Erstes regionales 3D-Druck-Labor für Schulen und Kreative in Oberösterreich

VORCHDORF. Man erinnere sich daran wie viel Zeit vergangen ist, bis jeder Haushalt mit PC und Tintenstrahldrucker seine eigene Amateur-Druckerei bekommen hat. Von der Erfindung des Nadeldruckers (1968) an waren es rund 20 Jahre. Es ist gut vier Jahre her, seit mit dem Ur-Makerbot der erste für Haushalt und Klassenzimmer leistbare 3D-Drucker erhältlich war. Heute bietet der Elektronik-Handel dutzende Fabrikatoren im Preissegment um die 1000 Euro an.
Diese rasende Entwicklung und die ungeahnten Möglichkeiten der 3D-Produktion verlangen Initiativen, damit draußen am Land niemand den Anschluss verliert und damit Mittelschul- und Poly-Absolventinnen jetzt schon beim Vorstellungsgespräch damit punkten, dass sie dreidimensional konstruieren und drucken können. 3D-Fabrizieren wird eine neue Kulturtechnik wie Lesen und Schreiben werden, für die wir ab sofort Alltagskompetenz brauchen und die wir schleunigst auch schon in der Pflichtschule verankern sollten. Denn 3D-Druck und die globale, auf Open Source basierende Makers-Bewegung läuten eine neue Industrielle Revolution ein. Das sagt u. a. Starökonom Jeremy Rifkin/USA. Und man hörte bereits 2014 in Barack Obamas Neujahrsansprache, dass diese Entwicklung mit aller Kraft zu unterstützen sei...
Otelo und das FFG-Förderprojekt Fabrikatoren-Schule kooperieren mit regionalen Schulen und realisieren mit Sponsoren zwei auch für die Bevölkerung offene 3D-Labors an Pflichtschulen in Vorchdorf und etwas später in Gmunden. Es sind die ersten dieser Art in Österreich. Sie bestehen aus jeweils acht Druckern der Marke XBOT150, gesponsert von RepRap Austria. Das 3D-Labor wird auch anderen Schulen zur Verfügung stehen. Es kann für Projekttage ausgeborgt und übersiedelt werden. Darüber hinaus steht jeden Dienstag von 17:00 – 19:00 Uhr allen Bürgerinnen und Bürgern über Otelo das 3D Drucklabor für eigene erste Experimente zur Verfügung. Auch Betriebe können das 3D Drucklabor buchen und ausloten, welche Perspektiven sich aus diesem neuen Produktionsverfahren bieten können.

ZUKUNFTSGEDANKEN – EIN ABEND ÜBER COMMUNITY PRODUCTION
Otelo und die Creative Region Linz & Upper Austria machen sich darüber hinaus Gedanken wie Heim- und Gemeinschaftsproduktion mit 3D-Druckern das Leben und Wirtschaften in der Region verändern werden. Besonders die Kreativwirtschaft bekommt im Zuge dieser Entwicklungen noch mehr Bedeutung als Schnittstelle zwischen Produktionsbetrieben und aktiven Konsumenten. Die beiden Organisationen laden am 12. Februar in Vorchdorf zu einer mit Vordenkern hochkarätig besetzten Veranstaltung über Community Production in der Region ein. Neben Impulsen vom Chefredakteur der ORF futurezone, Gerald Reischl, werden Projekte und Zukunftsszenarien für mögliche Entwicklungen des ländlichen Raumes vorgestellt. Einladung: http://creativeregion.org/events/community-production/

