25 Jahre Gerichtsreporterin
Ilse Probst verwebt grausamen Fall in einen Roman
- Ilse Probst präsentiert ihren Roman "In den Fängen des Grauens" im Schwurgericht St. Pölten.
- Foto: Tanja Handlfinger
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Gerichtsreporterin Ilse Probst hat 25 Jahre lang um die 4.000 Fälle am Landesgericht St. Pölten mitverfolgt und darüber berichtet. Jetzt präsentierte sie ihren ersten Roman „In den Fängen des Grauens“ im Schwurgerichtssaal.
ST. PÖLTEN/NÖ. Wenn man, wie Ilse Probst, fast ein Vierteljahrhundert aus dem Gericht berichtet, hat man sehr viel erlebt und zu erzählen. Für ihren Roman „In den Fängen des Grauens“ dient ein besonders grausamer Fall als Vorlage. Ein Fall, der in jedem Gerichtssaal verhandelt wurde, in dem sie jetzt ihr Buch präsentieren durfte, dem Schwurgerichtssaal. Nur geladene Gäste konnten diese außergewöhnliche Lesung mitverfolgen.
- Ein imposanter Platz für eine Lesung: der Schwurgerichtssaal in St. Pölten.
- Foto: Lauren Fahrenberger / MeinBezirk
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„Es ist gewöhnungsbedürftig, erstmals in die andere Richtung des Gerichtssaals zu blicken, als in den letzten 25 Jahren“, lachte Probst, auf der Anklagebank mitten im Saal. Normal sitzen hier die Beschuldigten und warten auf ihr Urteil. „Ich muss sagen, ich war positiv überrascht, als ich die Zusage seitens des Gerichts bekommen habe, mein Buch hier präsentieren zu dürfen.“
Die Idee zum Roman
Warum sie genau über diesen einen Fall schreibt, erklärt Ilse Probst bei der Präsentation so: „Ich habe hier sehr viele Prozesse miterlebt und es war nicht immer einfach, danach nach Hause zu gehen. Dann kam der Prozess Josef Fritzl.“ Der sei schon hart gewesen. Doch dann kam dieser eine Fall. „Zunächst war es einer von vielen tragischen Missbrauchsprozessen. Aber danach wurde ich von Angehörigen angesprochen und habe Hintergründe zu der Familientragödie erfahren, die ich so noch nie gehört hatte. Fünf Jahre lang habe ich an dem Fall recherchiert und eine der absolut schwärzesten Seiten der Menschen kennengelernt“, erzählt sie weiter. Alle haben sich diese eine Frage gestellt: „Wie kann es sein, dass so ein Fall jahrzehntelang nicht auffällt?“
Der Roman – darum geht es
„In den Fängen des Grauens“ geht es um eine Großfamilie, die überwiegend durch Gewalt und Angst zum Schweigen gebracht wurde. „Es ist bildungsmäßig eine einfach gestrickte Familie. Generationen der Familie konnten teilweise nicht lesen und schreiben. In jeder Generation dieser Familie gab es ein Familienoberhaupt. Diesem war die Familie komplett ausgesetzt. Der Protagonist des Romans hat keine Skrupel, weder in Bezug auf Gewalt noch auf sexuelle Übergriffe“, erzählt die Autorin. Er hat kaum gearbeitet, aber trotzdem Reichtum angesammelt. „Er machte, was er wollte, und nahm sich, was er wollte.“
- Thomas Köpf, Inhaber des Verlages Edition Platin spricht mit Autorin Ilse Probst über ihren Roman „In den Fängen des Grauens“.
- Foto: Lauren Fahrenberger / MeinBezirk
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Die Handlung dreht sich um die Lebensgefährtin des Familienoberhaupts, Eva, die verschwunden ist. Ein naives junges Mädchen, das von ihm umgarnt und schwanger wurde. Bald darauf hatte er begonnen, mit seiner brutalen Art mit ihr umzugehen. Jahrzehnte nach dem Verschwinden von Eva vermutete ein Geschwisterpaar, dass Bruno Eva „umgebracht“ hat. „Erst dadurch kamen die Ermittlungen so richtig in Gang und viele andere Dinge wurden aufgedeckt, die schließlich zum Prozess führten." Durch die Aufarbeitung zeigte sich, was für eine unüberschaubare, weitverzweigte Großfamilie hier werkte.
In dem Roman kommt auch eine Reporterin vor. In diesen Charakter hat Probst 80 Prozent von sich selbst einfließen lassen. „Ich habe mich sehr daran orientiert, was ich bei dem Prozess selbst erlebt und gesehen habe.“
Fiktion und Realität fließen ineinander
Der Roman bietet einen Schluss unter Verschluss, der dem Buch beigelegt ist. Also ein Kapitel zum Herausnehmen. Denn im Grunde kann jeder sein eigenes Ende schreiben: "Für das letzte Kapitel habe ich mir sehr viel Zeit gelassen, weil ich nach wie vor auf Antworten warte. Daher habe ich einen eigenen Schluss geschrieben. Sollte sich in der Realität noch etwas anderes ergeben, kann man diesen umschreiben."
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