Bier bald teurer?
Gersten-Patent würde Kleinbrauereien hart treffen
- Rudolf Malle ist ein ausgewiesener Bierbrauexperte. Ein Patent auf Braugerste würde ihm das Leben nicht unbedingt leichter machen.
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Kleine Privatbrauereien wehren sich weiterhin gegen das Patent auf Braugerste der Großkonzerne. Bierbrauexperte Rudolf Malle aus Villach-Wollanig verrät, was das Patent im Alltag bedeuten würde.
VILLACH, VILLACH LAND. Seit Jahren kämpfen Kärntens Klein- und Kleinstbrauereien gegen die großen Braukonzerne. Gemeinsames Ziel ist es, das geplante, europäische Patent auf Braugerste zu verhindern. Letzteres würde nämlich in weiterer Folge dazu führen, dass das Bier in den Restaurants, Kneipen und Supermärkten noch teurer werden würde. Am Dienstag (25. März) war in München Lostag vor dem Europäischen Patentamt. Dieser Lostag verstrich allerdings einmal mehr ohne eine Entscheidung.
- Bei Malle Bier sitzt jeder kleinste Schritt.
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"Wirkt sich auf Bierpreis aus"
Rudolf Malle braut in Villach-Wollanig seit fast zwanzig Jahren sein eigenes Bier und gibt sein Wissen in Seminaren weiter. Im Interview mit MeinBezirk verrät der passionierte Bierbrauer, der kein Industriebier, sondern Craft Beer (die Bezeichnung kommt aus dem Englischen und heißt einfach "Handwerksbier" oder "handwerklich" beziehungsweise "mit der Hand" hergestelltes Bier, Anm.) herstellt, was das Gersten-Patent für Kleinbrauereien bedeuten würde.
MeinBezirk: Was würde das Patent auf Braugerste für euch Kleinbrauereien bedeuten?
Rudolf Malle: Wenn wir keine normale Gerste mehr bekommen und nur mehr diese patentierte Gerste einkaufen können, dann wirkt sich das natürlich unmittelbar auf die Bierpreise aus. Von den Konzernen wird Stück für Stück versucht, uns Kleine zu vernichten.
Gäbe es Alternativen zu einer patentierten Gerste?
Ich kaufe mein Malz bei einer Mälzerei in Graz ein und gehe davon aus, dass alle Mälzereien im schlimmsten Fall kein anderes Malz mehr bekommen würden. Und würde es eine Alternative geben, wäre diese wahrscheinlich noch teurer.
Da sitzen also alle Klein- und Kleinstbrauereien in einem Boot?
Es ist eine Frechheit, dass man überhaupt in Erwägung zieht, auf so ein Produkt ein Patent zu geben. Ich kann mir nicht vorstellen, dass irgendein Großkonzern das Malz oder die Gerste erfunden hat!
Aus Kärntner Sicht steht die Hirter Brauerei an der Spitze der Privatbrauereien, die sich gegen das Patent wehren. Gehört Malle Bier auch zu den Privatbrauereien mit eigenem Logo?
Als Einpersonenunternehmen ist es klar, dass ich privat bin. Und die Kosten von 500 Euro pro Jahr plus Anmeldegebühr möchte ich derzeit nicht stemmen. Aber ich stehe voll und ganz auf der Seite aller Privaten und hoffe, dass das Patent auf Braugerste nicht kommt!
- Rund 5,20 Euro sind derzeit im Schnitt für ein großes Bier im Lokal zu bezahlen. Das könnte sich ändern, wenn das Patent kommt.
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Hintergrund führt nach Dänemark
Der Hintergrund, warum die Verwendung der Gerste eingeschränkt werden könnte, führt nach Dänemark. Der dänische Brauereikonzern Carlsberg beansprucht Gerstenpflanzen aus klassischer Züchtung sowie deren Verwendung zum Bierbrauen als seine "Erfindung" und meldete daher ein Patent beim Europäischen Patentamt (EPA) in München an. Das heißt: Alle anderen Brauereien müssen, wenn sie diese patentierte Gerste weiter verwenden wollen, Lizenzgebühren zahlen. Die Verwendung dieses Gerstenstammes kann auch gänzlich verboten werden.
Neue Prüfung, weniger Vielfalt
Eine Entscheidung hätte letzte Woche – wie oben thematisiert – in der Beschwerdekammer des Europäischen Patentamtes (EPA) fallen sollen. Diese wies den Fall, der schon seit 2017 diskutiert wird, allerdings wieder zurück an die erste Instanz (Einspruchabteilung). Hier muss festgestellt werden, ob das Patent auf Braugerste der Firmen Carlsberg und Heineken ausreichend erfinderisch ist. "Wir warten nun auf das Ergebnis der neuerlichen Prüfung", sagt Dagmar Urban von Arche Noah, für die dieses Bier-Patent nur die Spitze des Eisberges ist: "Große Agrochemie-Konzerne haben sich auch Patente auf Tomaten, Raps, Salat, Mais und Weizen gesichert." Allein 2024 seien 40 neue Patente erteilt worden. Kleinere Züchter, Landwirte und Rohstoffbezieher würden darunter leiden. Ihnen drohe auch, von etwa klimatisch besser angepassten Saatgutzüchtungen ausgeschlossen zu werden.
Gestöhne aus Hirt
Auch Nikolaus Rieger, Eigentümer und Geschäftsführer der Privatbrauerei Hirt und Sprecher der "Unabhängigen Privatbrauereien Österreichs" lässt die Patentdiskussion schäumen: "Patente auf Saatgut und auf Gersten bedeuten weniger Malzsorten und somit weniger Biervielfalt aus Klein- und Mittelbetrieben und beides spielt wiederum den Großkonzernen in die Hände!"
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