Terrorprozess
Freundin von Swift-Anschlagplaner in Wien verurteilt
- Eine 18-Jährige musste sich am Mittwoch vor Gericht verantworten. Sie ist mit Beran A. (nach islamischem Recht) verheiratet – jenem Mann, der hinter den mutmaßlichen Anschlagsplänen auf die Taylor-Swift-Konzerte in Wien stecken soll. (Archiv)
- Foto: Ronja Reidinger/MeinBezirk
- hochgeladen von Ronja Reidinger
Eine 18-Jährige ist am Mittwoch vom Wiener Landesgericht wegen terroristischer Vereinigung zu 18 Monaten bedingter Haft verurteilt worden. Sie hatte Beran A. geheiratet – jenen Mann, der als Drahtzieher der mutmaßlichen Anschlagspläne auf die Taylor-Swift-Konzerte im Vorjahr gilt.
WIEN. Im Sommer 2024 soll Beran A. Anschläge auf die Taylor-Swift-Konzerte in Wien geplant haben. Ermittler kamen dem damals 20-Jährigen auf die Spur, er wurde festgenommen und sitzt seither in Untersuchungshaft. Die Ermittlungen sind weiterhin im Gange.
Am Mittwoch musste sich dafür seine 18-jährige Partnerin vor dem Wiener Landesgericht verantworten. Sie soll den Beschuldigten nach islamischem Recht geheiratet haben. Bis zu seiner Festnahme Ende Juli 2024 habe die Angeklagte ihm "zu Diensten" gestanden, schilderte der Staatsanwalt. Zudem soll sie den Mann in seinem radikalisierten Weltbild bestärkt haben.
Im Internet radikalisiert
Im Alter von zwölf Jahren sei die Angeklagte mit ihrer Familie von Deutschland nach Wien gezogen. Das Mädchen habe zuvor kaum soziale Kontakte gehabt und habe in der Religion Halt gesucht und gefunden. Über Soziale Medien sei die Jugendliche in Kontakt zu Anhängern der radikalislamischen Terror-Miliz "Islamischer Staat" (IS) gekommen.
"Sie war leicht beeinflussbar", meinte auch der Staatsanwalt. Die junge Frau leidet demnach nachgewiesenermaßen an Depressionen und einer Belastungsstörung. Sie sei in ein radikales Umfeld geraten und habe sich "für den IS indoktrinieren lassen". Dass ihr älterer Bruder dem IS zugetan war, habe der Jugendlichen es erleichtert, an einschlägiges Propagandamaterial zu kommen.
Tauschte sich über Tötung von Ungläubigen aus
Im Frühjahr 2024 lernte die damals 17-Jährige schließlich Beran A. kennen. Wenige Monate später machte dieser Schlagzeilen, weil die Direktion Staatsschutz und Nachrichtendienst (DSN) mutmaßliche Anschlagspläne des 20-Jährigen gegen ein im Ernst-Happel-Stadion geplantes Konzert der US-Pop-Sängerin Taylor Swift durchkreuzen und den Tatverdächtigen festnehmen konnte. Dieser sitzt, wie eingangs erwähnt, seitdem in U-Haft.
Die Heirat nach islamischem Recht zwischen Beran A. und der 18-Jährigen sei am 3. Juni vollzogen worden. Einwände gegen die Eheschließung hätte jedoch der ältere Bruder der Angeklagten gehabt und habe auf seine Stellung als deren "Vormund" verwiesen.
- Wegen terroristischer Vereinigung und krimineller Organisation wurde die junge Frau rechtskräftig zu 18 Monaten bedingter Haft verurteilt.
- Foto: Erich Weber
- hochgeladen von Ronja Reidinger
"Um die Beziehung zu Beran A. aufrechtzuerhalten, hat sie diesem angeboten, sie als Sklavin zu nehmen", schilderte der Staatsanwalt. Dem wiederum hätten sowohl Beran A. als auch der Bruder zugestimmt. Die Beziehung sei bis zum 29. Juli fortgeführt worden. An jenem Tag erfolgte auch die Festnahme des verhinderten Swift-Attentäters.
Wie die Auswertung der Chatverläufe des Paares ergab, hatten die Angeklagte und Beran A. bis zu diesem Zeitpunkt intensiv über den IS und dessen Ideologie ausgetauscht und sich dabei gegenseitig in ihren Überzeugungen und Wertvorstellungen bestärkt. Besonders die Tötung sogenannter Ungläubiger stand dabei im Mittelpunkt ihrer Gespräche.
18 Monate bedingt
Dass die Angeklagte im Wissen über die terroristischen Absichten ihres Partners war, habe man nicht nachweisen können, wie der Richter in der Urteilsverkündung begründete. Den Ermittlungsergebnissen zufolge sei sie nicht in die Anschlagspläne eingebunden gewesen. Nach der Festnahme ihres Gefährten hätte sie die Beziehung zudem für beendet erklärt. Vor Gericht bekannte sich die junge Frau schuldig und gab an, "die Sachen", die sie gemacht habe, zu bereuen. Überdies habe sie keine weiteren Angaben machen wollen und machte von ihrem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch.
Wegen terroristischer Vereinigung und krimineller Organisation wurde die junge Frau rechtskräftig zu 18 Monaten Haft verurteilt, von der jedoch unter Setzung einer dreijährigen Probezeit bedingt nachgesehen wird. Zudem wurde ihr die Weisung erteilt, weiterhin an einem Deradikalisierungsprogramm teilzunehmen, das sie von sich aus seit vergangenem Juni in Anspruch nimmt. Weiters muss sie sich einer Psychotherapie und einer fachspezifischen psychiatrischen Behandlung unterziehen.
Das könnte auch interessant sein:
Link einfügen
Video einbetten
Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.
Karte einbetten
Social-Media Link einfügen
Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.
Code einbetten
Beitrag oder Bildergalerie einbetten
Foto des Tages einbetten
Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten
Du möchtest selbst beitragen?
Melde dich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.
Hier gehts zu den aktuellen
Du möchtest kommentieren?
Du möchtest zur Diskussion beitragen? Melde Dich an, um Kommentare zu verfassen.