Hitze draußen?
Damit rückt die gesamte Gebäudehülle stärker in den Mittelpunkt. Gute Dämmung wirkt in beide Richtungen. Sie reduziert Wärmeverluste im Winter und kann gleichzeitig dabei helfen, sommerliche Hitze draußen zu halten.
Hannak nennt mehrere Maßnahmen, die dabei zusammenspielen: moderne Fenster in Kombination mit Beschattung, eine gut gedämmte Fassade und die Dämmung der obersten Geschossdecke. Gerade bei nicht ausgebauten Dachböden werde diese vergleichsweise einfache Maßnahme häufig unterschätzt.
Betondecke als Heizung und Kühlung
Interessant wird in diesem Zusammenhang auch die sogenannte Bauteilaktivierung. Dabei werden Leitungen beispielsweise in Betondecken integriert. Über die große Speichermasse des Betons können Räume sowohl beheizt als auch gekühlt werden.
Der Vorteil ist eine über längere Zeit relativ konstante Raumtemperatur. Allerdings reagiert das System wesentlich langsamer als ein klassischer Heizkörper. Genau diese Trägheit muss bei Planung und Nutzung berücksichtigt werden.
Bei Neubauten werden Energieeffizienz und erneuerbare Energie ohnehin zunehmend von Beginn an mitgedacht. Energieausweise, vorgeschriebene Dämmwerte und Photovoltaik beeinflussen die Planung eines Gebäudes bereits heute wesentlich.
Herausforderung der Zukunft
Nachhaltigkeit endet für Hannak allerdings nicht mit einem niedrigen Energieverbrauch. Eine zunehmend wichtige Frage sei, was nach Jahrzehnten mit den eingesetzten Materialien passiert.
Gerade bei komplex aufgebauten Fassaden- und Dämmsystemen stellt sich nach 15 oder 20 Jahren die Frage nach Sanierung, Trennung, Wiederverwendung und Entsorgung. Hier sieht Hannak noch erheblichen Entwicklungsbedarf.
Damit könnte sich auch die nächste große Entwicklung im Baustoffbereich abzeichnen: Nicht nur Herstellung und Energieeffizienz eines Baustoffs werden entscheidend sein, sondern sein gesamter Lebenszyklus.
Bauen wird zum Zusammenspiel vieler Systeme
Der Blick auf die aktuellen Entwicklungen zeigt damit weniger einen einzelnen großen Baustofftrend als vielmehr einen grundlegenden Wandel des Bauens. Sanierung und Nachverdichtung gewinnen an Bedeutung, Trockenbau und Vorfertigung beschleunigen Abläufe, Holz und Beton werden zunehmend entsprechend ihrer jeweiligen Stärken kombiniert. Gleichzeitig erhöhen Klimawandel und Energieeffizienz die Anforderungen an die Gebäudehülle.
Für Hannak liegt die Zukunft deshalb nicht in der Suche nach dem einen perfekten Baustoff. Gefragt sind Lösungen, bei denen Material, Kosten, Bauzeit, Energieverbrauch und Lebensdauer gemeinsam betrachtet werden. Genau dieser intelligente Materialmix dürfte künftig stärker darüber entscheiden, wie in Salzburg gebaut und saniert wird.
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