Regionale Unternehmer zu Dienstgeberbeitrag
"Maßnahme reicht noch lange nicht aus"
- MeinBezirk befragte regionale Unternehmer, was sie von der geplanten Senkung des Dienstgeberbeitrages halten.
- Foto: Zotter GmbH / MeinBezirk
- hochgeladen von Astrid Siebert
Senkung des Dienstgeberbeitrags eine Entlastung? Unternehmer sind skeptisch und sehen Handlungsbedarf.
BEZIRK ST. VEIT. Ab 2028 soll der Dienstgeberbeitrag von 3,7 auf 2,7 Prozent sinken. Die Bundesregierung verspricht sich davon eine spürbare Entlastung der Unternehmen und positive Impulse für Beschäftigung und den Wirtschaftsstandort. MeinBezirk hat nachgefragt, was Unternehmer aus der Region dazu sagen.
Was sind Lohnnebenkosten?
Über Lohnnebenkosten wird derzeit viel diskutiert – doch was steckt eigentlich dahinter? Lohnnebenkosten sind jene Abgaben, die Arbeitgeber zusätzlich zum Bruttolohn ihrer Beschäftigten leisten. Dazu zählen unter anderem Beiträge zur Sozialversicherung sowie der Dienstgeberbeitrag zum Familienlastenausgleichsfonds (FLAF). Ab dem Jahr 2028 soll dieser Dienstgeberbeitrag um einen Prozentpunkt sinken. Nach Angaben der Wirtschaftskammer würde dies die österreichischen Unternehmen insgesamt um rund zwei Milliarden Euro jährlich entlasten. Kritiker verweisen darauf, dass Unternehmen in den vergangenen Jahren mit zahlreichen Kostensteigerungen konfrontiert waren und eine Senkung um einen Prozentpunkt daher nur ein erster Schritt sei.
- Bei Zotter Bad in Friesach begrüßt man die Senkung, "aber das ist nur ein erster Schritt".
- Foto: Zotter GmbH
- hochgeladen von Astrid Siebert
"Nur ein erster Schritt"
Selina Zotter, Geschäftsführerin bei Bad & Engergie Zotter in Friesach, begrüßt als Unternehmerin im Handwerk jede Maßnahme, die Betriebe entlastet. Für sie ist die Senkung des Dienstgeberbeitrags ein positives Signal, "denn unsere Mitarbeiter sind unser wichtigstes Kapital." Allerdings ortet sie auch andere Probleme, die langfristig angegangen werden müssen: "Jede Entlastung hilft uns dabei, in Arbeitsplätze, Lehrlinge und die Qualität unserer Leistungen zu investieren. Gleichzeitig darf das nur ein erster Schritt sein. Für viele Handwerksbetriebe sind die hohen Lohnnebenkosten, die Bürokratie und die ständig steigenden Kosten eine große Herausforderung. Wer möchte, dass Unternehmen wachsen, ausbilden und Arbeitsplätze schaffen, muss ihnen dafür auch die notwendigen Rahmenbedingungen geben. Wir Unternehmer wollen arbeiten, investieren und Verantwortung übernehmen – dafür brauchen wir aber faire und langfristig verlässliche Bedingungen."
- Der St. Veiter Architekt Stefan Kogler spart nicht mit Kritik.
- Foto: MeinBezirk.at/Astrid Siebert
- hochgeladen von Astrid Siebert
"Besser nichts als das"
Der St. Veiter Stefan Kogler beschäftigt in seinem Architekturbüro zehn Mitarbeiter. Auf die geplante Senkung des Dienstgeberbeitrage reagiert er mit großem Misstrauen: "Meiner Meinung nach sollten langfristig intelligente Maßnahmen getroffen werden und nicht solche Wahlzuckerl. Ein Prozent Senkung des Dienstgeberbeitrages macht bei Lohnnebenkosten, die in Summe rund 45 Prozent des Lohnes ausmachen, zu wenig aus. Das ist lächerlich." Europäische Unternehmer würden nicht gestärkt werden, um dem internationalen Wettlauf standhalten zu können. Nach einem beruflichen Aufenthalt in China betont Kogler geradezu schockiert: "China hat zweistellige Zuwachsraten, Vollbeschäftigung und viel geringere Lohnnebenkosten. Die Politik wird in Europa anders reagieren müssen. Man spürt das schon jetzt. Unternehmer bauen Mitarbeiter ab, Produktionen werden geschlossen oder ausgelagert. Es wird versucht, möglichst vieles durch KI zu ersetzen." Vorallem in der Bauindustrie, Österreichs größtem Geschäftszweig, sieht er keinen Sinn hinter den geplanten Maßnahmen - "eher eine Zerstörung des Wirtschaftsstandorts Österreich, wenn nicht langfristig reagiert wird."
Entlastung ja – aber reicht sie?
Dass die Senkung des Dienstgeberbeitrags ab 2028 für viele Unternehmen eine finanzielle Entlastung bringen kann, steht außer Frage. Ob sie jedoch ausreicht, um Beschäftigung langfristig zu fördern und den Wirtschaftsstandort nachhaltig zu stärken, darüber gehen die Meinungen auseinander. Während die Bundesregierung und die Wirtschaftskammer darin einen wichtigen Schritt sehen, wünschen sich die Unternehmer weitergehende Maßnahmen.
Weitere Beiträge aus der Region
Du willst eigene Beiträge veröffentlichen?
Du möchtest kommentieren?
Du möchtest zur Diskussion beitragen? Melde Dich an, um Kommentare zu verfassen.