04.10.2016, 11:36 Uhr

Gratwein: Bürgerbeteiligungsbüro kommt – nicht ohne Gegenwind

Am Gratweiner Hauptplatz wird das neue Bürgerbeteiligungsbüro entstehen, das auch zur Belebung des Ortskerns beitragen soll. (Foto: EE)

Nicht alle im Gratweiner Gemeinderat haben für das Büro gestimmt.

Den Bürgern die Möglichkeit geben, aktiver am Gemeindegeschehen beteiligt zu sein – das ist die Idee hinter dem geplanten Bürgerbeteiligungsbüro in Gratwein, das am Hauptplatz angemietet wird und zur Belebung des Ortskerns beitragen soll. Einfach war der Beschluss jedoch nicht: SPÖ und Grüne stimmten dafür, die FPÖ dagegen, die ÖVP enthielt sich der Meinung.

Zukunftspläne

Schon vor der Gemeindefusion arbeiteten diverse Gruppen an Maßnahmen für die rund 13.000 Einwohner zählende Großgemeinde. Ziel ist die aktive Einbindung der Bevölkerung in die künftige Entwicklung und Vernetzung der Ortsteile über Parteigrenzen hinweg. Aus Initiativen der Bürgerbeteiligungsgruppen entstanden so etwa das Repair Café, eine Schreibwerkstatt sowie Aktivitäten in den Bereichen Gesundheit, Fitness und Kulturgeschichte. Projekte zur nachhaltigen Umweltnutzung und sozialgerechten Entwicklung werden durch die 'Agenda 21' vom Land Steiermark gefördert.
"Ich habe Verantwortung gegenüber den Gruppen, die sehr viel Arbeit und Zeit freiwillig investieren", ist Projektleiterin Vzbgm. Doris Dirnberger froh, nun Räumlichkeiten für die Bürgerbeteiligung zu haben. "Wenn man politisch etwas ernst meint, dann muss man auch die Strukturen dafür schaffen", begründet Sandra Krautwaschl die Befürwortung des Gemeinderatsbeschlusses durch die Grünen.
Am Eckgebäude an der Reinerstraße/Oswalderstraße ist auf 120 Quadratmetern neben dem Büro ein Kost-nix-Laden geplant. Auch mit den Tagesmüttern Frohnleiten und der Volkshilfe sei man im Gespräch.

Gegenstimmen

Für FPÖ-Vzbgm. Wolfgang Lagger stehen die bisherigen Ergebnisse der Bürgerbeteiligung aber in keiner Relation zum Aufwand. „Eine Bürgerbeteiligung macht nur Sinn, wenn sie von einer breiten Basis getragen wird. Das ist in unserer Gemeinde keineswegs der Fall“, sagt er. „Unsere Ablehnung hat mit den enormen Kosten für das gesamte Bürgerbeteiligungsprojekt zu tun. Rund 100.000 Euro müssen die Steuerzahler für dieses umstrittene Experiment aufbringen. Hinzu kommen nun auch die Kosten für das angemietete Lokal. Eine Ausgabe, die wir schon von der Notwendigkeit her nicht für vertretbar halten.“ So ähnlich klingt es auch vonseiten der ÖVP. "Prinzipiell haben wir kein Problem mit der Bürgerbeteiligung – im Gegenteil, wir schätzen die Arbeit und würden Neues begrüßen. Dennoch ist unklar, wo sich die Partei- von der Bürgerbeteiligung trennt", sagt ÖVP-Gemeindevorstand Birgit Krainer. "Grundsätzlich ist das Bürgerbeteiligungsbüro eine gute Sache, wenn alles im geordneten Rahmen verläuft. Eine sinnvolle Gestaltung ist aber schon aufgrund der Kosten, die der Steuerzahler trägt, nicht erkennbar", fügt sie hinzu.
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