22.11.2017, 15:06 Uhr

Neues Krippenmuseum im Palmenhaus

Das Palmenhaus im Steyrer Schlosspark beherbergt nun kunstvolle und traditionelle Krippen.

Die Stadt Steyr gilt nicht nur durch seine Nähe zum Wallfahrtsort "Christkindl" als eine der beliebtesten Reisdestinationen im Advent und in der Weihnachtszeit. Das neue Krippenmuseum im ehemaligen Palmenhaus von Schloss Lamberg krönt nun gleichsam dieses Bild von der romantischen Advent- und Weihnachtsstadt: Zwei der imposantesten Krippen des Landes haben hier ein neues Zuhause gefunden: Die umfangreiche barocke Lamberg`sche Krippe und die sog. "Waggonkrippe" des Mühlviertlers Josef Seidl für die Aktion "Licht ins Dunkel" . Die barocke Krippe aus dem Schloss Lamberg samt ihrer kostbaren Figurensammlung stammt aus dem Familienbesitz von Josef Graf Lamberg (1856–1904). Sie wurde 1914 von seiner Gattin und Tochter des Waffenfabrik-Gründers , Anna von Werndl (1861–1943), dem Museum vermacht. Die kostbare Sammlung umfasst heute mehr als 200 bekleidete Figurenpuppen, von denen ein Großteil aus verschiedenen Kirchenkrippen stammen dürfte. Diesem barocken Gesamtkunstwerk wird die imposante "Waggonkrippe" gegenübergestellt, die ab 1992 für die ORF-Aktion „Licht ins Dunkel“ 1992 europaweit eingesetzt wurde. Dank einer stimmigen und behutsamen Inszenierung, wie auch durch die wissenschaftliche Aufarbeitung finden hier Kunst- und Krippenfreunde genauso ihre Freude, wie alle jene, die hier abseits der Vorweihnachtshektik wieder zum Kern der scheinbar so vertrauten Weihnachtsgeschichte vordringen möchten.

Die Lamberg`sche Krippe besticht vor allem durch die Vielzahl an kostbar gekleideten Figuren. Aufgrund stilistischer und kostümgeschichtlicher Merkmale erstreckt sich der Entstehungszeitraum der Krippenfiguren vom Barock bis ins Biedermeier. Ein Großteil wird heute dem Nordtiroler Raum zugeordnet , wie ein Vergleich mit der um 1750 enstandenen berühmten Krippe aus dem “Regelhaus der Servitinnen” in Innsbruck nahelegt: Sie sind ebenfalls mit Wachsköpfchen und Augen aus schwarzen Wachströpfchen gefertigt und haben holzgeschnitzte Arme und Beine. Aber nicht allein die äußere Entsprechung, sondern auch die familiären Bindungen der Familie Lamberg zu Tirol sprechen für die Tiroler Herkunft der barocken Figuren. Als Vorbilder sind die neapolitanischen und sizilianischen Krippen anzusprechen, die mit ihrer Prunkentfaltung und der kostbaren Gewandung aller Akteure in ganz Europa Nachahmer fanden.

Steyr als Krippenstadt

Steyr galt schon jeher als eine schillernde Krippenstadt, wobei hier die Anfänge in die Zeit kurz nach 1600 reichen, als auch in dieser zur Gänze protestantisch gewordenen Stadt die Gegenreformation einsetzte:"Ich steh an deiner Krippen hier, o Jesu, du mein Leben (…).” So beginnt ein Liedtext des lutherischen Theologen Paul Gerhardt, der 1653 erstmals in einem Gesangbuch veröffentlich wurde. Er findet auch in Johann Sebastian Bachs Weihnachtsoratorium von 1734 Eingang und markiert so die Blütezeit der regionalen Krippenkunst. Sie setzt im Raum Steyr ebenfalls im Zuge der Gegenreformation am Beginn des 17. Jahrhunderts ein. Erst seit damals bezeichnet das Wort „Krippe“ die szenische Darstellung der Geburtsgeschichte in Verbindung mit der Anbetung der Hirten und der HII. Drei Könige. Der erste urkundliche Nachweis einer Kirchenkrippe in Oberösterreich stammt von 1603, als noch die Reformation das Land beherrscht. Im Linzer Landhaus und einstigen Sitz der evangelischen Stände haben die Jesuiten am 24. Dezember 1603 in der heutigen Minoritenkirche eine Krippe aufgestellt. Zur gleichen Zeit finden szenische Darstellungen des Weihnachtsgeschehens großen Beifall: So wird schon 1609 aus Steyr berichtet, dass hier zu den Weihnachtsfeiertagen in der Pfarrkirche anstatt der Predigt der prächtige Dialog „Der neugeborene Knabe“ von Schülern und Sängern der Garstner Schule gegeben wurde. Auch 1617 gibt es hier eine Aufführung zur Weihnachtszeit. Das Garstner Stiftstheater tritt so zum protestantischen Schultheater in Steyr zunehmend in Konkurrenz.

