03.05.2016, 12:29 Uhr

Wie höflich soll man zu Kindern sein?

„Bitte“ – „Danke“ und mehr: Welchen Stellenwert soll Höflichkeit in der Erziehung einnehmen? (Foto: bilderbox.com)

Welche Rolle spielt Höflichkeit in der Erziehung? Und wir kann man Kinder selbst Höflichkeit beibringen? Tipps vom Psychologen Philip Streit.

Kennen Sie das: Ihre Tochter folgt nicht. Da fällt es Ihnen schwer, ruhig und höflich zu bleiben. Wie höflich muss man zu Kindern sein?
Höflichkeit ist angemessenes, wertschätzendes Verhalten gegenüber anderen Menschen. Es hat das Ziel, andere in ihrer Würde zu belassen. Es verlangt jedenfalls fünf „Zauberworte“: Grüß Gott. Auf Wiedersehen. Bitte. Danke. Entschuldigung.

Nicht anbiedern
Höflichkeit ist aber nicht zu verwechseln mit „anbiedern oder schleimen“. Höflichkeit akzeptiert nicht alles und verzichtet keineswegs auf eine klare Haltung.
Daraus wird klar: Höflichkeit gegenüber Kindern ist kein schmückendes Beiwerk um Erziehung schmackhaft zu machen, sondern ein Kernelement gelingender Erziehung. Echte Höflichkeit verlangt den wertschätzenden, akzeptierenden Umgang mit anderen. Das beinhaltet auch, dass unerfreuliche Dinge gesagt werden dürfen und sollen.
Wie bringt man nun Kinder dazu, höflich zu sein? Das elterliche Vorbild, auch im Verhalten den Kindern gegenüber, ist entscheidend. Den achtsamen Umgang mit anderen lernen Kinder in der Sozialisation. In Auseinandersetzungen mit Bezugspersonen lernen sie, sich zurückzuhalten, andere zu akzeptieren.

Ein ruhiges „Nein“
Ein elterliches Nein gebrüllt und mit abwertenden Gesten versehen, führt zu Widerstand. Ein Nein, ruhig und souverän aber bestimmt, also höflich, dargeboten führt zu mehr Selbststeuerung.
Sie müssen aber nicht übertreiben. Übertriebene Höflichkeit wirkt abgeschleckt und kalt. Bleiben Sie authentisch.

Tipps für Eltern

1. Checken Sie sich selbst: Wie höflich sind Sie anderen Menschen gegenüber und wie höflich auch sich selbst gegenüber?
2. Seien Sie höflich sich selbst und anderen gegenüber. Seien Sie ein Vorbild. Verwenden Sie die fünf Zauberworte.
3. Verwenden Sie „Höflichkeit“ nicht um zu verdecken und zu schleimen. Bleiben Sie offen und klar in Ihren Botschaften.
4. Wenn Sie sagen wollen, was Ihnen an Ihren Kindern nicht passt, tun Sie das ohne Umschweiffe – klar und deutlich.
5. Auf der Beziehungsebene bleiben Sie immer höflich. Das heißt wertschätzend und akzeptierend.
6. Leben Sie dies vor. Kleine Ausrutscher können schon einmal passieren.
Grundsätzlich aber gilt: Ein wertschätzender Umgang wird Sie und Ihre Kinder stärken.

DER EXPERTE
Dr. Philip Strei
t ist Psychologe, Psychotherapeut und Lebens- und Sozialberater.
Seit 20 Jahren leitet er das „Institut für Kind, Jugend und Familie“ in Graz, das größte Familientherapiezentrum der Steiermark.
Kontakt: Tel. 0316/77 43 44, www.ikjf.at
Jede Woche beantwortet er in der „WOCHE“ eine Frage aus dem Themenfeld Erziehung und Beziehung.Ihre Anregungen können Sie an die Redaktion schicken:
elisabeth.poetler@woche.at
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