Versorgung
Kochen für das Bundesheer: Zentral oder Regional?

Die zentrale Großküche produziert täglich Essen für tausende Soldaten.
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  • Die zentrale Großküche produziert täglich Essen für tausende Soldaten.
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FPÖ-Wehrsprecher Jürgen Handler fordert die Abschaffung des Zentralküchen-Systems beim Bundesheer. Mit Verweis auf die umfangreiche Transportlogistik, die die Umwelt unnötig belastet, sollen die NÖ Kasernen das Essen für die Soldaten wieder selbst unter Verwendung von regionalen Lebensmitteln zubereiten. Zustimmung kommt von den anderen Parteien, die sich ebenfalls eine Dezentralisierung wünschen. 

BEZIRK ZWETTL. „Das System der Zentralküche beim Österreichischen Bundesheer hat in allen Belangen versagt. Von Frische und Regionalität kann überhaupt keine Rede sein“, sagt FPÖ-Wehrsprecher Jürgen Handler, der selbst Offiziersstellvertreter sowie Personalvertreter ist. „Alleine in Niederösterreich verbraucht die Transportlogistik fast eine Million LKW-Kilometer, um die Fertigmenüs von Wiener Neustadt in die jeweiligen Garnisonen zu liefern. Ich möchte von der zuständigen Ministerin Tanner gerne wissen, wie das mit der permanent vorgeschobenen Klimaschutzpolitik der schwarz-grünen Bundesregierung vereinbar ist“, so Handler. Bevor das Essen die Zentralküche in Wiener Neustadt verlässt, wird die Ware in der Regel von einem Großlieferanten aus Zwettl angeliefert.

Drastisches Beispiel TÜPL

Die FPÖ gibt folgendes Beispiel: Die Wegstrecke von Zwettl nach Wiener Neustadt beträgt 190 Kilometer. Dort wird das Essen vorbereitet und anschließend 170 Kilometer nach Allentsteig transportiert. Insgesamt werden also für nur eine Essenslieferung einer Kaserne 360 Kilometer Wegstrecke zurückgelegt (Die Strecke Zwettl – Allentsteig beträgt 20 Kilometer).  Die FPÖ NÖ will das System der Zentralküche über Bord werfen.
„Jeder Kasernenstandort soll zu einer autarken Sicherheitsinsel werden, wo selbst, frisch und regional gekocht wird“, fordert Handler. Wie die Kronen Zeitung heute berichtet, dürfte dem Ministerium der Vorschlag der Freiheitlichen schmecken. Es wird Zustimmung signalisiert. „Wir werden nun schnellstmöglich den NÖ Landtag damit befassen und auf eine ordentliche Umsetzung achten. Wichtig ist, dass unsere regionalen Lebensmittelproduzenten bestmöglich eingebunden werden“, sagt Handler. 

Kritik auch an der Qualität

Dass mit der Zentralküche und den so genannten Finalisierungsküchen in den Kasernen besonders die Qualität des Essens leidet, liegt laut Handler auf der Hand. Die erste Zubereitung passiert entweder im Kombidämpfer oder bei Convenience und Frischware auf herkömmliche Art. Anschließend wird das Essen für die Verpackung auf 75 Grad Celsius gekühlt und die Lebensmittel kommen zur Verpackungsmaschine. Dort wird der Sauerstoff entzogen und das Essen mit Stickstoff begast. Dann erfolgt der Kühlvorgang auf vier Grad. Die fertigen Speisen werden an die Speditionsfirma übergeben und anschließend ausgeliefert. Die durchschnittliche Lagerung in den Finalisierungsküchen beträgt zwei Tage. Letztlich werden die Speisen erwärmt und ausgegeben. „Das hat nichts mehr mit Essen zu tun, sondern ist schlichtweg Müll. Nicht umsonst klagen viele Soldaten über mangelnden Geschmack, wenig Flexibilität, geringe Abwechslung und sogar Lebensmittelunverträglichkeit aufgrund der Begasung mit Stickstoff“, übt Handler Kritik.

Regionale Produzenten sollen profitieren

„Uns ist es wichtig, dass unsere niederösterreichischen Bauern, Bäcker und Fleischer im Umfeld der Kasernenstandorte in die Versorgung eingebunden werden und unsere Soldaten frisch zubereitete, qualitativ hochwertige und zu einhundert Prozent regionale Lebensmittel auf den Tellern haben. Mir kann niemand erzählen, dass begastes Essen mehr Vitamine und Nährstoffe beinhaltet als frisches Essen aus der Region. Ministerin Tanner soll bitte mit ihren Marketing- und Werbeschmähs aufhören. Derzeit isst das Bundesheer weder regional, noch gesund und schon gar nicht frisch“, sagt Handler.

Durchwegs positive Reaktionen der anderen Parteien

"Ich kann die Forderung der FPÖ nur unterstützen. Wir haben diese Zentralküche von Anfang an kritisiert und für einen Schildbürgerstreich gehalten. Schon damals – 2012 – konnte man die angeführten Argumente  wie gesunde, ausgewogene Ernährung, Einsparungen, etc. widerlegen, erklärt Silvia Moser von den GRÜNEN. Für die GRÜNEN  fordern ebenfalls die Vermeidung von sinnlosem Lieferverkehr, besonders in Zeiten der Klimakrise. Auch Moser will das Einkauf sowie Wertschöpfung und damit Arbeitsplätze zurück in unsere Region kommen und Einkommen sichern. Auch sie möchte die Qualität der Speisen durch frische Zubereitung und regionalen Einkauf sicherstellen.
Für SP-Bezirksvorsitzender Herbert Kraus  widerspricht das Modell der Zentralküche der strategischen Notwendigkeit autarker Kasernen. "Wir brauchen nur an hybride Bedrohungen wie Black-Out denken. Kasernen der Zukunft müssen auf Eigenversorgung ausgerichtet werden." Auch für den Versorgungsbereich sind daher Neue Konzepte erforderlich. "So weit wie die FPÖ zu gehen und die Qualität des Essens in Frage zu stellen, würde ich nicht gehen. Es braucht keine Polemik, es braucht einen Plan, den die Ministerin nicht hat….. Weder in der Nahrungsversorgung noch in Bezug auf Autarkie der Kasernen. Bis auf Stückwerk und einzelner Notstromaggregate wurde nicht geliefert."
Der Obmann des Gemeindebundes des Bezirkes Zwettl, Maximilian Igelsböck (ÖVP), kritisiert ebenfalls die aktuelle Situation. "Die Zentralküchenlösung für unsere Kasernen im Osten Österreichs war für mich nie nachvollziehbar. So eine Einrichtung derartig dezentral zu installieren ist unverantwortbar. Es widerspricht jeglicher Logik. Eine zentrale Küche für die Kasernen des Waldviertels, in zentraler Lage im Waldviertel, wäre für mich das Höchstmaß an Zentralisierung!", so Igelsböck.

Die zentrale Großküche produziert täglich Essen für tausende Soldaten.
FP-Wehrsprecher Jürgen Handler
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