STATEMENTS
Doris Hummer, Landesrätin für Bildung, Forschung, Jugend und Frauen
Otelo bietet Raum zum Forschen, Experimentieren und kreativen Arbeiten. Ein Otelo in einem Schulzentrum wie in Vorchdorf bietet gänzlich neue Chancen: Eine enge Zusammenarbeit mit PädagogInnen und SchülerInnen unterschiedlichster Schulstufen wird möglich, neue Ideen und innovative Projekte können gemeinsam umgesetzt werden. Das erste regionale 3D-Druck-Labor in der NMS Vorchdorf ist ein eben solches innovatives Projekt, das Schüler/innen und Kreativen in der Region einfachen Zugang zu modernsten Produktionstechniken ermöglicht. Eine großartige Initiative, die nicht zuletzt dazu beiträgt die SchülerInnen der NMS Vorchdorf für die Welt der Technik zu begeistern und so möglichst frühzeitig ihr Interesse am Forschen und Experimentieren zu wecken. Abgesehen von zahlreichen Projekten und Initiativen in Vorchdorf sind die Otelos in Oberösterreich an insgesamt sieben Standorten wichtige Bestandteile regionaler Innovationssysteme. Durch die Gründung des neuen Otelo Netzwerks Innovationskultur sollen diese Entwicklungen weiter unterstützt und vorangetrieben werden. Darüber hinaus sollen Rahmen des Netzwerks Innovationskultur nicht nur neue Otelo-Standorte gegründet sondern auch bestehende Standorte besser vernetzt werden, um den Austausch von regionalem Know-how auch überregional zu ermöglichen. Aus diesen Gründen unterstützt das Land OÖ diese Initiative im Rahmen des strategischen Wirtschafts- und Forschungsprogramms „Innovatives OÖ 2020“.

Gunter Schimpl, Bürgermeister von Vorchdorf, Obmann der LEADER-Region Traunstein
Eine lebendige vor-Ort Bildungslandschaft braucht ein lebendiges Angebot, das Talente und Kreativität fördert; Die Idee des Bildungs-Campus Vorchdorf vereint und fördert Innovation, vernetzt und motiviert Neues zu entdecken. Das Otelo bildet ein Herzstück in der sich öffnenden Bildungslandschaft, hebt die Köpfe der Generation “Wischfinger und Kopf Runter“ regt das eigene Denken wieder an. Otelo ist Prophylaxe gegen Digitalen-Alzheimer und nutzt, Digitaltechnologie für kreatives Neuland. In Zusammenarbeit mit den am Campus tätigen öffentlichen, höchst innovativen Schulen, mit Industrie und Gewerbe wird der Bildungsstandort aufgewertet. Eine ländliche Schule erhält damit in ihrer Wertigkeit, in ihrer Funktion als Wissensvermittler, als Wissensgerator eine deutlich höhere Bedeutung. Letztlich ist das Otelo der Campus-Baustein der den Adrenalinkick liefert. Im Bauen auf die Stärken der einzelnen Bildungsträger, im Zulassen des bisher Unerhörten entsteht ein Bildungsstandort der die Jugend für den Ort, die Region begeistern soll und damit den Wirtschaftsstandort sichert.

Helga Berndorfer, Direktorin der Neuen Mittelschule und Polytechnischen Schule Vorchdorf
Das 3D-Druckerlabor ist der erste Schritt in die Richtung unseres Bildungscampus und ein Highlight im Energie- und Technikschwerpunkt der beiden Schulen NMS und PTS. Es werden sich mehrere Lehrerinnen auf die Drucker einschulen lassen, sodass sich uns dann die Möglichkeit eröffnet die Technologie Fächer übergreifend in multidisziplinären Projekten einzusetzen. 3D-Konstruktion und 3D-Druck werden – so zeichnet es sich ab – in Bildnerischer Erziehung, Werken, Informatik, Mathematik, Physik und Chemie zum Einsatz kommen. Im zweiten Halbjahr setzen wir das auf die Stundentafel.

Martin Hollinetz, Otelo e-Gen
Otelo hat bereits 2010 das Thema 3D-Druck und additive Fertigung im Rahmen verschiedener Gruppen in den Otelos aufgegriffen. Aus den ersten Workshops und Experimentiergruppen sind mittlerweile zwei Unternehmen entstanden, die für verschiedene Anwendungsfelder 3D-Drucker produzieren. Jetzt konzentrieren wir uns sehr auf das Thema der zukünftigen Anwendungsformen und die damit verbundenen Alltagskompetenzen, die sich in den nächsten Jahren entwickeln müssen, um diese Fertigungstechnologien sinnvoll  gesellschaftlich integrieren zu können.
Das setzt auch einen gesellschaftlichen Diskurs voraus, der sich damit beschäftigt in welchen Bereichen hier Änderungen zu erwarten sind und wie wir bereits jetzt Bildungsangebote dafür schaffen können. Otelo startet diesen Diskurs neben der Kooperation mit Schulen und Betrieben im 3D-Drucklabor, auch auf gesellschaftlicher Ebene und bietet am 12. 2. in der Veranstaltung „Community Production – die Zukunft der Produktion im ländlichen Raum“ einen ersten wichtigen Impuls. Dieser Diskurs soll auch in dem von der Direktion Bildung des Landes OÖ geförderten Projekt „Netzwerk für Innovationskultur“ weiter verfolgt werden. Das 3D-Drucklabor ist ein erstes Beispiel für das Potenzial an Vernetzung innerhalb der Region und zeigt auf, was möglich wird, wenn sich Projekte, Betriebe, Gemeinden und Schulen vernetzen, um gemeinsam Neues zu gestalten.   

