Tragischer Fund
St. Pöltnerin entdeckte Toten, schockiert Passanten-Gleichgültigkeit
- Susi S. wurde von ihrem Vierbeiner zu dem am Boden liegenden Mann geführt. Dort setzte sich der Hund ruhig neben den Toten hin.
- Foto: Tanja Handlfinger
- hochgeladen von Tanja Handlfinger
Eine St. Pöltnerin entdeckte nahe dem Spital einen Toten. Sie kritisiert, dass Passanten einfach weitergingen.
ST. PÖLTEN. Es ist kurz vor halb sieben abends, es regnet. Susi S. (Name von der Redaktion geändert) geht in der Nähe des Krankenhauses St. Pölten eine Gassirunde mit ihrem Hund. Diesmal nimmt sie aufgrund des Wetters eine andere Strecke als sonst.
Leiche gefunden
"Mein Hund ist sehr entspannt, er zieht nie an der Leine. Doch diesmal hat er mich energisch in Richtung Büsche gezogen. Dort sah ich zuerst nur Müll", erzählt Susi S. Nachdem ihr Vierbeiner nicht aufhörte, in diese Richtung zu ziehen, ging sie der Fährte nach und entdeckte schließlich einen Obdachlosen. "Zuerst sah es so aus, als ob er schlafen würde." Nachdem er nicht reagierte, wählte sie die Rettung. "Diese wies mich an, jemand Zweiten und Dritten hinzuzuholen. Ich bin panisch über die Straße gelaufen und hatte einen Passanten um Hilfe gefragt. Dieser meinte, dass es nicht gehe und ging weiter. Das hat mich schockiert." Kurz darauf bat sie eine Dame um Hilfe, sie war eine Krankenschwester des Krankenhauses. "Sie ging sofort mit mir zu dem Mann." Zufällig ist eine Polizeistreife vorbeigefahren und hat gefragt, was passiert sei. Vom Fund bis zum Eintreffen der Rettung vergingen keine zehn Minuten. "Ich habe nur geheult. Ich habe noch nie eine Leiche gesehen. Ich stand unter Schock. Es hat mich schockiert, dass keiner stehen geblieben ist und Hilfe angeboten hat. Ich bin sehr dankbar, dass die Krankenschwester geholfen hat", schildert sie weiter. "Ich glaube, dass vielen Menschen nicht bewusst ist, dass man verpflichtet ist, Erste Hilfe zu leisten."
Zivilcourage
„In diesem Fall sind Menschen einfach vorbeigegangen. Viele Menschen glauben, Obdachlose sind betrunken und kümmern sich nicht. Man muss aber wirklich sagen, dass es immer wieder Fälle gibt, wo medizinische Hilfe benötigt wird. Dass man einfach an einer Person, die am Boden liegt, vorbeigeht und sie liegen lässt – das kann es nicht sein", so Stadtpolizeikommandant Franz Bäuchler. "Wenn man sich selbst nicht hintraut, dann ist es das Mindeste, die Polizei oder die Rettung zu rufen." Die Person ist eines natürlichen Todes verstorben.
Thema Freiwilligkeit
Auf die Frage, ob es eine zunehmende Gleichgültigkeit gegenüber obdachlosen Menschen in St. Pölten gebe, antwortet Birgit Hinterhofer, Leiterin Emmaus St. Pölten : "Die Hemmschwelle, jemanden anzusprechen, wird immer größer. Die Menschen haben Angst, dass die Person aggressiv oder betrunken sein könnte. Nicht jeder Obdachlose ist Alkoholiker. Es gibt viele, die sich bewusst für diese Lebensweise entschieden haben. "Es gibt Obdachlose, die keine Hilfe wollen und das muss man akzeptieren."
Notrufnummern
Wir haben alle wichtigen Telefonnummern und Anlaufstellen hier zusammengefasst.
- Frauen-Notschlafstelle
Stephan Buger-Gasse 13, 0676/88644582; geöffnet von 19 bis 7 Uhr; ein Wohnheim für obdachlose und/oder psychisch kranke Frauen.
- Notschlafstelle Auffangnetz
Kunrathstraße 33, 0676/88644750, geöffnet von 19 bis 7 Uhr
- Jugendnotschlafstelle COMePASS
Mühlweg 26, 3100 St. Pölten, 0676/88644740, geöffnet von 19 bis 9 Uhr; eine Jugendnotschlafstelle für obdachlose Jugendliche und junge Erwachsene von 14 - 25 Jahren.
- Tageszentrum Kalvarienberg
Kalvarienberg 1, geöffnet von 9 bis 19 Uhr, 0676/88644702; im Tageszentrum werden tagsüber die Grundbedürfnisse von armutsgefährdeten und/oder bereits obdachlos gewordenen volljährigen Männern und Frauen abgedeckt: warmes Essen, ein Dach über dem Kopf, ein sicherer Ort zum Verweilen, saubere Kleidung und einfachste Körperpflege. Dabei unterstützen zwei bis drei Zivildiener die hauptamtlichen Mitarbeiter.
- Frauen-Tageszentrum Café Emma
Stephan Buger-Gasse 13, 3100 St. Pölten, geöffnet von 11 bis 19 Uhr, 0676/88644582
Notrufnummern
- Euro-Notruf 112
- Polizei 133
- Ärztenotdienst 141
- Telefonseelsorge 142
- Rettung 144
- Notrufdienst für Kinder und Jugendliche 147
- Vergiftungszentrale 01/4064343
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