Vom Underdog zum Trend
Was steckt hinter dem Mikro-Öffentlichkeitsverkehr?

Tibor Jermendy treibt als gebürtiger Villacher die Entwicklung des Mikro-ÖV voran. | Foto: MeinBezirk.at/Stephan Fugger
  • Tibor Jermendy treibt als gebürtiger Villacher die Entwicklung des Mikro-ÖV voran.
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Bedarfsverkehr statt Fahrplan: Mikro-ÖV gewinnt in Österreich an Bedeutung. Ein gebürtiger Villacher gestaltet diese Entwicklung maßgeblich mit – und zeigt, wie sich Mobilität wirtschaftlich verändert.

VILLACH. Mikro-Öffentlicher Verkehr galt lange als Nischenlösung. Heute entwickelt sich das System zunehmend zu einem wichtigen Baustein im Mobilitätsmix – besonders im ländlichen Raum. Statt starrer Fahrpläne setzt man auf flexible, bedarfsorientierte Angebote. „Mobilität wird heute ganz anders gedacht – flexibel, abrufbar und angepasst an den Alltag“, erklärt Tibor Jermendy, Head of Business Development bei der Österreichischen Postbus AG. Der gebürtige Villacher ist Teil jener Entwicklung, die Mikro-ÖV in den vergangenen Jahren österreichweit vorangetrieben hat. Seine Wurzeln liegen in der Raumplanung und der Sharing Economy – also der Idee, Ressourcen effizient zu nutzen. Daraus entstand auch der Ansatz, Mobilität stärker zu teilen und bedarfsgerecht anzubieten.

Österreichweite Entwicklung

Seit 2021 wird das System sukzessive ausgebaut. Was als kleines Projekt in wenigen Gemeinden begann, ist heute in mehreren Bundesländern im Einsatz. Auch in Kärnten wächst das Angebot stetig. Seit 1. Mai wurde mit dem „Postbus Shuttle Wörthersee Nord“ ein weiteres Projekt umgesetzt, das die Gemeinden Velden, Pörtschach und Techelsberg verbindet. Ziel ist es, klassische Lücken im öffentlichen Verkehr zu schließen, insbesondere auf der sogenannten „letzten Meile“ – also der Strecke zwischen Haltestelle oder Bahnhof und dem eigentlichen Ziel, die oft nur schwer mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar ist.. Der Ausbau ist auch wirtschaftlich relevant: Das Land Kärnten stellt jährlich Millionenbeträge für Mikro-ÖV-Projekte bereit, um die Erreichbarkeit im ländlichen Raum zu verbessern. Der Wandel ist vor allem eine Reaktion auf veränderte Bedürfnisse. Während früher Fahrpläne den Alltag bestimmten, erwarten Nutzer heute flexible Lösungen – ähnlich wie bei Lieferdiensten oder Streaming-Angeboten. Das Konzept: Fahrzeuge fahren nur bei Bedarf und verbinden Haltepunkte, die in kurzen Abständen angelegt sind. Eine Software bündelt Fahrten und optimiert die Auslastung.

Tibor Jermendy: „Der öffentliche Verkehr muss so flexibel werden wie das Auto – nur dann ist er eine echte Alternative.“

Auswirkungen

Ob steigende Energiepreise oder Diskussionen über mögliche Engpässe bei Treibstoffen – all das wirkt sich langfristig auch auf Mobilitätsentscheidungen aus. Jermendy beobachtet bereits erste Veränderungen: „Ich glaube, dass steigende Kosten den öffentlichen Verkehr weiter stärken werden. Autofahren wird zunehmend zum Luxus.“ Gleichzeitig bleibt die Entwicklung dynamisch. Die Nutzung solcher Systeme wächst meist schrittweise, erreicht aber nach einiger Zeit eine stabile Auslastung.

Chancen für Regionen

Für ländliche Regionen eröffnen sich dadurch neue Möglichkeiten: bessere Erreichbarkeit, neue wirtschaftliche Perspektiven und eine stärkere Vernetzung mit bestehenden Verkehrssystemen – etwa der Bahn. Gerade im Zusammenhang mit Großprojekten wie der Koralmbahn gewinnt die flexible „erste und letzte Meile“ zunehmend an Bedeutung. Für Jermendy ist klar: „Was wir hier sehen, ist ein grundlegender Wandel. Mobilität wird neu organisiert – und das nachhaltig.“

Mikro-ÖV im Überblick

  • Was ist Mikro-ÖV?: Bedarfsorientierter öffentlicher Verkehr ohne festen Fahrplan
  • Wie funktioniert es?: Buchung per App oder Telefon, Fahrt von Haltepunkt zu Haltepunkt
  • Warum wichtig?: Schließt Lücken im öffentlichen Verkehr, besonders im ländlichen Raum
  • Ziel: Flexiblere, nachhaltigere und wirtschaftlich effizientere Mobilität
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