Im Barock erreicht dann die Verbreitung der Kirchenkrippen ihren ersten Höhepunkt. Allein für das Stift Garsten ist das Vorhandensein von fünf Krippen urkundlich nachweisbar Der Steyrer Raum wird bald zu einem Mittelpunkt szenischer Gestaltung, wovon neben dem berühmten „Steyrer Kripperl“ auch die hier ausgestellte Lamberg`sche Krippensammlung mit ihren bekleideten Figuren aus Barock bis Biedermeier ein beredtes Zeugnis ablegt. Nachdem sich aber Maria Theresia gegen szenische Darstellungen der Geburt Christi oder Anbetung der Heiligen Drei Könige in Kirchen ausspricht und ihr Sohn, Kaiser Josef II., am 30. Oktober 1782 schließlich ein generelles Krippenverbot in den Kirchen verhängt, verlagert sich die Krippentradition in die Privathäuser. Das Aufstellungsverbot für Kirchenkrippen wird bereits 1804 wieder aufgehoben. Im Raum Steyr-Garsten haben sich bis heute an die 200 alte Krippen erhalten

Wagonkrippe für Werbezwecke

Seidls Großkrippe warb hingegen zwischen 1992 und 1997 für die ORF-Aktion „Licht ins Dunkel”. Zu diesem Zweck wurde sie in einen alten Waggon der ÖBB eingebaut, um im Advent als Werbeträger durch Österreich, Italien, Lichtenstein und Deutschland zu reisen. Ursprünglich kam diese “Krippe am Bahnhof bzw. Waggonkrippe” noch auf 17 Quadratmeter Standfläche. Sie ist das Werk des aus dem Mühlviertel (Nebelberg, Bezirk Rohrbach) stammenden Krippenbaumeisters Josef Seidl (1935–2014) und entstand in zweijähriger Bauzeit. Im Advent 1992 war sie erstmals am Bahnhof Garsten zu besichtigtigen. Sie umfasst einen heimatlichen und einen orientalischen Teil. Im heimatlichen Sektor hat Seidl neben dem Stall zu Bethlehem auch den Ennskai der Stadt Steyr in der Zeit um 1900, die Wallfahrtskirche Christkindl sowie sein Eltern- und Geburtshaus im Mühlviertel untergebracht. Im orientalischen Krippenbereich finden sich auch die späteren Wirkungsstätten Jesu. Mit ihren mehr als 1.100 Krippenfiguren sprengt diese Waggonkrippe freilich die üblichen Krippendimensionen: Es handelt sich dabei um sogenannte Loahmmandel (=Figuren aus Lehm) nach alten Modeln des 18. und 19. Jahrhunderts aus der Region Steyr- und Ennstal sowie aus Nassereith in Tirol. Nachdem sich 1998 die technischen Erhaltungsarbeiten am Eisenbahnwaggon als nicht finanzierbar erwiesen, wurde die Krippe ausgebaut, kontinuierlich verkleinert und behelfsmäßig deponiert. Das Krippenmuseum ermöglicht nun wieder ihre Präsentation.


Krippen im Palmenhaus
Die Ausstellung im Palmenhaus in Steyr ist vom 17. November bis 7. Jänner geöffnet. Montag bis Freitag, 10 bis 17 Uhr, Samstag und Sonntag, 10 bis 18 Uhr. Ganzjährig: Für Gruppen gegen Voranmeldung unter Tel. 07252 575-348. Eintritt frei.
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