Neugestaltung in Wien
Funkhaus wird jetzt zum Grätzl- und Kunsttreff

Das altehrwürdige Funkhaus soll in den nächsten Jahren umgestalten werden. | Foto: Johannes Reiterits/MeinBezirk Wien
8Bilder
  • Das altehrwürdige Funkhaus soll in den nächsten Jahren umgestalten werden.
  • Foto: Johannes Reiterits/MeinBezirk Wien
  • hochgeladen von Johannes Reiterits

Am Dienstag präsentierte die Rhomberg Bau Gruppe die konkreten Bauvorhaben für das altehrwürdige Funkhaus in der Argentinierstraße. Bereits heuer soll es eine Baubewilligung geben. Wobei man sich gerade beim finalen Zeitplan noch einiges offen lässt. Ganz bewusst, wie es scheint, denn das finale Konzept soll sich durch die Öffnung des Hauses für Kunstschaffende und die Wiener erst herauskristallisieren.

WIEN. Im Funkhaus in der Argentinierstraße tut sich was. 2015 wurde das ORF-Stammhaus zum Verkauf ausgeschrieben, ein Jahr später erhielt die Rhomberg Bau Gruppe den Zuschlag. Unter anderem 57 Eigentumswohnungen und ein Hotel sollen hier entstehen, was auch für Kritik gesorgt hat, wie Geschäftsführer Hubert Rhomberg selbst am Montag bei einer Präsentation der Pläne zugibt.

Doch ausschließlich der geringste Teil des Gebäudes verwandelt sich darin, versichert Rhomberg: "Nur der hintere Bereich, das sind gut 20 Prozent der späteren Gesamtfläche, wird für Wohnungen vorgesehen." Dazu wird auch ein siebenstöckiger Holz-Zubau errichtet, der alleine 35 Wohnungen beinhalten soll. Der größte Teil des bestehenden Funkhauses soll sich für die Wienerinnen und Wiener öffnen. Hier werden künstlerische Ausstellungsflächen oder auch ein Gastronomieangebot untergebracht. 

"Uns ist bewusst, welche Geschichte in diesem Haus steckt. Wir wissen, wie verantwortungsvoll wir damit umgehen müssen", so Rhomberg. Es gehe nicht nur darum, dem Menschen etwas zu schaffen, sondern auch hinzuhören "was das Haus eigentlich will".

"Mythos Funkhaus"

Im Konzept für das denkmalgeschützte Gebäude ist vorgesehen, eine sogenannte "Culture Mall" zu schaffen. Diese soll in den vier Stockwerken des Funkhaus-Hauptgebäudes einen bunten Mix an Künstlerinnen und Künstlern, Medien-Start-ups, Kultur- und Clubveranstaltende und Veranstaltungsräumen unterschiedlicher Größen zusammenführen. So haben bereits jetzt in der Zwischennutzungsphase Kunstschaffende ihre eigenen Ateliers, in den alten Tonstudios komponieren jetzt Musikerinnen und Musiker.

Erste Künstlerinnen und Künstler haben beispielsweise in den alten Tonstudios einen Platz gefunden. | Foto: Johannes Reiterits/MeinBezirk Wien
  • Erste Künstlerinnen und Künstler haben beispielsweise in den alten Tonstudios einen Platz gefunden.
  • Foto: Johannes Reiterits/MeinBezirk Wien
  • hochgeladen von Johannes Reiterits

Es gehe darum, das Gebäude bewusst zu öffnen, erklärt auch Erich Bernad vom zuständigen Architekturbüros "BMW Designers & Architects": "Jeder in Österreich kennt das Funkhaus, aber nur die wenigsten sind hier drinnen gewesen. Wir haben unsere Aufgabe darin gesehen, uns nicht selbst darzustellen, sondern besonders viel Flair zu erhalten. Von dieser Radio-Community. Das Haus zu öffnen, auf allen Dimensionen." Es soll laut Bernard ein "Haus bis oben hin für die Öffentlichkeit" werden.

Umgestaltung mit Maß

Das beginnt bereits beim Vorplatz zur Argentinierstraße. Dort sollen die Parkplätze verschwinden und ein öffentlicher Platz mit viel Grün entstehen. Der Längstrakt des Hauses sowie der Straßentrakt sollen weitgehend unverändert bleiben. Da spielt auch der Denkmalschutz mit, obwohl es sogar hier eine Aufstockung gibt.

Foto: BWM-Designers & Achitects; Telegram71, Woow Studios
  • Foto: BWM-Designers & Achitects; Telegram71, Woow Studios
  • hochgeladen von Johannes Reiterits

In Teilen dieses Gebäudeabschnitts soll dann das Hotel untergebracht werden. Zusätzlich ist der ORF nicht gänzlich vom Standort verschwunden. Der Teil des Komplexes, von der Argentinierstraße aus rechts gesehen, ist nach wie vor für den öffentlichen Rundfunk vorgesehen, samt Veranstaltungsräumen.

"Kultureller Maschinenraum"

Einen Raum für die Öffentlichkeit und die Kultur zu schaffen, dafür ist auch Jürgen Weishäupl, Kulturmanager im Funkhaus, verantwortlich. Das Funkhaus war für ihn immer ein "kultureller Maschinenraum", wo Menschen zusammengekommen sind, um gemeinsam etwas entstehen zu lassen.

