Schwere Vorwürfe
Dicke Luft zwischen JöH und VSStÖ Wien wegen Chats

Ausgangspunkt der ganzen Sache ist ein rund ein Jahr zurückliegendes Ereignis: Das pro-palästinische Protestcamp am Alten AKH in Wien. (Archiv) | Foto: ALEX HALADA / picturedesk.com
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  • Ausgangspunkt der ganzen Sache ist ein rund ein Jahr zurückliegendes Ereignis: Das pro-palästinische Protestcamp am Alten AKH in Wien. (Archiv)
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Das Verhältnis zwischen den Studierendenvertretungen JöH und VSStÖ ist derzeit angespannt. Auslöser ist ein offener Brief des Sprachrohrs der jüdischen Studierenden, in dem sie den roten Hochschulrepräsentanten unter anderem Antisemitismus vorwerfen. Ausgangspunkt der ganzen Sache ist ein rund ein Jahr zurückliegendes Ereignis: das pro-palästinische Protestcamp am Alten AKH in Wien.

WIEN. Eine Woche nach der ÖH-Wahl sorgt eine Causa derzeit für ziemlich verschnupfte Stimmung zwischen der sozialdemokratischen Studierendenvertretung VSStÖ und der Vertretung für jüdische Studierende JöH. Dabei arbeiten die beiden Vertretungen eigentlich eng zusammen. So wurden in der letzten ÖH-Periode diverse Veranstaltungen gemeinsam organisiert.

Was war passiert? Dazu muss man die Zeit etwas zurückdrehen. Vor rund einem Jahr hatten rund fünfzig pro-palästinensisch eingestellte Aktivistinnen und Aktivisten einen Rasen im Alten AKH in Wien besetzt und dort Zelte aufgeschlagen. Das Gelände wird von der Uni Wien als Campus genutzt. Damit wollte man gegen die damalige Israel-Offensive im Gazastreifen protestieren, dem Land warf man unter anderem vor, einen Genozid zu betreiben. Vorbild waren ähnliche Protestcamps aus den USA. Jenes am Alten AKH wurde nach wenigen Tagen von der Polizei geräumt. MeinBezirk berichtete:

Pro-palästinensisches Protestcamp in Wien geräumt

Die Besetzung stieß nicht nur auf großes mediales Echo. Wie zuletzt bekannt wurde, soll auch in einer offenen Studierenden-Whatsapp-Gruppe der JöH das Palästina-Camp kommentiert worden sein. Einige Nachrichten sollen dabei einen mehr als fragwürdigen Inhalt gehabt haben. Auf dem Instagram-Kanal "camp4palestine_vienna" wurden am 10. Mai 2025 diese Chatinhalte veröffentlicht, in denen pro-palästinensische Protestierende als "Viecher" oder "cockroaches" (z.Dt. Schaben, Anm.) bezeichnet wurden.

JöH spricht von "Boykott"

Die rote Studierendenvertretung bekam jedenfalls Wind von der Sache – und verurteilte die Inhalte klar. So teilte der VSStÖ der ÖH Uni Wien der JöH mit, dass es für die weitere Zusammenarbeit wichtig sei, dass die JöH zu den Chats Stellung beziehe. Bis dahin wolle man Veranstaltungen dieser nicht bewerben.

Auf die Forderung folgte Tage später ein offener Brief der JöH, gerichtet an den VSStÖ selbst. Dass die größte ÖH-Fraktion die JöH "boykottiere", sei ein "bisher präzedenzloser Tiefpunkt" antisemitischer Entwicklung, hieß es in einer Aussendung am Mittwoch. "Offenbar hat der VSStÖ die universitären Probleme mit dem Antisemitismus nicht im Griff."

Die Besetzung stieß nicht nur auf großes mediales Echo. Wie zuletzt bekannt wurde, soll auch in einer offenen Studierenden-Whatsapp-Gruppe der JöH das Palästina-Camp kommentiert worden sein. (Archiv) | Foto: ALEX HALADA / picturedesk.com
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Auch zu den "geleakten" Whatsapp-Chatnachrichten wird im offenen Brief Bezug genommen. Diese würden von zwei Personen aus der offenen Studierenden-Whatsapp-Gruppe stammen – ein kleiner Anteil bei über 400 Mitgliedern. "Diese wurden von unserer JöH-Moderation entsprechend unseren antidiskriminatorischen Werten in Echtzeit sanktioniert bzw. gelöscht. Zudem wurden diese Inhalte von unseren Mitgliedern im Chat klar zurückgewiesen", verteidigt man im offenen Brief. Mit den Betroffenen habe man dann auch persönlich gesprochen, und zwar schon damals, wie JöH-Präsident Alon Ishay auf Nachfrage von MeinBezirk noch einmal betont.

