13.11.2016, 22:00 Uhr

Nestroy im Theater am Schönbach

Das wunderbare Ensemble war Garant für einen herrlich illustren Premieren-Abend mit einem stets aktuellen Stück über Geld und Gier.

Urösterreichisches Theater gab es Samstagabend im Theater am Schönbach: Nestroys Posse „Der Zerrissene“ hatte Premiere.

SCHÖNBACH (ms). Lange nicht mehr so gut unterhalten! Einfach großartig! Gehen Sie hin! Schauen Sie sich das an! Damit könnte man Marlies Wagners und Alfred Kaltenbergers Inszenierung von Nestroys „Der Zerrissene“ im Theater am Schönbach hinlänglich beschreiben. Und aus. Aber Sie wollen wahrscheinlich mehr wissen.
Also: Bei der Premiere glänzten nicht nur die Champagnergläser in Herrn von Lips Anwesen, es glänzten vor allem die Schauspieler: Werner Vogl gab einen genialen „Zerrissenen“. Man sah ihm seinen Spaß förmlich an beim Spielen des reichen und lebensüberdrüssigen Herrn von Lips. Er hat alles, darum ist ihm nichts etwas wert: „Meiner Seel, ’s is a fürchterlich’s G’fühl, wenn man selber nicht weiß, was man will.“ Die ironischen Gesangsstücke zählten zu den absoluten Höhepunkten des mit viel Applaus bedachten Stücks. Weiters gab es ein Wiedersehen mit den Publikumslieblingen Michaela Moser als gute Seele Kathi und Sonja Mayerhofer-Wagner als leichtlebige Madame Schleyer, die das Glück hatte, Herrn von Lips im richtigen Augenblick über den Weg zu laufen. Alfred Kaltenberger und Jürgen Mayerhofer packten als rabiater Gluthammer und grober Krautkopf ihr Komiker-Handwerkszeug aus. Köstlich waren auch Joachim Wagner und Johann Hofbauer – zwei echte Originale, die als „beste Freunde“ nicht viel tun mussten, um das Publikum zum Lachen zu bringen. Besonders lustig: Cornelia Kaltenberger als Magd und Engelbert Stöger als Knecht. Christina Vogl-Jank legte die Frau Justizrat sehr charmant an. Technik (Gregor Brunner, Martin Obereder, Johann Wagner) und Bühnenbild (Bernhard Wagner), einige Aktualisierungen zum Zeitgeschehen und die Musik ergänzten das Stück an den richtigen Stellen und verliehen noch mehr Charme und Unterhaltungswert. Wenn die weiteren vier Aufführungen (19. und 20.11.2016 sowie 25. und 26.11.2016) so ablaufen wie die Premiere, dann sollte man schnellstens versuchen, die begehrten Karten bei Sabine Bauer in Schönbach zu ergattern. Reservierungen: 0664/8626860.

Kommentar

Wenn die Schönbacher Theater spielen

Es geht ums Geld. Im wirklichen Leben und auch auf der Bühne, in Nestroys „Der Zerrissene“. Thematisiert wird die gelangweilte, übersättigte Gesellschaft, in deren Umfeld die so genannten guten Freunde nach dem Reichtum anderer gieren, und die Sehnsucht nach einem erfüllten Leben. „Entweder man hat von dem einen zu viel und vom anderen zu wenig“ – der Hauptfigur geht es so. Bis sie das bemerkt, ist das Stück auch schon wieder am Ende. Auf dem Weg dorthin, ist es allerdings wunderbar unterhaltsam – Theater mit exzellenten Schauspielerleistungen, Niveau und Unterhaltungswert.
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