28.07.2016, 12:30 Uhr

„Grüß Gott“ auf Französisch

Eines der beliebtesten Fotomotive von Saint-Georges-du-Bois ist die Kirche. (Foto: Lickl privat)

Gemeindepartnerschaften schweißen Menschen zusammen. Es sind nicht nur die sonnigen Zeiten, die eine solche Verbindung so wertvoll machen.

„Erst gab es im Gemeinderat ein Murren, dann ein ´warum nicht´ und dann kam ´probieren wir es´“, erzählt GR Christine Lickl von der Geburtsstunde der Gemeindepartnerschaft zwischen St. Bartholomä und Saint-Georges-du-Bois im Jahr 2000. Nach der Anfrage seitens der Landesregierung und dem Entschluss, es zu versuchen, gab es zunächst schriftlichen Erstkontakt. Da ein Gemeinderat in diesem Jahr ohnehin eine Reise nach Frankreich unternahm, schneite er mitten im Sommer bei den neuen Freunden vorbei. Der Einzige, den er bei der Hitze im Ort angetroffen hat, war der dortige Bürgermeister. Trotz beiderseitig bester Absicht passierte vorerst nicht viel in Richtung gemeinsamer Aktivitäten. Erst als Frau Lickl selbst anlässlich eines Paris-Aufenthaltes kurzerhand in den TGV stieg und schnurstracks ins Saint Georger Gemeindeamt marschierte, ging es richtig los. Mit den Worten „Grüß Gott! Nicht schrecken, ich bin eh allein gekommen“ hat sie wohl den Bann gebrochen.

Hin und Her

Beim Mittagessen im örtlichen Wirtshaus wurde sie noch als Exotin bestaunt, doch schon bald trafen die ersten sieben französischen Besucher in St. Bartholomä ein. Beim nächsten Mal waren es bereits mehr. Einmal 12 und einmal 20 Personen aus St.Bartholomä reisten in die entgegengesetzte Richtung, nach Saint Georges. Doch nach dem zweiten Gegenbesuch flogen nur noch Briefe hin und her. Vereinzelt kamen Gäste aus Saint Georges, allerdings nicht in offizieller Mission. Etliche fanden im oder, wenn sie mit dem Wohnmobil unterwegs waren, vor dem Hause Lickl nicht nur Obdach, sondern in Freud und Leid vor allem eine Gesprächspartnerin.

Neuauflage

In Bruno Lainé hat die Gemeinde tatkräftige Unterstützung gefunden, die Gemeindepartnerschaft neu zu beleben. „Es gibt noch etwas anderes als das eigene Land“, spricht sich der Neo-St. Bartholomäer ganz klar für den Blick über den Tellerrand aus. Vor allem für die Jugend sei es wichtig zu sehen, wie andere Nationalitäten arbeiten, mit welchen Problemen sie zu kämpfen haben, wie bzw. welche Lösungen sie finden. Außerdem erweitert es den Horizont, mit unterschiedlichsten Zugängen gemeinsam an Projekten zu arbeiten. In diesem Sinne liegt dem gebürtigen Franzosen vor allem das Thema Schüleraustausch am Herzen. Als er vor etwa einem halben Jahr angeregt hat, den Kontakt wiederzubeleben, setzte Bürgermeister Josef Birnstingl umgehend alle Hebel in Bewegung. „Seitens der Gemeinde Saint-Georges-du-Bois wurden unsere Vorschläge durchaus begrüßt. Es gab in der Gemeinde-Zeitung bereits einen Aufruf an die Bevölkerung, sich bei Interesse zu melden. Jetzt müssen wir abwarten, was passiert“, sieht Birnstingl einem regen Austausch, der neben dem Schüleraustausch auch die Vereinsebene auf beiden Seiten bereichern soll, positiv entgegen.
Erste Wirkung zeigten zwei Briefe von Lickl und Lainé sowie der Zeitungs-Aufruf bereits. Vor wenigen Wochen machte ein Ehepaar aus Saint-Georges-du-Bois im Zuge seiner Österreich-Reise für einige Tage Station in St. Barholomä. Mit vereinten Kräften wurde alles getan, um den Gästen ihren Aufenthalt so angenehm wie möglich zu gestalten. Möge die Gemeindepartnerschaft-Neu gelingen!

Infos:

Saint George ist eine Gemeinde mit ca. 2.000 Einwohnern im Departement Sarthe.
Die Gemeinde hat einige große Landwirtschaften, die meisten Bewohner arbeiten allerdings außerhalb des Ortes.
Bekannt ist Saint-Georges-du-Bois nicht zuletzt durch seine Lage in unmittelbarer Nachbarschaft von Les Mans. Seit 1923 finden hier zumeist Mitte Juni die aufregenden 24-Stunden-Rennen statt. Legten die Automobile ursprünglich 17,3 Kilometer zurück, wurde die Strecke 1932 auf 13,5 Kilometer reduziert. Für Motorradfahrer gibt es eine kürzere permanente Rennstrecke, die Abschnitte für die Autofahrer werden auch als Landstraßen genutzt.
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