23.11.2017, 11:18 Uhr

Aktuelle Studie zeigt: BH als mögliche Ursache von Wirbelsäulenschmerzen

Konrad Forstinger (Foto: Moorbad Gmös)
LAAKIRCHEN. Eine aktuelle klinische Studie belegt erstmals die Veränderung der Wirbelsäulenbeweglichkeit durch das Tragen eines klassischen BHs. Die dadurch verursachte erhöhte Beweglichkeit der Wirbelsäule wirkt sich negativ auf die umliegenden Gelenke aus und verursacht Schmerzen. Ein individuell angepasster BH kann das Risiko für Wirbelsäulenschmerzen verringern. Zu dieser Erkenntnis gelangt der Studienautor Konrad Forstinger in seiner im Moorbad Gmös in Laakirchen durchgeführten Forschungsarbeit.

In den letzten zehn Jahren wurden zahlreiche Studien und Forschungsergebnisse zu den Vor- und Nachteilen von BHs veröffentlicht. Frauen verwenden BHs unter anderem als Schutz vor der Erschlaffung des Brustgewebes, was aber als nicht gesichert gilt. Fest steht jedoch, dass Frauen doppelt so häufig unter Schmerzen in der Brustwirbelsäule leiden wie Männer. Sehr häufig liegt das Schmerzzentrum genau auf Höhe des Unterbrustbandes des BHs. Das ist jenes elastische Band, das den Brustkorb umgibt und am Rücken mittels BH-Verschluss zusammengeführt wird. Physiotherapeut Konrad Forstinger hat nun mit einer in den Jahren 2015 bis 2017 im Moorbad Gmös durchgeführten klinischen Pilotstudie nachgewiesen, dass das mehrjährige Tragen von klassischen BHs mit Unterbrustband die Beweglichkeit der Brustwirbelsäule verändert.

Studienergebnis belegt verstärkte Hypermobilität der Wirbelsäule

Da das Unterbrustband über einen extrem langen Wirkzeitraum an der Wirbelsäule aufliegt, zeichnen sich messbare Veränderungen der Beweglichkeit ab. In Forstingers Studie zeigte sich aber nicht wie erwartet eine Stabilisierung oder Versteifung der Wirbelsäule durch den BH, sondern eine unüblich hohe Brustwirbelbeweglichkeit auf Höhe des BH-Verschlusses. Eine abnormale Beweglichkeitszunahme eines Wirbelsäulenbereiches wird in der Medizin als Hypermobilität bezeichnet. Hypermobilität führt zu erhöhter Gelenksbelastung und zu Stress in den Bändern und Muskeln rund um die betroffenen Gelenke. Das führt häufig zu Überlastungsschmerzen.

Das Unterbrustband des BHs als Schmerzauslöser

Ein klassischer BH soll die Brust mithilfe des Unterbrustbandes von unten abstützen. So führt ein höheres Brustgewicht auch automatisch zu mehr Spannung im Unterbrustband. „Durch das Unterbrustband wird das Brustgewicht auf die Wirbelsäule übertragen und es können Gewichtsbelastungen bis zu 2 kg im BH-Verschluss gemessen werden. Neben der Gewichtsbelastung stellt das Unterbrustband über viele Jahre hinweg täglich an der gleichen Stelle einen Berührungsreiz auf der Haut dar, der im Gehirn verarbeitet wird“, so der Studienautor Konrad Forstinger. Hinzu kommt, dass etwa 70 % der Frauen die BH-Unterbrustbänder zu eng tragen. Hier liegt für viele BH-Nutzerinnen großes Verbesserungspotential brach. Das Unterbrustband soll nur so eng gespannt werden, dass es am Rücken auf Verschlusshöhe gerade nicht nach oben rutscht. Dadurch wird eine unnötige Belastung der Wirbelsäule vermieden. Das Studienergebnis unterstreicht einmal mehr, wie wichtig es ist, BHs individuell an die aktuellen Körpermaße der Trägerin anzupassen.
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