04.08.2016, 10:00 Uhr

Pokémon GO muss nicht nur ein Fluch sein

Sommertrend 2016: Pokémon GO wird in vielen Städten leidenschaftlich gerne gespielt. (Foto: pixabay.com)

Dr. Streit gibt Rat und Antwort, was zu tun ist, wenn Kinder nur mehr auf Pokémon-Jagd sind.

Das Videospiel “Pokémon GO“ ist zurzeit in aller Munde. Ein richtiger Hype ist entstanden und hat eine regelrechte “Rausgeh-Lust“ ausgelöst. Eigentlich müssten sich Eltern freuen, dass ihre Kinder in die freie Natur wollen, aber das Spiel kann auch gefährlich werden, da die Spieler oft wie ferngesteuert durch die Welt laufen und den Blick nicht mehr vom Handy abwenden. Nichts interessiert sie mehr, keine herannahenden Autos und geschweige denn andere Verkehrsteilnehmer. Man ist blind für die Umgebung und das Spiel fordert die ganze Aufmerksamkeit. Daher hört man immer wieder von schrecklichen Ereignissen, die durch Pokémon GO passieren. Es wird zurecht davor gewarnt, dass Pokémon GO die Aufmerksamkeit voll beansprucht und blind für die Umgebung macht.
Jedoch führt das Spiel laut ersten Untersuchungen auch zu Besserung von Sozialphobien und Linderung von Depressionen. Schüchterne Menschen würden auch ihre Hemmungen überwinden und soziale Kontakte mit anderen suchen. Prosozial ist das Spiel dennoch nicht, da versucht wird sich stärker zu machen und andere zu besiegen. Das kooperative Element ist daher nur gering ausgeprägt.

Tipps für Eltern
Mit diesen Ratschlägen von Dr. Philip Streit können Sie lernen, mit Ihrem Pokémon-spielenden Kind besser umzugehen:

1. Aneignung des Spieles. Schauen Sie nicht weg, wenn Pokémon auf Sie zukommt. Versuchen Sie, sich das Spiel anzueignen.
2. Gemeinsamer Start. Laden Sie die App persönlich herunter und starten Sie diese gemeinsam mit Ihrem Kind.
3.Sicherheitsvorkehrungen. Achten Sie bei Onlinespielen darauf, dass Ihre Daten nicht weitgergegeben werden können.
4. Seien Sie wachsam, mit wem und wo Ihr Kind spielt. Sollte es unter zehn Jahre alt sein, sollte es von jemandem begleitet werden.
5. Selbst ausprobieren. Vielleicht ergibt sich ja eine gemeinsame Leidenschaft.
6. Klare Regelungen. Begrenzen Sie die Zeit, in der gespielt werden darf und geben Sie vor, mit wem gespielt wird. Sagen Sie „Nein“, wenn es zu viel wird.
7. Reflektieren Sie mit Ihrem Kind, damit es verantwortungsbewusst mit dem Spiel umgeht.

DER EXPERTE

Dr. Philip Streit
Dr. Philip Streit ist klinischer Gesundheitspsychologe,
Psychotherapeut sowie Lebens- und Sozialberater.

Seit 1994 leitet er das „Institut für Kind, Jugend und Familie“ in Graz.
Tel.: 0316/77 43 44
Web: www.ikjf.at

Ihre Anregungen und Fragen richten Sie bitte an die Redaktion.
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