09.10.2014, 08:47 Uhr

Durch gekippte Fenster steigen sie ein

(Foto: Bezirkspolizeikommando)

Werden die Tage kürzer, schleichen Einbrecher durch die Siedlungen – wie erst am Samstag in St. Florian.

BEZIRK (kpr). Der Unbekannte gelangte durch ein gekipptes Küchenfenster ins Haus, durchsuchte die Räume und wurde laut Polizei im Schlafzimmer fündig: Mit Goldschmuck und Bargeld in der Tasche floh der Täter aus dem Wohnhaus. Als sie heimkamen, bemerkten die Bewohner, dass sie Opfer eines Raubes geworden waren.

Mit Einbrechern wie diesem, der am Samstagnachmittag in St. Florian zugeschlagen hat (hier geht's zum Bericht), haben es die Polizeibeamten des Bezirks häufig zu tun – rund 150 Mal im Jahr. Erwin Eilmannsberger, Chefinspektor und Kriminalreferent des Bezirkspolizeikommandos Schärding: "Die Tendenz ist im Laufe der vergangenen Jahre ständig im Steigen begriffen." Vor allem Dämmerungseinbrüche – jene, die im Zeitraum von November bis März verübt werden – haben die Beamten immer häufiger zu bearbeiten. Eilmannsberger spricht von 15 bis 20 solcher Dämmerungs-Wohnungsraubzüge pro "Einbruchssaison".

"Meist zeichnen dafür international agierende Tätergruppen verantwortlich", erklärt der Chefinspektor. Die Masche sei immer die gleiche: "Die Täter kundschaften tagsüber Objekte in offensichtlich wohl begüterten Siedlungen aus und schlagen im Schutz der Dämmerung – noch bevor die Besitzer zu Hause sind – zu." Vorwiegend geschehe dies zwischen 17 und 21 Uhr. In dieser Zeit können die Täter aufgrund von Beleuchtung oder anderen Hinweisen feststellen, ob jemand zu Hause ist. Auch im Visier der Räuber sind Häuser, die "verlassen" aussehen. "Volle Briefkästen und heruntergelassene Rollos signalisieren, dass die Eigentümer im Urlaub sind", warnt der Chefinspektor. In die Wohnräume dringen Einbrecher schließlich meist durch ebenerdig gelegene und von der Straße nicht einsehbare Terrassentüren ein – ein Fluchtauto wartet fahrbereit. Die bevorzugte Beute der dreisten Diebe: "Leicht verstau- und transportierbare Güter, wie Geld und insbesondere Schmuck oder Münzsammlungen", erkärt Eilmannsberger.

"Keine Heldentaten"

Dass aufgrund der Dämmerungseinbrüche ein mulmiges Gefühl im Bezirk herrscht, bestätigen die Facebook-Kommentare zum Bericht über den Einbruch in St. Florian. Verena Lang aus Diersbach schreibt: "Bei uns wird beinahe täglich zu den verschiedensten Zeiten mit unterdrückter Nummer angerufen. Es meldet sich aber niemand. Da wird sicher getestet, ob jemand zuhause ist." Nun sind die Diersbacherin und ihre Familie auf der Hut: "Wir schauen, dass alle Türen und Fenster fest verschlossen sind und haben überall Bewegungsmelder", sagt sie zur BezirksRundschau. Im Falle eines Einbruchs rät Kriminal-experte Eilmannsberger: "Keine Heldentaten vollbringen". Wird Verdächtiges entdeckt, sollte dies umgehend der nächsten Polizeiinspektion unter der Notrufnummer 133 gemeldet werden. Bedenklich sei etwa, wenn tagsüber nicht zu einer Siedlung gehörende Personen oder Fahrzeuge auftauchen. "Die Klärung solcher Einbruchs-Straftaten erfolgt kaum zeitnah", erklärt der Chefinspektor. Erst durch Spurengewinnung und entsprechende Abgleiche könne eine hohe Erfolgsquote erzielt werden.


So schützen Sie sich

Tipps zum Schutz vor Dämmerungseinbrechern vom Kriminalreferat und der Kriminalprävention der Polizeiinspektion Münzkirchen:
Gekippte Fenster sind offene Fenster: Diese vor dem Weggehen immer schließen.
Heruntergelassene Rolläden bieten bereits den ersten Schutz vor Einbrüchen.
Einbrecher scheuen Licht: Bewegungsmelder im Außenbereich anbringen; mit Zeitschaltuhren für Licht im Haus sorgen oder das Licht eingeschaltet lassen, wenn niemand zu Hause ist.
Türen verschließen: Mehrfachverriegelung nutzen; Fenster und Terrassentüren mit absperrbaren Griffen ausrüsten oder zusätzliche Verriegelung anbringen.
Leitern, Werkzeuge oder anderes Material nicht im Freien liegen lassen.
Bei längerer Abwesenheit die Nachbarn ersuchen, regelmäßig den Briefkasten zu leeren.
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