Josef Aigner, Projektleiter „Fabrikatoren-Schule“, Jugendbeauftragter und Otelo-Obmann Gmunden
Die Einführung der Zukunftstechnologie hier am Land ist eine große konzertierte Aktion. Otelo hat den ersten leistbaren Drucker (MakerBot) aus den USA erprobt und mit ihm „Kinder“ gezeugt. Mit der EVO-tech GmbH und Rep Rap Austria sind sogar zwei Firmengründungen daraus entstanden. Der Verein für Regionalentwicklung hat sodann Fördergeld vom Infrastrukturministerium aufgestellt und zwei Projekte für die Verbreitung in der Schule in Gang gesetzt: Fabrikatoren-Schule (Bauen von Druckern an Schulen und deren Schustufen übergreifendes Erproben) und 3D-Schnupperlabor (Vernetzung der Schule mit regionalen Betrieben).
Fabrikatoren-Schule ist in der Zielgeraden, wobei zusammen mit Otelo und Dank weitsichtiger Sponsoren ein Coup gelingt, der über das Projektvolumen und über die Projektlaufzeit hinaus Nachhaltigkeit garantiert: Die Schaffung der österreichweit ersten beiden offenen 3D-Drucker-Labors an Pflichtschulen mit je acht Druckern im Vorchdorfer Bildungscampus und in der NMS Gmunden-Stadt. In der Erprobung hat sich gezeigt, dass Plug’n’Play Drucker in größerer Stückzahl verfügbar sein müssen, um einen lustvollen Einsatz im Unterricht zu gewährleisten. Auf Vorchdorf folgt Gmunden, wo noch ein Tausender Sponsorengeld fehlt, aber alle anderen Voraussetzungen schon geschaffen sind.

Benjamin Krux, Geschäftsführer von RepRap Austria
RepRap Austria wurde mit dem Ziel gegründet 3D-Drucktechnologie in hoher Qualität leistbar auch für Endanwender zu entwickeln. Ein 3D-Drucker kann jedoch nur effektiv eingesetzt werden, wenn die Bedienung klar, die Kompetenz der AnwenderInnen im Bereich 3D-Konstruktion hoch ist und tatsächlich sinnvolle Produkte entstehen. Genau hier liegt jetzt auch der Schwerpunkt der nächsten Jahre. Der Einsatz im Bildungsbereich und speziell bei Kindern und Jugendlichen legt den Grundstein für den Aufbau eines Schulungs- und Lernprogramms, das gemeinsam mit Otelo und den beteiligten PädagogInnen entwickelt wird. Die Erfahrungen aus dem Einsatz im schulischen Umfeld und auch mit verschiedenen Altersgruppen, die auch von Otelo angesprochen werden, gibt uns wertvolle Hinweise für die Verbesserung des Drucksystems und die damit verbundenen Anwendungen. Gleichzeitig wollen wir unseren Beitrag leisten, dass diese Technologie möglichst vielen Menschen zur Verfügung steht. 

Dr. Patrick Bartos, Geschäftsführer der Creative Region Linz & Upper Austria
Community Production, Open Design und Netzbasiertes Wirtschaften sind unter den bedeutendsten Entwicklungsfeldern in der Kreativwirtschaft. Sie sind deshalb seit Anbeginn Schwerpunkte in der Arbeit der CREATIVE REGION. Oberösterreich ist bereits heute ein bedeutender Knotenpunkt für diese Bewegungen und der richtige Ort, um die Zukunft des Produzierens im ländlichen Raum zu gestalten.
Am 12. Februar werden in der Vorchdorfer Kitzmantelfabrik ExpertInnen aus Kreativwirtschaft, Bildung, Politik und Regionalentwicklung Einblick und Ausblick in Lösungsansätze und Best Practice Beispiele für die ländliche Version der Community Production gewähren, wozu Otelo, die CREATIVE REGION und unsere Partner sehr herzlich einladen.

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