Landwirtschaft kämpft
Dieselpreis-Explosion bedroht Existenzen der Bauern im Bezirk Tulln
- Robert Wimmer, vom Weingut Wimmer in Fels am Wagram über die gestiegenden Treibstoffkosten.
- Foto: Weingut Wimmer
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Bäuerliche Betriebe im Bezirk stehen unter Druck: Steigende Dieselpreise treffen die Landwirtschaft hart.
BEZIRK. Der Konflikt im Nahen Osten bringt nicht nur die Weltwirtschaft ins Wanken, sondern auch die Existenz der Bauern in NÖ. Die Kosten steigen, Entlastung fehlt. Der NÖ Bauernbund fordert daher rasches Handeln für faire Wettbewerbsbedingungen.
Die Lage spitzt sich zu
Mit dem Auslaufen der Agrardieselmaßnahmen 2025 (siehe "Zur Sache" rechts) zahlen NÖs Betriebe im EU-Vergleich besonders hohe Treibstoffkosten. Gleichzeitig steigen die Preise für Energie und Betriebsmittel, während die Erlöse etwa bei Milch, Fleisch und Getreide sinken. LKNÖ-Präsident Johannes Schmuckenschlager betont: "Österreichs Bauern bezahlen im internationalen Vergleich zu viel für den Diesel. Diese Situation ist eine bäuerliche Existenzfrage." Auch NÖ Bauernbunddirektor Paul Nemecek warnt: "Fallende Preise bei steigenden Kosten können nicht lange gut gehen. Wir müssen jetzt die Wettbewerbsfähigkeit sicherstellen."
Handlungsbedarf...
...sehen auch die Bauern im Bezirk Tulln, wie Bauernbund Obmann Mathias Holzer erklärt. Besonders betroffen sind alle stark mechanisierten Bereiche der Landwirtschaft. Dazu zählen vor allem Ackerbau (Getreide, Mais, Zuckerrüben), Gemüsebau sowie Futterbau. Auch in der Tierhaltung – insbesondere bei Rinder- und Schweinebetrieben – spielt der Dieselverbrauch eine große Rolle, etwa für Futterernte, Stalltechnik und Transport. Intensiv wirtschaftende Betriebe mit hohem Maschineneinsatz spüren die Belastung am stärksten.
- Mathias Holzer, Obmann der Landwirtschaftskammer Tullnerfeld und Obmann des NÖ Bauernbundes Bezirk Tulln.
- Foto: Georg Pomassl-LK Niederösterreich
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"Die Lage im Bezirk Tulln ist angespannt. Viele Betriebe stehen unter erheblichem wirtschaftlichem Druck. Neben den hohen Treibstoffkosten belasten auch gestiegene Preise für Betriebsmittel wie Dünger, Energie und Maschinen. Die Stimmung ist entsprechend vorsichtig bis besorgt. Gleichzeitig zeigen die Landwirte aber eine hohe Anpassungsfähigkeit und versuchen, durch Effizienzsteigerungen gegenzusteuern", so Holzer.
Die Bedeutung der Treibstoffkosten variiert je nach Betriebsform und Intensität. Im Ackerbau können die Diesel- und Energiekosten etwa 10–20 Prozent der variablen Kosten ausmachen, in einzelnen arbeitsintensiven Kulturen auch darüber.
Hilfe für unsere Bauern
Die Bauernkammer unterstützt die Betriebe auf mehreren Ebenen:
- Beratung: Betriebswirtschaftliche Beratung zur Kostenoptimierung und Effizienzsteigerung
- Interessenvertretung: Einsatz auf politischer Ebene für faire Rahmenbedingungen (z. B. steuerliche Entlastungen, Fördermaßnahmen)
- Information: Laufende Information über Fördermöglichkeiten, Energieeinsparmaßnahmen und alternative Antriebskonzepte
- Weiterbildung: Schulungen zu effizientem Maschineneinsatz und neuen Technologien
Was muss hier geschehen?
"Aus Sicht der Landwirtschaft braucht es klare Maßnahmen zur Entlastung. Ein wichtiger Ansatz ist der Blick nach Deutschland: Dort gibt es (bzw. gab es zuletzt) eine Rückvergütung beim Agrardiesel von rund 21,5 Cent pro Liter. Ein vergleichbares Modell sollte auch in Österreich das Ziel sein, um Wettbewerbsnachteile innerhalb der EU auszugleichen und die heimische Landwirtschaft zu stärken", so Holzer.
Darüber hinaus braucht es:
- eine spürbare steuerliche Entlastung bei Treibstoffen
- Planungssicherheit für die Betriebe
- eine stärkere Förderung von Effizienz und alternativen Antrieben
- Maßnahmen zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit im europäischen Vergleich.
Stimmung bei den Landwirten
Jungwinzer Robert Wimmer vom Weingut Wimmer aus Fels am Wagram gibt uns einen Einblick, wie es ihnen damit geht: "Natürlich sind wir so, wie auch alle anderen landwirtschaftlichen Sparten, von den steigenden Dieselpreisen stark betroffen. Bei Traktoren und Nutzfahrzeugen, sprich Fahrzeugen, die mehr Kraft benötigen, kommt man um den Diesel fast nicht herum. Elektro-Traktoren, aber auch E-Busse und E-LKW können die Diesel-Versionen hier leider nicht voll ersetzen. Bei uns am Betrieb laufen zwei Traktoren, ein Bus und ein LKW, um sämtliche Arbeiten im Weingarten und die Weinlieferungen bewerkstelligen zu können.
- Die E-Varianten vieler Maschinen können die Dieselfahrzeuge nicht ersetzen.
- Foto: Weingut Wimmer
- hochgeladen von Victoria Edlinger
Da das Weingut keine Trauben verkauft, sondern ausschließlich qualitativ hochwertige Flaschenweine, kommen hier noch viele weitere Kosten hinzu.
"Die Spritpreise machen dadurch nur einen einstelligen Prozentsatz unserer Erzeugungskosten, was aber auch nicht unerheblich ist, aus. Bei reinen Traubenproduzenten oder Ackerbauern ist der Anteil dann viel höher. Bleiben die Treibstoffkosten weiterhin auf diesem hohen Niveau, heizt das natürlich auch die Inflation an und sämtliche Produkte, die wir benötigen wie Flaschen, Verschlüsse, Kartonagen und vieles weitere wird wieder teurer werden", so Wimmer.
Zur Sache:
In den vergangenen Jahren wurde den österreichischen Bauern – wie auch in anderen EU-Ländern – der CO₂-Preis sowie ein Teil der Mineralölsteuer rückvergütet, um Wettbewerbsgleichheit innerhalb der Europäischen Union herzustellen. Diese befristeten Maßnahmen sind 2025 ausgelaufen.
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