Festakt zur Fertigstellung
Ältester Teils des Jüdischen Friedhofs Währing saniert
- Ariel Muzikant, Jennifer Kickert und Günther Havranek (v.l.) beim Festakt zur vollendeten Sanierung des ältesten Teils des Jüdischen Friedhofs Währing.
- Foto: Mathias Kautzky/MeinBezirk
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Mit einem Festakt wurde die Sanierung des ältesten Teils des Jüdischen Friedhofs Währing gefeiert. Mit der Vollendung von "Etappe 1" wurden 2.287 Grabsteine auf rund 6.500 Quadratmetern instandgesetzt.
WIEN/WÄHRING. Der 2017 gegründete Verein „Rettet den Jüdischen Friedhof Währing“ hat das Ziel, den kulturhistorisch bedeutenden Jüdischen Friedhof Währing wieder der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Nach der 2023 erfolgten Eröffnung der Ausstellung im Tahara-Raum des Friedhofs in der Schrottenbachgasse 3 – nahe der U6-Station Nußdorfer Straße – wurde nun ein weiterer Meilenstein gefeiert.
"Das, was wir heute zeigen können, ist der erste große Abschnitt in der Sanierung", freut sich Jennifer Kickert, Sprecherin des Vereins "Rettet den Jüdischen Friedhof Währing". Vereinsobmann Günther Havranek ergänzt: "Wir haben den gesamten Sektor links der sogenannten Hauptallee fertiggestellt. Und das ist ein Meilenstein im gesamten Prozess der Sanierung."
2.287 Gräber – und viermal soviele Verstorbene
Insgesamt 2.287 Grabsteine auf rund 6.500 Quadratmetern wurden im ältesten Teil des Jüdischen Friedhofs instandgesetzt – "Etappe 1" und knapp ein Drittel des erhaltenen Friedhofsareales. "Insgesamt sind auf unserem Jüdischen Friedhof Währing aber rund vier Mal soviele Menschen begraben, als es Grabsteine gibt", erläutert Ariel Muzikant vom Verein "Rettet den Jüdischen Friedhof Währing" und ergänzt, dass ein Teil des ursprünglichen Friedhofsareals nach dem Zweiten Weltkrieg von der Stadt Wien für den Bau eines bis heute bestehenden Hochhauses genutzt wurde.
- Die Grabsteine am Jüdischen Friedhof Währing wurden freigelegt, manche wurden wieder aufgestellt.
- Foto: Mathias Kautzky/MeinBezirk
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Der Sanierung vorausgegangen waren langwierige politische Diskussionen, denen schließlich öffentliche Förderungen folgten – und infolge auch einiges an körperlicher Arbeit durch Ehrenamtliche des Vereins „Rettet den Jüdischen Friedhof Währing“, aber auch durch Bundesheersoldaten und Freiwillige.
Die Erinnerung wurde freigelegt
So gelang es schließlich, viele jüdische Gräber deren Grabsteine oft umgefallen und mit dichtem Gestrüpp zugewachsen waren, freizulegen und zu sanieren – zuletzt etwa die Grabstätten der Familien Arnstein, Ephrussi und Epstein. "Ich begleite die Arbeiten seit vielen Jahren: Es ist ein tolles Ergebnis, was in diesem Bereich mit sehr viel Hingabe, Sorgfalt und auch Herzblut instandgesetzt wurde", freut sich Sylvia Schönolt vom Bundesdenkmalamt.
- Die Ausstellung im Tahara-Raum des Jüdischen Friedhofs Wöhring in der Schrottenbachgasse.
- Foto: Mathias Kautzky/MeinBezirk
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Beim Festakt anwesend war auch Dariusz Schutzki, katholischer Bischofsvikar der Wiener Erzdiözese: "Wenn man die Geschichte der Vergangenheit nicht achtet, wird man die Zukunft genauso wenig achten. Und darum ist sich zu erinnern, zutiefst menschlich – aber man muss sich eben erinnern", so Schutzki.
"Was hier geschehen ist, ist großartig: Die Erinnerung ist zum Vorschein gekommen – man fährt hier so oft vorbei und sieht das nicht. Und so entdeckt man eben nicht nur die Grabstädte oder den Friedhof, sondern auch die Menschen, die sich darum kümmern. Und ich glaube, das ist der unglaubliche Schatz der Stadt Wien: Dass man diese Menschen hier hat, die sich erinnern und diese Erinnerung auch zeigen. Und damit atmet der Glaube und lebt die Stadt", sagt Bischofsvikar Schutzki.
Der Friedhof wird geöffnet
Im Vergleich zu anderen jüdischen Friedhöfen liegen übrigens nur wenige kleine Steine auf den Gräbern – warum? "Wenn jemand auf Besuch kommt, wird normalerweise ein kleiner Stein auf das Grab gelegt – ein Stein der Erinnerung, zur Ehre des Verstorbenen", erklärt Rabbiner Shmuel Shapira. Weil die Gräber erst vor kurzem freigelegt worden sind, liegen auf den vielen Grabsteinen noch wenige "Steine der Erinnerung".
- Aliosha Biz bei seinem Geigenstück zum Festakt anlässlich der Sanierung des ältesten Teils des Jüdischen Friedhofs Währing.
- Foto: Mathias Kautzky/MeinBezirk
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Deren Zahl könnte sich aber bald erhöhen, denn der Verein "Rettet den Jüdischen Friedhof Währing" öffnet das Friedhofsgelände an jedem zweiten Sonntag im Monat (außer an jüdischen Feiertagen) von 10 bis 16 Uhr. Im Rahmen der Ausstellung im Tahara-Raum kann neben Daten und historischen Gegenständen des Friedhofs übrigens auch ein Drohnen-Video des Fotografen Johannes Zinner mit einem Flug über das Friedhofsareal angesehen werden.
Auch Führungen werden angeboten: auf Deutsch um 11 und 13 Uhr, auf Englisch um 12 Uhr – ein Kostenbeitrag von 8 Euro wird in Bar eingehoben. Anmeldung zu den Führungen und mehr Infos zum Friedhof hier.
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