Störibrot anschneiden am Stefanitag- Brauchtumspflege die auch den Jungen Spaß macht

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Ein beliebter Brauch, der im ländlichen Raum in ganz Oberösterreich bekannt ist, ist das Störibrot Anschneiden am Stefanitag, dem 26. Dezember. Zahlreiche Burschengruppen nutzen an diesem Tag die Gelegenheit um den Mädchen ihre Aufwartung zu machen, sie bei Spiel und Spaß in ungezwungener Atmosphäre näher kennen zu lernen und sich gleich auch noch ein Bild von Familie und Umfeld zu machen. Als Faustregel gilt: je aktiver ein Mädchen im Vereinsleben und beim Fortgehen ist, desto mehr Besuch darf sie an diesem Tag erwarten. Dabei nehmen die Burschen oft lange Wegstrecken auf sich, kommen in mehreren Bezirken herum.

Stand vor 20 Jahren noch das Besuchen der Mädchen an sich im Mittelpunkt, so wird heute wieder verstärkt auf altes Brauchtum gehalten. Wie das Störibrot Anschneiden abzulaufen hat, unterliegt genauen Regeln. "Wenn das Mädchen die Haustüre öffnet, kommen sie vorerst herein, ohne den Grund ihres Besuches zu nennen", erzählt die Datenbank- & Jugendreferentin der Landjugend Sierning-Schiedlberg, Silvia Eisenhuber. Aber sie geben dem Mädchen die Hand und sagen dabei ihren Hofnamen, den sich das Mädchen wiederum merken muss."

In der Stube bringt das Dirndl dann die Störi - hierbei handelt es sich meist um Kletztenbrot oder einen Brioche-Laib - und die Burschen zeigen ihr Messer her. Hat einer keines mit, muss er ein Schnapserl trinken. „Autofahrer sind streng ausgenommen“, betont die Jugendreferentin. Mit selbstgemachtem Schnaps oder Likör wurde früher im bäuerlichen Bereich auf besondere Ereignisse angestoßen, man kredenzte ihn gern gesehenen Besuchern. Diese traditionelle Verwendung lebt auch im Störibrot Anschneiden wieder auf.

So funktioniert's
"Nun muss das Mädchen beweisen, dass es sich die Hofnamen der Burschen auch gemerkt hat" erzählt Silvia Eisenhuber weiter. "Dann bestimmt sie den Burschen, der das Störibrot anschneiden darf. Dazu zieht sie eine Schürze an, denn der Bursch muss das Störibrot so anschneiden, dass der Scherz in die aufgehaltene Schürze hineinfällt".

Danach wird's spannend, denn der Scherz muss so klein sein, dass er in einer Zündholzschachtel Platz findet. Der Laib muss auf der Anschnittstelle stehen bleiben. Als erschwerte Bedingung wird noch das Messer auf den Scherz gelegt und ein volles Schnapsstamperl auf das Messer gestellt. "In Sierning wird das Messer zum "Austarieren" seitlich in die Störi gesteckt", erzählt Brauchtumsreferent Daniel Schedlberger.

Liebesbarometer Störi-Scherzerl
Ist der Anschnitt vollbracht, wird das Zündholzschachterl vom Dirndl in der Küche in Geschenkspapier gepackt und verschnürt. Ist es dem Burschen wohl gesonnen, so befindet sich in der Zündholzschachtel auch wirklich das Störi-Scherzerl. Ist aber eine Kartoffelschale oder ein Stein darin, so will sie vom Anschneider nichts weiter wissen. Ein leeres Schachterl bedeutet Unentschlossenheit. Am Ende des Besuches hängt sie ihr "Packerl" dem Anschneider um den Hals. Findet dieser zu Hause den Störi-Scherz darin, darf er das Mädchen beim nächsten Rudenkirtag auf ein Getränk einladen. In der Region um Adlwang kauft der Bursch dem Mädchen einen "Kirta'" - also eine kleine Aufmerksamkeit vom Adlwanger Kirtag, und bringt sie dem Mädchen ins Haus.

Obwohl dieser charmante Brauch in weiten Teilen Oberösterreichs verbreitet ist, ist er im Ennstal von Losenstein einwärts nicht mehr bekannt. Allerdings kennt man auch dort das Sprücherl: "Erst wenn du 7 verschiedene Sorten Kletzenbrot gegessen hast, darfst du heiraten".

Große Kreativität beweisen manche Gruppen, was die Wahl des Messers oder die Art wie sie die Mädchen auf sich aufmerksam machen, angeht. Berichten zufolge wird sogar mit Zugsäge, Busch- und Stanleymesser ausgerückt. Um Oberndorf bei Salzburg herum, rufen die Zechen (Burschengruppen) vor der Haustüre laut "Kletzi, Kletzi, Kletzi!" Im Raum Bad Hall wurde ein Schlagzeuger samt Schlagzeug auf einem Autoanhänger gesichtet. Die Landjugend Sierning-Schiedlberg setzt in diesem Punkt auf das gemeinsame Singen alter G'stanzl.

Dass das Störibrot Anschneiden schon ein sehr alter Brauch ist, weiß Altbauer Herbert Huemer aus Rohr. Er berichtet, dass es im Gebiet um Furtberg überdies Brauch war, das Störibrot der Nachbarin zu kosten und so ihre Kochkünste zu würdigen. Der Nachbar durfte die Störi zu diesem Zweck natürlich auch anschneiden. In manchen Gegenden rund um Steyr, haben selbst verheiratete Männer am 26. Dezember beim Kirchgang ein Messer mit dabei. Dort ist es Brauch, dass die Wirtin den Laib Kletzenbrot beim Frühschoppen zum Stammtisch bringt.

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