Handwerk in der Region Graz
Frischzellenkur für Altertümer
- ERika Thümmel machte sich vor 43 Jahren direkt nach ihrem Studium selbstständig und ist seit 2009 in der Jakoministrasse 9 in der Grazer Innenstadt zu finden.
- Foto: Bernd Grosseck
- hochgeladen von Harald Almer
Erika Thümmel restauriert seit 44 Jahren Gemälde, Tafelbilder, Skulpturen, Vergoldungen und Zierrahmen. In ihrem Atelier in der Grazer Jakoministrasse kann man ihr und ihrem Team auch über die Schulter blicken.
GRAZ. Es war einmal eine kluge Frau, die sich mit 16 Jahren mit dem Restaurierungs-Virus "infizierte", als sie eine Dokumentation über die restaurierte Schallaburg sah. In den Ferien des 7. und 8. Gymnasiumsklasse absolvierte Erika Thümmel ihre Ferialjobs bei einem Restaurator und wusste gleich, dieser Beruf verbindet alles, was sie liebt: Wissenschaft, Präzision, Handwerkskunst und Lösungsorientiertheit. Die Grazerin bewarb sich gleichzeitig um die Aufnahme an der Akademie der bildenden Künste in Wien und am Opificio delle Pietre Dure in Florenz und entschied sich für Italien - trotz rudimentärer Italienisch-Kenntnisse.
Botticelli und Michelangelo
Dort blickte sie italienischen Meistern der Restauration bei der Arbeit über die Schulter und erlebte die Restaurierung weltberühmter Kunstwerke aus nächster Nähe. Darunter Botticellis Primavera oder ein Rundgemälde von Michelangelo, an ihrer Ausbildungsstätte wurden auch bedeutende Schätze der Uffizien restauriert. "Englisch war damals in Italien nicht üblich und so schrieb ich bei den Vorlesungen phonetisch mit und versuchte daheim mühsam zu entziffern, was das alles heißen könnte. Das erste halbe Jahr war anstrengend, dann hatte ich die Sprache intus." Und bald auch die hohe Kunst der Restauration.
Gefasste Holzobjekte, Gemälde und Vergoldungen umfassen das Tätigkeitsspektrum von Thümmel und ihrem fünfköpfigen Team. Bis 2008 befand sich ihr Betrieb in einem Hinterhof in Eggenberg, seit 17 Jahren werkt sie in ihrem Haus in der Jakoministrasse 9. "Die Übersiedlung brachte es mit sich, dass wir ein Ladenlokal haben und man uns bei der Arbeit zusehen kann", erzählt die Restauratorin. "Das war schon eine gewisse Umstellung, aber wir empfinden das als sehr schön. Denn durch die vermehrte Sichtbarkeit erreichen wir einen erweiterten Kundenstamm."
Orte in luftiger Höhe
Zu den Kunden zählt oft die Diözese Graz-Seckau, denn an Altären, Kanzeln, großformatigen Gemälden, Engeln und Orgelgehäusen nagt der Zahn der Zeit. Und so "turnen" Thümmel und ihr Team oft auf großen Gerüsten in luftiger Höhe herum, denn Altäre, Kanzeln und Orgeln kann man schlecht in ihr Grazer Atelier bringen. Höhenangst? "Manchmal ist mir schon mulmig zumute und ich habe etwas Angst um mich selbst und meine Mitarbeiter, wenn wir eine Figur in zehn bis 15 Metern Höhe anbringen müssen, aber es ist zum Glück noch nie etwas passiert."
Dem Motto der Vielseitigkeit ist Thümmel treu geblieben, denn neben dem handwerklichen Geschick liebt sie die Recherche und das wissenschaftliche Arbeiten. "Bei herausfordernden Objekten hole ich mir Rat im Kollegenkreis, lese Fachbücher, schaue mir alte Fotos von früheren Restaurationen an und recherchiere in Archiven - die Aufgabenstellungen sind öfters komplex." Und so nebenbei hält sie auf der FH Joanneum Vorlesungen über Ausstellungsdesign. Neben der Tätigkeit als Restauratorin werden von Thümmel auch Ausstellungen gestaltet. "Ich müsste eigentlich gar nicht mehr arbeiten, aber das Virus lässt mich nicht los. Also arbeite ich freiwillig weiter, um Altes wieder neu zu machen."
Kontakt:
Atelier Erika Thümmel
Jakoministrasse 9, 8010 Graz
T 0664/454 1145 oder 0316/586034
www.thuemmel.at
Tourismusinformation Region Graz
Herrengasse 16, 8010 Graz
T 0316/875-0
info@regiongraz.at
www.regiongraz.at
#visitregiongraz
Weitere Standorte in Frohnleiten, Laßnitzhöhe, Premstätten und Köflach
Das könnte dich auch interessieren:
Du möchtest kommentieren?
Du möchtest zur Diskussion beitragen? Melde Dich an, um Kommentare zu verfassen.