Forum Anthropozän 2019
Forderung nach Trendwende in Umweltpolitik

Beim Forum Anthropozän in Mallnitz: Landeshauptmann Peter Kaiser, Bakyt Dzhusupov, Christine Muttonen
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  • Beim Forum Anthropozän in Mallnitz: Landeshauptmann Peter Kaiser, Bakyt Dzhusupov, Christine Muttonen
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MALLNITZ. Das Forum Anthropozän 2019 widmete sich der Frage „Kann Natur die Menschheit retten?“ Die Forderungen nach einer Trendwende in der Umweltpolitik und konkreten Schritten zur Einleitung einer Transformation durch einen Schulterschluss von Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft waren die Kernbotschaften der Veranstaltung.

Fokus auf Bildung

Das Forum, das unter dem Ehrenschutz des Kärntner Landeshauptmanns Peter Kaiser stand, legte heuer im Nationalpark Hohe Tauern einen Fokus auf Bildung im Anthropozän, Smart Cities und Smart Regions sowie energieautarkes Leben und Arbeiten im ländlichen Raum. Die in Arbeitskreisen entworfenen Projektideen sollen mit finanzieller Unterstützung des KLAR!-Programms fortgeführt werden. Die Veranstaltung wurde organisiert und durchgeführt von der Initiative ProMÖLLTAL | ARGE Alpine Nature Campus, dem Nationalpark Hohe Tauern Kärnten, der Nationalparkgemeinde Mallnitz und dem Universitäts.club | Wissenschaftsverein Kärnten.

Bewusstsein in Klimakrise

Im von Fritz Habekuss moderierten ZEIT-Gespräch diskutierten Kärnten-Landeshauptmann Peter Kaiser, Klimaforscherin Helga Kromp-Kolb, Lukas Ott, Leiter der Kantons- und Stadtentwicklung Basel-Stadt, Eva Horn vom Vienna Anthropocene Network, Carmen Sippl von der Pädagogischen Hochschule Niederösterreich und Philosoph Christian Illies die Dringlichkeit einer Bewusstseinsbildung zum Thema Klimakrise und die dafür notwendige Systemtransformation. Eine rasche Trendwende könne verhindern, dass exponentielle Prozesse in Gang gesetzt werden, die für Mensch und Natur unabsehbare Folgen hätten.

Beschleunigte Erderwärmung

Meeresbiologin Antje Boetius erklärte in einem beeindrucken Vortrag, dass die beschleunigte Erderwärmung nicht nur Prozesse in Gang setzen würde, die wir Menschen durch unser Handeln ausgelöst haben. Es würden sich durch die Auflösung des Permafrostes auch die noch gebundenen Schadstoffe vergangener „Altlasten von früheren Klimaveränderungen“ in diese Prozesse einspeisen. Diese Verstärkung von Dynamiken sei in ihren Auswirkungen weitgehend unvorhersehbar, würden jedoch mit großer Wahrscheinlichkeit zu Extremen führen, für die wir heute noch keine adäquaten Lösungen hätten. Boetius appellierte eindringlich, diese in Wissenschaftskreisen gesetzten zehn Jahre als Gradmesser unserer noch verbleibenden Chance auf Gestaltung zu sehen.

Sach-Infos und positive Impulse

Carmen Sippl empfiehlt, vor allem bei SchülerInnen eine Bewusstseinsbildung nicht durch Angstmacherei zu bewerkstelligen. Das führe bei SchülerInnen nur zu Verdrängung. Es bräuchte Sach-Infos und positive Impulse mit Mut zur Mitverantwortung, um die Gesellschaft zu verändern und die Zukunft selbst anpacken zu wollen.

China als Mitgestalter

Vom internationalen Interesse am Thema Anthropozän zeugte die Anwesenheit des Kirgisistan-Botschafters, Bakyt Dzhusupov, Liu Chang vom Botschaftsrat der chinesischen Botschaft und Li Li, Vertreter des Insitute of Earth Environment in China. Li Li hält die rasante Geschwindigkeit der Veränderungen für des zentrale Problem. China sieht er als einen der Mitgestalter von Lösungen, wobei es dazu ein hohes Ausmaß an Informationen und an Kooperationen mit anderen Ländern brauche.

Programm für Kids

Im Rahmen des Forums Anthropozän 2019 erwartete die Kinder und Jugendlichen eine erlebnisreiche Zeit, in der sie Abenteuer erlebten und von erfahrenen Nationalpark-Rangern sowie der Künstlerin Eva Flatscher begleitet wurden. Spannende Naturphänomene in den „rangerlabs“ erforschen, Wandern im Seebachtal, den Nationalpark Indoor erkunden sowie die Teilnahme an einem Kunstworkshop waren Fixpunkte dieses Programms.
Am Schlusstag des Forums beeindruckte die achtjährige Marie Truskaller auf der großen Bühne mit ihrer selbst verfassten Geschichte „Klima oder Ende oder doch?“, in der sie beschreibt, dass sie froh sei, die rote Waldameise noch im Nationalpark gefunden zu haben, denn wenn sie nicht mehr wäre, hätte sich der vom Menschen beeinflusste Klimawandel durchgesetzt. Sie und andere Kinder hoffen sehr, dass bald „Alarmstufe Grün“ ausgerufen werde, denn sonst wäre der Lebensraum der Pflanzen und Tiere zerstört. Marie hatte zudem ein paar Lösungsvorschläge für das hochkarätige Publikum parat: „Geht zu Fuß, wenn es möglich ist und nehmt bei längeren Strecken das Fahrrad und nicht das Auto“.

Weitere Informationen gibt es unter www.forum-anthropozaen.com.

Zum Forum Anthropozän:

Das Forum Anthropozän geht seit 2018 interdisziplinär der Frage nach, wie sich Menschen wieder verstärkt als Einheit mit der Natur verstehen und erleben können und wie Innovationen eine nachhaltige Entwicklung fördern kann und wie der globale Wandel auch als Chance für eine bewusste Gestaltung der künftigen Erde betrachtet werden kann. Weitere Informationen gibt es unter www.forum-anthropozaen.com.
Die Diagnose des „Anthropozäns“ geht von der Beobachtung aus, dass die Oberfläche der Erde, und damit auch die Lebensbedingungen für Flora und Fauna, durch die Handlungen von Menschen global rasant und in sehr großem Stil verändert werden. Inspiriert zu einem neuen Blick auf die Erde als Lebensraum, stellt das Anthropozän die Menschheit vor ganz neue Verantwortlichkeiten.
Der Begriff Anthropozän (Anthropos = Mensch / Zän = Erdzeitalter) bezeichnet den Eintritt in eine neue, vom Menschen geprägte Epoche der Erdgeschichte. Er wurde 2002 von dem Atmosphärenchemiker und Nobelpreisträger Paul J. Crutzen in den wissenschaftlichen Diskurs eingeführt.

Autor:

Verena Niedermüller aus Spittal

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