Interview
"Brauchen eigentlich Nachwuchs bei Älteren"

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Seit April 2019 ist Roland Ziech Leiter der Rot-Kreuz Ortsstelle Schärding. Dafür "opfert" er 800 Stunden.

SCHÄRDING (ebd). Im Interview verrät der 47-Jährige, warum er sich das "antut", was ihn antreibt und welche immensen Herausforderungen warten.

Herr Ziech, warum haben Sie vor einem Dreivierteljahr diesen Posten übernommen?
Ziech: Weil ich es mag, Verantwortung zu übernehmen und etwas bewegen zu können.

Und wie lief aus Ihrer Sicht die Übergabe?
Die Übergabe konnte 1:1 erfolgen, weil ich über eine langjährige Erfahrung beim Roten Kreuz verfüge. Ich war vorher schon fünf Jahre lang stellvertretender Ortsstellenleiter. Ich habe das Amt von Vorgänger Wolfgang Wagner aus guten Händen übernommen.

Also keine zu große Fußstapfen, in die Sie getreten sind?
Ich trete nicht in andere Fußstapfen, sondern will meine eigenen hinterlassen. 

Stimmt es, dass Sie auch Ihren Zivildienst in Schärding geleistet haben?
Ja, ich bin seit 1995 beim Roten Kreuz aktiv.

Welche Qualifikationen bringen Sie mit?
Im Grunde Managementqualitäten. Denn Struktur und Ablauf sind wie in einem Unternehmen, man ist Ansprechpartner rund um die Uhr. Aber das trifft auf jeden Ortsstellenleiter im Bezirk zu.

Stimmt es, dass alleine die Ortsstelle Schärding 600 ehrenamtliche Mitarbeiter hat?
Ja, davon rund zwei Drittel im Gesundheits- und Sozialdienst und der Rest im Rettungs- und Krankendienst. 

Wo sehen Sie aktuell die größten Herausforderungen?
In der demografischen Entwicklung. Die Menschen werden immer älter, was ja gut ist. Auf der anderen Seite werden die jungen immer weniger. Was mittel- bis langfristig die Frage aufwirft, wie wir ältere Menschen – die daheim wohnen bleiben wollen – dann betreuen sollen. Wir müssen uns darauf einstellen, dass die Personaldecke künftig geringer wird.

Das heißt?
Dass wir Personal brauchen. Der Bereich Ressourcen wird ein großes Thema werden.

Und wie siehts im Nachwuchsbereich aus?
Wir haben Jugendgruppen in Schärding, Brunnenthal, Münzkirchen und St. Roman. Eine neue in St. Marienkirchen. Also da läuft es nicht schlecht. Vielmehr brauchen wir Nachwuchs bei den Älteren – eben für Essen auf Rädern. Aber nicht nur dort, denn unser Aufgabengebiet ist sehr vielfältig.

Genauer?
Wir sind Ansprechpartner für jeden Bürger. Wir sind für jene da, denen es sowohl emotional als auch wirtschaftlich nicht gut geht. Unser Angebot umfasst neben Rettungsdienst und Essen auf Rädern, Sozialmarkt, Fahrdienste, betreutes Reisen, Flüchtlingshilfe und Besuchsdienst auch Sterbebegleitung. Das wissen viele gar nicht.

Ebenso wissen viele nicht, dass 2019 mit 150.000 ausgelieferten Portionen ein Rekordjahr für Essen auf Rädern war. Wo geht das hin und vor allem, wird das in Zukunft noch zu stemmen sein?
Wenn es so weiter geht, steuern wir auf jährlich 170.000 bis 180.000 Essen im Bezirk zu – davon sind weit über 100.000 Portionen alleine für die Stadt Schärding. Das künftig zu händeln ist eine große, logistische Herausforderung. Auch für die Pflegeheime, aus denen ja meist das Essen stammt. 

Sie sind ja noch ehrenamtlich als Rettungssanitäter im Einsatz. Wie viel Zeit wenden Sie dafür eigentlich auf?
Rettungsdienst und als Ortsstellenleiter zusammengenommen rund 800 Stunden im Jahr.

Und das ehrenamtlich?
Ja, ich schenke den Bürgern meine Zeit – und das gerne.

Apropos Bürger – ihnen ist wichtig, dass die Bevölkerung weiß …
… dass sie sich wirklich jeden Tag rund um die Uhr auf uns verlassen kann – in allen Bereichen. Was natürlich auch nicht selbstverständlich ist. Hier möchte ich auch noch die hervorragende Zusammenarbeit mit den Einsatzorganisationen Polizei und Feuerwehr auf Bezirksebene betonen. Auch das ist nicht selbstverständlich.

Steckbrief

Wohnort: Suben
Geburtsdatum: 29.10.1972
Beruf: Berufsanwärter zu Steuerberater
Familienstand: ledig, zwei Kinder
Hobbys: Wandern, Hobbyhistoriker
Lieblingsessen: Blutwurst mit Sauerkraut
Lieblingsgetränk: Mineralwasser

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