18.10.2016, 15:22 Uhr

"Die Schule mit Jobgarantie"

HTL-Direktor Ernst Zisser: "Die Schule braucht den Industriestandort Kapfenberg, die Region braucht unsere Absolventen." (Foto: Pashkovskaya)

Die WOCHE im Gespräch mit dem Kapfenberger HTL-Direktor Ernst Zisser.

Bislang haben wir in den WOCHE-Tischgesprächen innovative oder traditionelle Unternehmer vorgestellt. Jetzt erweitern wir diese Unternehmensportraits Schritt für Schritt auch auf besonders herzeigbare Bildungseinrichtungen in unserer Region. Den Auftakt macht Ernst Zisser, seit sieben Jahren Direktor an der Höheren Technischen Bundeslehranstalt in Kapfenberg und seit 26 Jahren Lehrer an dieser Schule.

Herr Direktor, was sind aktuell die größten Herausforderungen einer berufsbildenden, technischen Schule?
ERNST ZISSER: Sicherlich der technische Wandel, Stichwort Industrie 4.0. Da müssen wir mit, in diesem Entwicklungsprozess dürfen wir auf keinen Fall den Anschluss verpassen. Eine weitere Herausforderung ist die demografische Entwicklung in der östlichen Obersteiermark. Wir haben gegen sinkende Schülerzahlen anzukämpfen und da steht man automatisch in einem Konkurrenzverhältnis zu anderen Schultypen. Obwohl wir mit unserer technischen Ausrichtung schon ein Alleinstellungsmerkmal haben. Durchaus als Herausforderung dürfen auch die Reformen im Bildungssystem angesehen werden, zum Beispiel die Zentralmatura. Die Wörter Überregulierung und überbordende Bürokratie möchte ich nicht in den Mund nehmen.

Es werden Schulzweige angeboten, die sich technisch rasend schnell weiterentwickeln. Kann man als Schule mit diesem Tempo mithalten?
Wir tun unser Bestes. Jedoch ist es nur sehr schwer möglich, auf dem letzten Stand der Technik zu sein. Wir investieren laufend sehr viel Geld in die Ausstattung unserer Labors und Werkstätten.

Modernste Technik kostet viel Geld: Kann die Finanzierung mithalten?
Was soll man da als Schulleiter antworten? Das Geld wird nie reichen. Wir haben es uns angewöhnt, sehr kreative Lösungen zu finden. Man sieht andererseits aber auch, dass dem Bund als Schulerhalter, die Schule doch etwas wert ist. Das Gebäude wurde zur Gänze thermisch saniert, mit neuen Fenstern und neuer Fassade. Dadurch hat die Schule ein modernes, neues Gesicht auch nach Außen bekommen.

Provokant gefragt: Werden an einer technischen Schule „Fachidioten“ gezüchtet?
Die Allgemeinbildung gewinnt gerade an der HTL zunehmend an Bedeutung. So haben die Schüler die Wahl, im Herbst die Matura in den Naturwissenschaftlichen Fächern vorzuziehen. Sie haben dadurch zum Haupttermin ein Maturafach weniger. So können sich die Schüler auch auf diese allgemeinbildenden Fächer besser konzentrieren.

Wie wichtig ist der Standort Kapfenberg für die Schule? Und umgekehrt: Was hat Kapfenberg bzw. die Region von der Schule?
Kapfenberg und die Industrieregion sind sehr wichtig für uns! Wir können als Schulstandort nur deswegen überleben, weil wir hier an diesem wichtigen Industriestandort ständig mit Wirtschaft und Industrie kooperieren. Diese Abhängigkeit gilt auch für die andere Seite: Der obersteirische Zentralraum braucht unsere Absolventen wie einen Bissen Brot. Für die Schulabgänger gibt es fast schon eine Jobgarantie.

Wie wird eine HTL in 20 Jahren ausschauen?
In die Zukunft zu schauen, das ist wie Lesen im Kaffeesud. Dieser Schultyp wird sich stets nach der technischen Entwicklung ausrichten.
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