Und genau dies soll es bleiben. "Unsere Herangehensweise war es, das Haus Raum für Raum zu öffnen und die kulturellen Player der Stadt einzuladen, diese zu bespielen", erklärt Weißhäupl. Bereits jetzt ist die Nachbarschaft eingeladen, sich die derzeitige Zwischennutzung und die Pläne für das Funkhaus genauer anzusehen. Daher gibt es eine große Vorstellungsrunde am Dienstag und Mittwoch, bei der jeder vorbeikommen kann.

Zeitplan noch offen

Bei sämtlichen Arbeiten zur Transformierung des Funkhauses wird auch auf Nachhaltigkeit gesetzt, betonen die Verantwortlichen. Ein Beispiel ist da der Anbau in Holzbauweise. Aber es sollen ebenfalls etwa 80 Geothermie-Sonden für eine Wärme- und Kälteversorgung installiert werden. Auf den Denkmalschutz des Gebäudes, es wurde immerhin in den Jahren 1935 bis 1938 errichtet, wird auch bei der Sanierung der Fassadenteile geachtet. Diese soll in ihrer Form jedoch so bestehen bleiben.

Im hinteren Bereich soll ein Zubau in einer Holzbauvariante entstehen. | Foto: BWM-Designers & Achitects; Telegram71, Woow Studios
  • Im hinteren Bereich soll ein Zubau in einer Holzbauvariante entstehen.
  • Foto: BWM-Designers & Achitects; Telegram71, Woow Studios
  • hochgeladen von Johannes Reiterits

Bestehende Fenster werden saniert, ausgetauschte Fenster nach bauzeitlichen Vorbildern rekonstruiert. Sämtliche Verblechungen werden originalgetreu nachgebildet. Die großflächige Eingangshalle mit Original-Treppe bleibt erhalten. Wie es in den nächsten Jahren weitergeht, dafür gibt es bislang keinen allzu konkreten Zeitplan. Man geht davon aus, dass man noch 2025 die Baugenehmigung für die Zubauten erhält, in denen die Wohnungen Platz finden. Bis 2026 soll mit den Arbeiten begonnen werden. Das Vorhaben soll im Laufe des Jahres 2027 abgeschlossen werden.

Vom Haus lernen

Was den Haupttrakt angeht, samt Hotel und öffentlichen Flächen, lässt man sich noch viel Luft im Plan. So gäbe es derzeit zwar auch Verhandlungen für einen Betreiber des späteren Hotels, aber noch keinen Zuschlag. Denn man möchte den Feinschliff im Konzept quasi durch die öffentliche Bespielung durchführen, erklärt Geschäftsführer Rhomberger. Auch hier soll also gelten: Durch die Menschen sowie das Haus lernen und sich danach anzupassen, nicht umgekehrt. 

Dass möglichen Bewohnerinnen und Bewohner später einmal die "Öffentlichkeit" im Haus zu viel werden könnte und dadurch spätere Einschnitte kommen, davon ist laut ihm nicht auszugehen. Er stellt klar: "Hier ist Leben drinnen. Das muss jedem klar sein, der eine Wohnung erwirbt und auch jedem Hotelbetreiber."

Weitere Themen:

Bombendrohung gegen "ORF"-Zentrum, Areal gesperrt
"ORF"-Funkhaus soll zu Hotel und Wohnungen umgestaltet werden
MUK bekommt neuen Campus am Otto-Wagner-Areal
Anzeige
Die Geschäftsidee steht, aber es fehlt am Kapital für die Umsetzung. Traditionelle Bankkredite scheitern an Sicherheiten.  | Foto:  iStock
Video 5

Gute Geschäftsidee, fehlendes Kapital
Ob Gründung oder Expansion – der Mikrokredit des Sozialministeriums hilft bei der Finanzierung

Sie möchten sich selbstständig machen, Ihr Kleinstunternehmen erweitern oder aus der Arbeitslosigkeit heraus gründen? Die dafür nötige Finanzierung scheitert am fehlenden Eigenkapital oder an Sicherheiten für herkömmliche Bankkredite? Der Mikrokredit in Österreich ist genau für diese Situationen gemacht. Die österreichweite Initiative des Sozialministeriums ermöglicht Kleinkredite für tragfähige Geschäftsideen, wenn Eigenkapital und Sicherheiten fehlen. Der Weg in die Selbstständigkeit beginnt...

Du möchtest kommentieren?

Du möchtest zur Diskussion beitragen? Melde Dich an, um Kommentare zu verfassen.

UP TO DATE BLEIBEN


Hier gehts zu den aktuellen Nachrichten aus Wien

Breaking News als Push-Nachricht direkt aufs Handy

MeinBezirk auf Facebook

MeinBezirk auf Instagram

MeinBezirk auf Twitter

MeinBezirk auf WhatsApp

ePaper jetzt gleich digital durchblättern

Storys aus deinem Bezirk und coole Gewinnspiele im wöchentlichen MeinBezirk.at-Newsletter


Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Karte einbetten

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Code einbetten

Funktionalität des eingebetteten Codes ohne Gewähr. Bitte Einbettungen für Video, Social, Link und Maps mit dem vom System vorgesehenen Einbettungsfuntkionen vornehmen.
Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Foto des Tages einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Du möchtest selbst beitragen?

Melde dich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.