Filmclub Zwettl trotzt Coronavirus
Jubiläumsfeier mit "Refugee Lullaby" und jiddischen Liedern

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ZWETTL. Als eine der letzten Veranstaltungen im Bezirk aufgrund des Coronavirus-Erlasses, feierte der Filmclub Zwettl am 11. März sein 20-jähriges Bestehen im sparkasse.event.raum.

Da die Gästezahl unter 100 lag, hatte man sich dazu entschlossen, die Feier stattfinden zu lassen. "Wir haben lange überlegt, was wir mit der Veranstaltung tun sollen und haben entschieden, dass wir im kleinen Rahmen feiern und jeder für sich selbst verantwortlich ist, wie er es handhabt. Wir gehen davon aus, dass wir verantwortungsvoll damit umgehen", so die Obfrau Herta Freund-Klopf. Der große Dank seitens des Filmclubs galt den Sponsoren und Partnern, allen voran Waldviertler Kinos-Geschäftsführerin Julia Gaugusch-Prinz, Bürgermeister Franz Mold, Kulturstadträtin Andrea Wiesmüller sowie der Zwettler Grünen-Chefin und Stammkundin des Filmclubs Silvia Moser.

Eine Erfolgsgeschichte

Seit 20 Jahren zeigt der Filmclub Zwettl Filme im Stadtkino, die normalerweise in heimischen Kinos nicht gespielt werden. Film ab! hieß es das erste Mal am 23. März 2000 mit dem österreichischen Film "Nordrand". Die zweite Vorführung eine Woche darauf mit "Geboren in Absurdistan", ist Herta Freund-Klopf in besonders schlechter Erinnerung: "Das war noch die Zeit, in der die Filmrollen üblich waren. Der Film lief eine Stunde lang und plötzlich war das Bild verkehrt und der Ton unverständlich. Es hatte jemand, der den Film vorher ausgebogt hatte, die vierte Rolle nicht zurückgespielt und wir mussten die Rolle händisch abrollen. Die Besucher sind tatsächlich eine halbe Stunde sitzengeblieben - das zeigt auch die Qualität unseres Publikums." 

Über die Jahre hinweg wurde an verschiedenen Orten gespielt - erst im Zwettler Kino, dann in Allentsteig, im Hamerlingsaal des Gasthauses Schierhuber und dank Frau Gaugusch-Prinz fand man wieder den Weg zurück in das Waldviertler Kino Zwettl. Eine besondere Vorliebe hat der Filmclub für französische Komödien. Ein Highlight ist auch das traditionelle Sommerkino. Im Jänner 2017 durfte sich der Filmclub über das Ehrenzeichen für Kultur freuen.

Filmvorführung & Konzert 

Das Jubiläum wurde mit einer besonderen Filmvorführung im sparkasse.event.raum gefeiert. Gezeigt wurde der Film "Refugee Lullaby" der israelischen Filmemacherin Ronit Kertsner. Diese drehte eine Doku über den Aussteiger und letzten Wanderhirten Österreichs Hans Breuer, der sich im Herbst 2015 immer wieder an die ungarische Grenze begibt, um Flüchtlingen zu helfen. Hans Breuer war auch persönlich anwesend und stand nach der Vorführung für Fragen zur Verfügung. Gemeinsam mit Geigenvirtuose Aliosha Piz und Perkussionistin Maria Petrova gab er anschließend ein Konzert mit traditionellen und selbstkomponierten jiddischen Liedern. Als besonderes Geburtstagsgeschenk präsentierte er den "Jodler für zwanzig Jahre Filmclub Zwettl".

Hans Breuer: Der letzte Wanderhirte

Hans Breuer, Sohn einer kommunistischen Mutter und eines jüdischen Vaters, führt als Aussteiger ein außergewöhnliches und bescheidenes Leben. Als letzter Wanderschäfer Österreichs zieht er quer durch das Land, hütet Schafe und singt dabei jiddische Lieder. Im Herbst 2015 beginnt er, Flüchtlingen an der Grenze zu helfen.

Der Film "Refugee Lullaby" entstand zwischen den Jahren 2015-2019. Ausgangspunkt war ein virales Video: Ein Mann singt einer arabischen Flüchtlingsfamilie, die er von der ungarischen Grenze nach Österreich bringt, ein jiddisches Lied vor und die Flüchtlinge stimmen mit ein. Die israelische Filmemacherin Ronit Kertsner machte diesen Mann, Hans Breuer, ausfindig, begleitete ihn über Jahre hinweg und dokumentierte sein Leben. Breuer, der seit zwanzig Jahren jiddische Lieder und Weltmusik singt und schreibt, hat auch die Musik zu diesem Film gemacht. Am Film verdient er selber aber nichts, wie er sagt.

Mit einem selbstgebauten Wohnwagen samt Familie zog Hans Breuer 45 Jahre lang als Wanderschäfer durch Österreich. Seit einem Jahr ist er in Pension und lebt in Wien. Einige Zeit hat er seine Herde auch im Bezirk Krems und in der Gföhler Gegend gehütet. Dass seine Arbeit nicht immer leicht war und er sich seinen Lebensunterhalt schwer verdient hat, liegt auf der Hand: "Es ist kein Wunder, dass dieser Beruf in Österreich heute ausgestorben ist und dass es keine Schafler mehr gibt wie früher. Es gibt genug Zonen, wo das Rindvieh nicht hin kann und es deswegen nicht beweidet wird, aber auf das Hirtenwesen legt man nicht mehr wirklich Wert. Was zählt sind Jagd und Tourismus, daran verdienen die Almbesitzer. Wir haben uns oft mit unserem Wohnwagen verstecken müssen, damit wir das idyllische Bild für die Touristen nicht stören. Auch war meine Arbeit wirtschaftlich nicht mehr rentabel", so Breuer. 
Mit seiner Band WanDeRer spielt er öfter Konzerte und hat auch schon Alben aufgenommen.

Autor:

Katrin Pilz aus Krems

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