Schüler-Drama am Dachstein
Heilbronner Dachsteinunglück 1954: 13 Menschen am Berg erfroren

OBERTRAUN. Am Palmsonntag 1954 machte sich eine 150-köpfige Schülergruppe mit dem Zug von Heilbronn in Deutschland nach Obertraun. Wie die Bergrettung Obertraun auf ihrer Homepage berichtet, wollten die jungen Menschen einige Bergwanderungen unternehmen. Die Wanderung auf den Krippenstein sollte der Höhepunkt werden. Bei gutem Wetter verlassen die zehn 14- bis 16-jährigen Schüler und ihre drei Lehrer die Bundessportschule Obertraun zur geplanten Tour. Die Gruppe startete trotz der schlechten Wettervorhersagen und der mahnenden Worte des damaligen Heimleiters. Während des Aufstiegs fiel schon der erste Regen. Um halb zehn Uhr – es war Gründonnerstag, 15. April – erreichte die Gruppe die Schönbergalm. Als die Hüttenwirtin erfuhr, dass der Lehrer noch weitergehen wollte, warnte sie vor dem Vorhaben. Die Schulgruppe stieg weiter Richtung Krippenstein auf, dichter Nebel stieg auf. Bald verwandelte sich der Regen in Schneegestöber, man sah kaum fünfzig Meter weit. Als die Gruppe am Abend nicht in der Bundessportschule eintraf, machten sich Skilehrer auf die Suche. Erschöpft kamen sie in den Morgenstunden des Karfreitags ergebnislos zurück.

500 Freiwillige im Einsatz

In den folgenden Tagen begann eine Rettungsaktion, an der sich Gendarmen, Bergrettungsmänner und freiwillige Helfer beteiligten. Am Dienstag nach Ostern fand man die erste Spur, einen Brotbeutel und den Teil einer Zeitung. Einen Tag später entdeckte man in einer Schneemulde ein mit Latschenzweigen bedecktes, aber leeres, Lager. Getrieben von Kälte und Todesangst mussten die Heilbronner am Karfreitag einen verzweifelten Versuch unternommen haben, zur Schönbergalm zurückzukehren. In dem bereits drei Meter hohen Schnee konnten sie kaum vorwärts kommen. Drei Tage später, am 24. April, fand man die ersten Opfer. Der Todeskampf hatte die Kindergesichter verwandelt. Neben einem der Opfer lag ein Fotoapparat. Als man den Film entwickelte, kam ein grauenhaftes Bild zum Vorschein: Die Heilbronner ziehen trotz Schneesturms weiter bergwärts. Sie hatten ihren eigenen Todesmarsch fotografiert. Erst nach sechs Wochen fand man die letzten Toten, obwohl 500 Freiwillige gesucht hatten. Das Heilbronner Gedächtniskreuz erinnert an das Drama.

Autor:

Kerstin Müller aus Salzkammergut

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