Bürgermeister Rücktritt
"Ich habe die Vernunft siegen lassen"

Seit 2003 ist Karl Einböck im Amt. Am 16. März ist Schluss.
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Dorf an der Prams Bürgermeister Karl Einböck tritt am 16. März nach 17 Jahren zurück – früher als geplant.

DORF/PRAM (ebd). Im Interview spricht der 64-Jährige über den Grund seines Abschieds, was ihm heute noch weh tut und weshalb er trotz schwerem Schicksalsschlag nichts an seinem Leben geändert hat. 

Eigentlich wollten Sie erst 2021 aufhören. Warum nun der vorgezogene Rücktritt?
Einböck:
 Ich habe die Vernunft siegen lassen. Ich bin jetzt 64 Jahre alt. Wir haben Gott sei Dank im Gegensatz zu anderen Gemeinden Junge, die nachrücken wollen. Diesen jugendlichen Schwung möchte ich nicht bremsen und niemandem im Weg stehen.

Hand aufs Herz – wie schwer fällt der Abschied nach fast zwei Jahrzehnten?
Es tut weh und natürlich ist Wehmut dabei.

Auf was haben Sie als Ortschef viel Wert gelegt?
Mein Bemühen lag immer auf gut funktionierende Nachbarschaften in den einzelnen Ortschaften. Dabei habe ich bei so manchen Konflikten in vielen Gesprächen mit den Betroffenen als lösungsorientierter Vermittler fungiert.

Auf was sind Sie ganz besonders stolz?
Das schönste Projekt war der Kauf des Gasthauses "Schmid" und der damit verbundene Neubau des Dorf.Saals. Zudem wurden in den 17 Jahren 74 Bauparzellen für den Wohnbau und sechs für Firmen umgewidmet. Damit konnte die Zahl der Arbeitsplätze um mehr als 240 auf 420 gesteigert werden.

Gab es so etwas wie einen "schlimmsten" Moment?
Was mir nach all den Jahren noch weh tut, ist das Scheitern der zwei geplanten Windräder. Das Ganze sollte ein Bürgerbeteiligungsprojekt werden, das sehr gut angelaufen ist. Aber dann sind die Abstandsrichtlinien der Windräder zu den Anrainern von 500 auf 800 Meter geändert worden. Für eine Gemeinde mit 22 Ortschaften der Todesstoß.

Sie erlitten im Dezember 2015, rund zwei Monate nach ihrer damaligen Wiederwahl, einen Schlaganfall. Hatten Sie da nie den Gedanken, aufzuhören?

Wäre mir das in meiner ersten Bürgermeisterperiode passiert, dann hätte ich aufhören müssen. Aber in der dritten hat man so viel Routine und Wissen über das Gemeindewesen, dass man das schafft. Seelisch war ich schon eine gewisse Zeit am Boden zerstört. Vor allem wenn man sich klar macht, dass nicht mehr alles 100-prozentig funktionieren wird. Aber ich bin eigentlich nie wirklich außer Gefecht gewesen, weil ich mit Unterstützung des Amtsleiters die Geschäfte sogar im Spital weiter geführt habe.

Nach so einem Schicksalsschlag überdenken viele Menschen ihr Leben. Und Sie?
Ich habe überhaupt nichts verändert in meinem Leben oder dann anders gemacht. 

Aus heutiger Sicht, würden Sie als Bürgermeister etwas anders machen?
Ich bin in manchen Sachen viel zu rasch vorgegangen und habe dadurch meine Fraktion hin und wieder überrumpelt.

Sie hinterlassen Ihrem Nachfolger Thomas Ahörndl ein positives Budget. Das sah lange ganz anders aus oder? 
Ja, bis 2018 waren wir eine Abgangsgemeinde und erst seit zwei Jahren sind wir aus dieser Misere heraußen. 

Warum hat das solange gedauert?
Wir haben in der Vergangenheit narrisch viel investiert. Das galt es eben, zurückzuzahlen. Parallel dazu sind in den vergangenen Jahren die Kommunalsteuer-Einnahmen gestiegen. Als ich 2003 angefangen habe, waren es 72.000 Euro – heute sind es 472.000 Euro.

Was wird Ihre letzte Amtshandlung sein?
(Lacht). Da der 16. ein Montag ist, werde ich eben die Woche bereits am Montag ausklingen lassen und mit den Bediensteten ein Glas Sekt trinken.

Auf was freuen Sie sich nach dem 16. März am meisten? 
Auf mehr Familienleben und auf Aktivitäten mit meinen elf Enkelkindern.

Und welchen guten Rat haben Sie für Ihren Nachfolger?
Als ich 2003 angetreten bin, hat mein Vorgänger zu mir gemeint, ich soll meine eigenen Spuren hinterlassen. Das kann ich so nur weitergeben.

Autor:

David Ebner aus Schärding

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