22.06.2016, 14:42 Uhr

Markus Pichler von der Sportunion fordert: "Sportvereine müssen als Bildungspartner anerkannt werden!"

Aktiver Spaß: Projekte wie das „Bewegungsland Steiermark“ funktionieren bereits in Schulen und vermitteln Freude am Sport. (Foto: Bewegungsland Steiermark)

Der Sportunion-Geschäftsführer wünscht sich eine stärkere Kooperation zwischen Schulen und Vereinen.

Acht Stunden sitzend in einem Raum mit 20 anderen Leuten, stickige Luft, hohe Konzentration ist gefragt, aber zwischendrin gibt es kaum eine Möglichkeit, sich zu bewegen. Das ist ein Schulalltag, wie er es nicht sein sollte. Eleonore Krenn, Koordinatorin für Sport an der KPH Graz, forderte daher letzte Woche an dieser Stelle mehr Bewegungseinheiten in den Schulen.
„Das ist genau das, worum es uns geht und wofür wir kämpfen“, meint Markus Pichler, Geschäftsführer der Sportunion Steiermark. „Lernleistungen von Kindern sind nachweislich besser, wenn ausreichend Bewegung stattfindet.“ Pichler wünscht sich daher eine bessere Zusammenarbeit zwischen Schulen und Vereinen. So sieht er im „Bewegungsland Steiermark“, das von den drei Dachverbänden ASKÖ, ASVÖ und Sportunion getragen wird, ein erstes Vorzeigeprojekt für ganz Österreich. „Vereine sollten als Bildungswesen anerkannt werden, mit dem ‚Bewegungsland Steiermark‘ ist hier bereits ein Anfang getan.“

Frischer Wind, neue Ideen

Trotz dieses ersten Schrittes in die richtige Richtung fehlt es laut Pichler noch an ausreichender Umsetzung. Der Geschäftsführer würde sich wünschen, dass am Vormittag in den Schulen erste sportliche Schnuppereinheiten von Experten angeboten werden, um für frischen Wind in den Schulen zu sorgen und das Lehrpersonal zu entlasten. „Unsere Pädagogen sollen alles perfekt können – Englisch, Mathe, Deutsch unterrichten und dann noch die Trainer von den Marcel Hirschers der Zukunft sein. Vereine könnten hier gut aushelfen“, meint er.
Dadurch würde man auch eine Qualitätssteigerung im Turnunterricht erzielen und den Kindern ein zusätzliches Angebot in den Schulen bieten.

Gesundheit fördern

Wichtig ist Pichler dabei, dass dieser Nachmittagsunterricht abwechslungsreich gestaltet wird, sodass die Kinder Spaß und Freude an der Bewegung haben und langfristig für den Sport begeistert werden, sowie dass die Betreuung durch die Vereine auch entsprechend belohnt wird. „Außerdem kommt es der Gesellschaft und dem Gesundheitssystem präventiv zugute, je früher Kinder mit ausreichender Aktivität beginnen.“
Der Gesundheitsfonds hat diesen Nutzen für sich bereits erkannt und engagiert sich als Partner beim „Bewegungsland Steiermark“. Generell ist eine positive Tendenz bei der Kooperation zwischen Bildungseinrichtungen und Vereinen zu beobachten, meint Markus Pichler. Dennoch sieht er weiterhin einen Aufholbedarf gegeben, da beispielsweise in der Volksschule von drei auf zwei Bewegungseinheiten pro Woche runtergeschraubt wird. „Man weiß, wie gut körperliche Betätigung für uns alle ist, aber trotzdem tut sich hier noch zu wenig. Kindern sollte täglich die Möglichkeit geboten werden, Sport zu betreiben. Hier sind Bildungseinrichtungen wie Vereine gefragt.“

Schreiben Sie uns!

Ihre Meinung ist gefragt: Inwieweit sollten Vereine die Aufgabe übernehmen, Kinder für Sport zu begeistern? Müssen Pädagogen und Pädagoginnen die gesamte Verantwortung übernehmen oder externe Sportexperten unterstützend in die Schulen kommen? Schreiben Sie uns an leserbrief@woche.at

Das Bewegungsland Steiermark
Das "Bewegungsland Steiermark" ist ein Programm des Landes und der drei Sportdachverbände ASKÖ, ASVÖ und der Sportunion in Kooperation mit dem Landesschulrat Steiermark. Die Idee ist, Kinder und Erwachsene im ganzen Land für Bewegung und Sport zu begeistern. 300 Vereine, über 100 Gemeinden und mehr als 470 Bildungseinrichtungen sind bereits als Partner mit an Bord. Durch das Programm soll eine Gesundheitsförderung der Bevölkerung stattfinden und ein starkes Netzwerk zwischen Sportvereinen und Schulen geschaffen werden. Ein Projekt des "Bewegungslandes Steiermark" sind etwa die "Sumidays@school", wo Volksschüler einen Vormittag lang von Experten an verschiedenen Bewegungsstationen gefordert und gefördert werden.
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