17.10.2014, 09:00 Uhr

"Den Bürgern ist die Lust vergangen"

Günter Krammer ist für die anstehende Gemeinderatswahl guter Dinge, dass die Grünen aufholen werden (Foto: KK)

Günter Krammer, Bezirkssprecher der Grünen, im WOCHE-Interview zur kommenden Gemeinderatswahl und zum Mölltaler Gletscher.

WOCHE: Die Grünen in Kärnten haben bei der vergangenen GR-Wahl 2009 auf Landesebene 3,3 Prozent erreicht, im Bezirk nur 0,98 Prozent. Stärker im Lurnfeld mit 6,8 Prozent, in Mallnitz 6,9 Prozent, Spittal 3,7. Wie sieht ihre Prognose für die kommende Wahl aus?
Wo wir Grünen angetreten sind, sind wir auch in den Gemeinderat eingezogen. Weil es leider gerade im Bezirk Spittal nicht einfach war, ein engagiertes grünes Team in allen Gemeinden zu finden, haben wir mit unserer Kampagne „Grün Sucht Dich“ versucht, die Menschen im Bezirk anzusprechen und auch zu zeigen: Politik ist nicht langweilig, Politik bedeutet nicht, alles im Hinterzimmer zu entscheiden. Wir haben nämlich oft die Rückmeldung bekommen, dass vielen Bürgern die Lust, sich zu engagieren, vergangen ist, weil sie den Eindruck hatten, dass Gemeindepolitik sehr intransparent ist.

Ihre Fraktion sucht per Plakat Menschen, die als Gemeinderäte kandidieren wollen. Ist es schwierig, geeignete Kandidaten zu finden? Sind die Menschen der Politik überdrüssig?
Im Gegenteil, die Menschen, mit denen wir gesprochen haben, wollen sich beteiligen. Gemeindepolitik hat ja direkt mit uns allen zu tun. Viele stößt allerdings – siehe vorhin – eine Politik des Mauschelns im Hinterzimmer ab. Wir Grünen bringen Transparenz – und das wird geschätzt, da macht man auch gern mit.

In Millstatt wollen die Grünen mit Judith Oberzaucher erstmals in den Gemeinderat einziehen. Welche Schwierigkeiten wird man hier zu überwinden haben, sollte es gelingen? Immerhin ist dann ein neuer Player im Spiel....
Ich denke, Judith Oberzaucher hat realistische Chancen, erste Grüne Bürgermeisterin zu werden. Ihre Arbeit ist beispielhaft dafür, wie man Bürgerbeteiligung und Transparenz in einer Gemeinde zum Thema macht. Immerhin geht es da um viel Geld, um die Zukunft! Das geht jede und jeden aus der Gemeinde was an!

Welche Themen sind Ihnen wichtig? Was braucht die Region?
Der Bezirk hätte die Voraussetzungen dafür, ökologische Modellregion zu werden, mit sanftem Tourismus. Dafür gibt es bereits erfolgreiche Beispiele. Die Förderung und der Abbau von bürokratischen Hürden für Klein- und Mittelbetriebe ist ein weiteres Anliegen – wichtig ist es, hochqualitative Jobs in die Region zu bringen, keine billigen Saisonarbeitsplätze. Hier ist auch die Wirtschaftskammer gefordert, endlich ein schlüssiges Konzept zu entwickeln, statt die eingenommenen Zwangsgebühren in erster Linie zur Unterstützung von Großunternehmern auszugeben. Außerdem brauchen wir alles, was die Lebensqualität im Bezirk erhöht: Ein breiteres Kulturangebot, das auch Jugendliche anspricht, eine bessere Infrastruktur für Senioren. Da gibt es viel zu machen.

Wird es im Lurnfeld einen Grünen Bürgermeisterkandidaten geben?
Das steht noch nicht fest. Wir werden das im Laufe des Oktobers entscheiden und ein Team für Lurnfeld zusammenzustellen.

Was muss ein Bürgermeister Ihrer Meinung nach mitbringen, welche Eigenschaften sollte er haben?
Zuhören! Die Anliegen der Bürger ernst nehmen. Ein hohes Maß an sozialer Kompetenz.

Was fordern Sie von der Landespolitik?
Die Zukunftskoalition ist auf einen guten Weg, aber die ÖVP bremst regelmäßig und macht das Zusammenarbeiten schwierig. Diese Alleingänge müssen aufhören, wir können Kärnten nach dem blauen Desaster auf einen guten Weg bringen.

Stichwort Mölltaler Gletscher. Nun hat es eine Einigung gegeben, ein zweistufiges Verfahren anzugehen. Die Behörde prüft die Realisierbarkeit einer Aufstiegshilfe sowie der Abfahrtspiste, wenn das positiv beurteilt wurde, die Schiroute durch die Innerfragant. Was halten Sie von dieser Lösung?
Es muss alles korrekt ablaufen und es darf keine Anlassgesetzgebung für die Investoren geben, gleiches Recht für alle. Naturschutz muss ernst genommen werden, wir dürfen unsere Idyllen nicht für den Profit Einzelner zerstören. Die Menschen, die ihre Ferien bei uns verbringen, kommen, weil es hier so schön ist und die Natur im großen Maße noch ursprünglich und unzerstört ist.

Warum sollte man den Grünen die Stimme geben?
Weil die Grünen die einzigen sind, die sich aufrichtig für eine ehrliche und saubere Poltik einsetzen. Wir wollen die Gemeindepoltik zurückbringen zu den Bürgern, von denen viele das Gefühl haben, die Demokratie funktioniert nicht mehr. Transparenz und Bürgerbeteiligung dürfen nicht nur Lippenbekenntnisse sein, sondern müssen gelebt werden. Dafür stehen wir.
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