Vorwürfe gegen VSStÖ in offenem Brief

Damit sieht JöH-Präsident Ishay die Sache als erledigt an. Ein weiteres Statement, wie es die VSStÖ fordere, werde es nie geben. "Wir als Funktionäre haben in diesem Zusammenhang nichts Falsches gemacht", sagt er. Dass dann unter dem "antisemitischen Hassposting" von "camp4palestine_vienna" die JöH und ihre Funktionäre umgekehrt als "genozidales Monster" bezeichnet und als "Lobby der zionistischen Entität" verunglimpft werden, seien laut Ishay "Lehrbuchfälle des Antisemitismus". Er sieht darin den Versuch, die JöH als "rassistische Organisation" zu diffamieren.

Man fordert jedenfalls den VSStÖ dazu auf, den "Boykott" sofort zu beenden. Gleichzeitig wirft die JöH dem roten Verband selbst einige schwerwiegende Dinge an den Kopf. (Archiv) | Foto: Karl Schöndorfer / picturedesk.com
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Ishay zeigt sich schwer enttäuschend, "dass die Spitzenfunktionäre des VSStÖ dieses Hassposting gegen die JöH nicht selbstständig einordnen konnten, weshalb wir ihnen bereits vor über einer Woche in langen Gesprächen die Situation erklären mussten." Man fordert jedenfalls den VSStÖ dazu auf, den "Boykott" sofort zu beenden. Gleichzeitig wirft die JöH dem roten Verband selbst einige schwerwiegende Dinge an den Kopf.

Man kreidet dem etwa an, an einer Demonstration einer Gruppe teilgenommen zu haben, die wiederholt Hasspostings gegen die JöH verbreitet habe. Ein weiterer Vorwurf: Ein Instagram-Account ("thepeoplesafa_vie"), der laut JöH antisemitische Inhalte verbreitet und Hamas-Verbrechen relativiert, würde von VSStÖ-Funktionärinnen und -Funktionären betrieben bzw. unterstützt.

VSStÖ weist Vorwürfe zurück

Die rote Studierendenvertretung distanziert sich wiederum von alldem. "Antisemitismus hat im VSStÖ keinen Platz. Die Vorwürfe von Vorfällen von Antisemitismus im VSStÖ weisen wir entschieden zurück, ebenso den Vorwurf des Boykotts jüdischer Studierender", so ein VSStÖ-Sprecher gegenüber MeinBezirk. Zu der Aussage, dass ein antisemitischen Instagram-Account von VSStÖ-Funktionären betrieben würde, stellt er klar: "Wir weisen diese Unterstellung zurück. Uns ist keine Person bekannt, die einen Instagram-Account namens 'thepeoplesafa_vie' betreibt. Es gibt auch keine Anzeichen dafür, dass es sich um VSStÖ-Mitglieder handelt."

Die rote Studierendenvertretung distanziert sich von alldem. (Archiv) | Foto: Weingartner-Foto / picturedesk.com
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In Bezug auf den offenen JöH-Brief findet der VSStÖ es "schade, dass kein klärendes Gespräch zustande gekommen ist und dieser Konflikt stattdessen öffentlich ausgetragen wird. Wir hoffen dennoch, dass sich die Vorwürfe beidseitig aufklären lassen." Trotz alldem sei die VSStÖ aber nach wie vor an einer Fortführung der Zusammenarbeit beider Studienvertretungen interessiert. Die Bedingungen sind dieselben wie zuvor: dass die JöH Stellung zu den Chats bezieht und diese "im Sinne einer antirassistischen Arbeitsweise aufarbeitet".

Die VSStÖ hat die JöH auch eingeladen, mit ihnen ins Gespräch zu treten. Mit Stand Donnerstag gab es vonseiten der JöH noch keine Reaktion auf das Angebot, so der VSStÖ-Sprecher. Auf Nachfrage von MeinBezirk meinte JöH-Präsident Ishay: "Vonseiten des VSStÖ ist bislang niemand mit einer Einladung an uns herangetreten."

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