Persönliche Zeitreise
„Na gratuliere“ – Fifi Pissecker feiert sein ganzes Leben auf der Bühne
- In Na gratuliere…, seinem 4. Soloprogramm, feiert Wolfgang Fifi Pissecker gleich mehrere Jubiläen und setzt sich auch mit dem Tod auseinander.
- Foto: Na Gratuliere… von 16 bis 60!
- hochgeladen von Patricia Hillinger
Vom Schulabbrecher zum Bühnenprofi: Wolfgang „Fifi“ Pissecker blickt in seinem neuen Kabarettprogramm auf sechs Jahrzehnte zurück. MeinBezirk traf den Komiker aus Leidenschaft zum Interview.
WIEN. Kabarettist, Schauspieler, Autor und Regisseur Fifi Pissecker ist definitiv eines nicht: auf den Mund gefallen. Bereits im Jugendalter wusste er, dass er auf die Bühne gehört. Im Gespräch mit MeinBezirk im Café Westend erzählt der geborene Entertainer warum der 60er für ihn durchaus ein Einschnitt ist – und weshalb er trotzdem keinen Grund zum Hadern sieht.
Am Mittwoch, 9. September, um 19.30 Uhr gastiert Pissecker im Casanova. Mit „Na gratuliere … von 16 bis 60“ nimmt er das Publikum mit auf eine sehr persönliche Zeitreise – von seinen ersten Erfahrungen auf der Bühne bis zu Gedanken darüber, wo die Reise des Lebens einmal enden könnte.
Von der Kinderjause auf die Bühne
Bereits mit sechs oder sieben Jahren habe er bei einer Kinderjause gemerkt, dass es ihm Freude macht, andere Menschen zum Lachen zu bringen. Rund zehn Jahre später wurde aus dem Wunsch ein konkreter Plan. Mit 16 wollte Pissecker die Schule abbrechen und Schauspieler werden. Sein Vater hatte allerdings andere Vorstellungen. Statt Schauspielschule hieß es zunächst: Lehre machen. "Schauspieler kannst du nachher werden, hat mein Vater gesagt. Also das war schon sehr hart, muss ich sagen. Aber es hat mich dann sehr angespornt", so Pissecker, der die Lehre des Druckformen-Herstellers absolvierte.
- Der Wiener Entertainer Falco (li) und Fifi verstanden sich gut.
- Foto: Fifi Pissecker
- hochgeladen von Patricia Hillinger
Er arbeitete nach der Lehre noch als Geselle und wagte schließlich mit 20 Jahren den Schritt auf die professionelle Bühne. Seit mehr als vier Jahrzehnten lebt er von der Kunst.
"Ein großer Teil dieser Zeit ist untrennbar mit den Hektikern verbunden", schildert er und seine Augen beginnen zu strahlen. Pissecker gehört zu den Gründungsmitgliedern der österreichischen Kabarettgruppe und hat mit ihr mehrere Jahrzehnte Bühnengeschichte erlebt. Die 1980er- und 1990er-Jahre sowie die Zeit danach beschreibt er als besonders intensive Phase mit vollen Häusern und vielen schönen Erlebnissen. Auch deshalb blickt er heute lieber dankbar als wehmütig zurück.
Sein 60. Geburtstag war dennoch ein Moment, der zum Nachdenken anregte. „Wenn du weißt, du hast drei Viertel hinter dir, dann hast du noch genau ein Viertel vor dir", - seine Miene wird ernster. Er sehe die kommenden Jahre deshalb bewusster und intensiver. Gleichzeitig wolle er das, was noch komme, dankbar annehmen. Sein Ziel sei es weiterhin, dem Publikum zwei Stunden Ablenkung, Vergnügen und Unterhaltung zu schenken.
Eine Biografie mit schwarzem Humor
Die Idee für „Na gratuliere … von 16 bis 60“ entstand rund um seinen 60. Geburtstag. "Ich setzte mich 2024 ein ganzes Jahr lang hin und schrieb an einer Art kabarettistischer Biografie. Darin geht es um meine Kindheit, den Weg zu den Hektikern, private Erlebnisse und die Frage, wohin das Leben letztlich führt. Sogar dem Tod begegne ich – und halte meine eigene Grabrede".
- Pissecker (re) war Gründungsmitglied der erfolgreichsten Kabarettgruppe Österreichs „Die Hektiker“, hier mit Hollywood Schauspieler Tim Curry (2.v.re).
- Foto: privat
- hochgeladen von Patricia Hillinger
Dabei geht es nicht nur um möglichst viele Pointen. Pissecker möchte vor allem Geschichten erzählen, in denen sich das Publikum wiedererkennen kann. Die 80er und 90er werden ebenso aufgegriffen wie persönliche Erfahrungen und gesellschaftliche Veränderungen. Sein Publikum sei inzwischen generationenübergreifend. Auch jüngere Menschen würden nach den Vorstellungen auf ihn zukommen und mit den Geschichten etwas anfangen können.
Für Pissecker ist Kabarett außerdem mehr als ein paar Witze auf einer Bühne. Sein Programm arbeitet mit Projektionen, Fotos und einem eigenen Lichtkonzept. "Das gehört für mich dazu, ich möchte dem Publikum ein richtiges Theatererlebnis bieten". Denn bei aller Digitalisierung sei die unmittelbare Begegnung zwischen Künstler und Publikum durch nichts zu ersetzen.
Was würde er rückblickend anders machen?
Viel fällt Pissecker nicht ein. Große Dinge, die er bereuen würde, gebe es nicht. Eine Erkenntnis begleitet ihn aber besonders: Im Leben könne man vieles nicht unbedingt besser, aber achtsamer, liebevoller und rücksichtsvoller machen. Genau diese Gedanken finden ebenfalls ihren Platz im neuen Programm.
Ganz ans Aufhören denkt Pissecker jedenfalls nicht. "Ich will so lange auf der Bühne stehen, wie es möglich ist". Für die Zukunft schwirren bereits weitere Ideen im Kopf herum – von einer Biografie bis zu einem Theaterstück. Zunächst steht aber „Na gratuliere … von 16 bis 60“ im Mittelpunkt. Und das dürfte eine Zeitreise werden, bei der nicht nur Pissecker selbst zurückblickt, sondern auch so mancher Zuschauer die eigene Vergangenheit wiederentdeckt.
Tickets für seine Show im Casanova am Mittwoch, 9. September, gibt's hier.
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